Vier Punkte, sechs Tore geschossen, fünf kassiert und zum zweiten Mal in Folge in der WM-Gruppenphase ausgeschieden. Nach dem Aus in Katar wird viel Kritik an der Nationalmannschaft geübt. Union-Berlin Manager Oliver Ruhnert fokussiert sich bei seiner Analyse im „Kicker“ hingegen auf das Nicht-Sportliche.
„Das ganze System passt einfach so nicht mehr. Wir sind im Gesamtbereich des DFB, der Direktion Nationalmannschaften schlecht aufgestellt – und das von unten bis oben. Im Nachwuchsbereich haben wir aus meiner Sicht personell und strukturell seit Jahren viele falsche Entscheidungen getroffen.“

Oliver Ruhnert hinterfragt das Führungspersonal, nicht aber Trainer Hansi Flick

Personelle Veränderungen sind für ihn nicht ausgeschlossen: „Wenn man über personelle Konsequenzen spricht, muss man auch die Führungsebene ins Auge fassen. Das muss man klar ansprechen, trotz der Verdienste in der Vergangenheit.“ Einzig den Bundestrainer Hansi Flick nimmt Ruhnert davon aus: „Ihn halte ich für selbstkritisch genug, Dinge neu zu denken und zu entwickeln.“
Ruhnert ist bei weitem nicht der Einzige, der mit deutlicher Kritik nicht spart. Auch Trainerlegende Eduard Geyer, Ex-Nationaltrainer der DDR und Bundesligacoach von Energie Cottbus wird gewohnt deutlich: „Es hätte um die totale Fokussierung auf den Ball gehen sollen und nicht darum, ob wir die Binde rechts oder links tragen, ob sie überhaupt schön ist und ob wir uns den Mund zu halten.“

Eduard Geyer hätte die Mannschaft nach dem Aus abgeschottet und die Spiele analysiert

Dinge, die nichts mit dem Fußball zu tun haben, hätten die Mannschaft belastet, führt der Ex-Cottbuser weiter aus. „Diese ganzen Aktionen sind total nach hinten losgegangen und haben uns total ins Abseits gestellt. Wir denken immer, wir sind der Nabel der Welt und schießen uns am Ende ins Knie.“
Man habe sich mit allem Möglichen beschäftigt, „nur nicht mit der Konsequenz des Fußballs.“ Nach dem letzten Gruppenspiel hätte Geyer die Elf nicht sofort auf die Heimreise geschickt, erklärt der Cottbuser Kulttrainer.
„Ich wäre in Katar geblieben, hätte mich drei Tage im Quartier eingeschlossen und eine knallharte Analyse gemacht. Man muss ganz ehrlich sein: Seit 2014 sind wir nur noch Mittelmaß.“