Sven Neumann benötigte mehrere Anläufe. Letztlich aber schaffte es der Funktionär beim MSV Neuruppin, einen neuen Mann ans Mikrofon zu locken. Nach endloser Überzeugungsarbeit. Sechs Wochen lang bezirzte Sven Neumann seinen Kumpel. Dann endlich hatte er ihn im Boot im Team des Fußball-Oberlisten, das sowohl im Security-Bereich als auch im Service bei den Heimspielen Dienst schiebt.
Er könne sich das super vorstellen, mit dieser prägnanten, klaren Stimme die Informationen im weiten Stadion über die Anlage an die Zuschauer zu bringen. So hatten Sicherheitschef Sven Neumann, Geschäftsführer Ingo Lamprecht und auch Jugendwartin Selina Köhn immer wieder Stachel gesetzt. Ihr Trick, schmunzelt Markus Eberschneider: „Das Permanente. Sie begrüßten mich mit ,da kommt der zukünftige Stadionsprecher‘.“ Wieder und wieder.

Vor und nach Jörg Köster am Mikrofon

Vor dem Auftaktspiel der Oberliga-Saison gab es den Wechsel des Staffelstabs: Klaus Fedchenheuer drehte den Regler runter, Markus Eberschneider ihn auf für seine ersten Sätze. Das war 15 Minuten vorm Anpfiff. Fedchenheuer hatte schon zu DDR-Zeiten als Sprecher fungiert. Dann bekam er Arbeit als Platzwart beim MSV. Es folgte über mehrere Jahre Jörg Köster mit seiner einprägsamen, honorigen Stimme. Beim Eintritt ins Rentenalter kehrte Klaus Fedchenheuer zurück ans Mischpult. Punktuell sorgte auch Thomas Wolf für die Informationen der Zuschauer.
74 Jahre ist Fedchenheuer jetzt, in ein paar Monaten wird halb gerundet. Sein sportlicher Höhepunkt: „Das Spiel gegen Bayern München“ vor 16 Jahren im Berliner Olympiastadion und auch das Duell der Hertha gegen Betis Sevilla im Neuruppiner Volksparkstadion, vor sieben Jahren. „Damals sollte ich als Platzwart für eine Zeitung aus Berlin posieren.“ Er bekam eine Schere in die Hand und schnitt damit symbolisch den Rasen auf Englisches Niveau. „Das Foto habe ich immer noch“, strahlt er.

Markus Eberschneider ist selbst Fußballer

Auf ähnlich einprägsame Momente freut sich Nachfolger Markus Eberschneider. 43 Jahre, Soldat in Berlin, Fußball gespielt für Eintracht Alt Ruppin, Langener SV 02, Union Neuruppin. Markus Eberschneider ist Vater von Moritz, der für die E-Jugend des MSV die Töppen schnürt. Auch seine Stimme drang bereits durchs Stadion, als er nach dem 4:0-Erfolg gegen Victoria Seelow den Tagessponsor von einem Zettel ablesen durfte.
„Wenn ich zusage, dann mache ich das zu 100 Prozent“, zurrt Eberschneider fest. Er hatte sich für seine Premiere am Mikro belesen, was betont oder vermieden, was wiederholt und erklärt werden soll. Unter anderem entschuldigte er sich für die defekte Anzeigetafel, auf der sich zwar die roten Leuchtpunkte deutlich absetzten. Doch die linke Ziffer stand auf Null oder Sieben, statt in der Schlussphase auf Vier. Ursache soll die anfällige und hochsensible Fernbedienung sein, mit der der Stadionsprecher agieren soll.

Die Anzeigetafel ist noch eine Baustelle

Schon zwei Stunden vor dem Anpfiff wird Markus Eberschneider seinen ehrenamtlichen Job am Mittwoch zum zweiten Mal beginnen (Anpfiff: 19.30 Uhr gegen SC Staaken). Möge die Baustelle Anzeigetafel funktionieren, das ist einer seiner Wünsche. Der zweite: „Egal wie, aber drei Punkte müssen wir holen. Ich bin bei meinem Tipp ganz mutig – 2:1.“