Dass Spieler verbal nicht immer fein miteinander umgehen, ist aber mittlerweile schon Normalität geworden. Gefährlicher sind aber rassistische Äußerungen. Auch sie kommen im Fußball leider immer wieder vor und das nicht nur von den Fans. Gerade, wenn jetzt keine Zuschauer im Stadion sind, hört man über die Außenmikrofone fast jedes Wort, dass die Spieler miteinander wechseln.
"Es ist wieder salonfähiger geworden, sich rassistisch zu äußern und zu verhalten," sagt Prof. Dr. Thomas Alkemeyer. Er lehrt Soziologie und Sportsoziologie an der Universität Oldenburg und spricht in dieser Debatte von zwei Entwicklungen. Zum einen hätten starke rechte Bewegungen und Parteien wie etwa die rechtspopulistische AfD damit zu tun. Die Bevölkerung würde dadurch denken, dass bestimmte Positionen wieder vertretbar seien und geäußert werden dürften, weil: "Faschisten wie Björn Höcke das in der Öffentlichkeit tun", sagt Alkemeyer. Das ermutige auch Leute mit einer verbogenen rassistischen Einstellung, sich vermehrt ungehemmt zu äußern.

Internationale Stars betroffen

Auch andere internationale Stars sind davon nicht verschont. Spieler wie Mario Balotelli, Kevin-Prince Boateng und Antonio Rüdiger sind in den vergangenen Jahren regelmäßig rassistisch angefeindet worden. Doch inzwischen, erklärt Soziologe Alkemeyer, werde Diskriminierung wird intensiver wahrgenommen. Es gebe eine wachsende Sensibilität für das Thema. Soziologe Alkemeyer nennt als weiteren Grund die wachsende Sensibilität für das Thema. "Es ist zwar nichts Neues, aber es sind neue Bedingungen", findet der 64-jährige Professor. "Denn auch die verstärkte Thematisierung von alltäglichem Rassismus durch kritische gesellschaftliche Bewegungen und politische Parteien, wie etwa die Grünen, sorgt für eine größere Aufmerksamkeit".
Die Medialisierung von Rassismus bewege sich aber auf dünnem Eis. Die große Aufmerksamkeit, die solche Entgleisungen erfahren, sei auf der einen Seite wichtig: "Solche Vorfälle müssen zur Sprache gebracht werden. Es muss gezeigt werden, dass so ein Verhalten keinen Platz hat und nicht geduldet wird." Auf der anderen Seite biete dennoch jede Berichterstattung auch eine Bühne für potenzielle Nachahmer.

Durch Herabsetzen stark fühlen

Was rassistische Anfeindungen in den Spielern auslösen, könne man sich nur schwer vorstellen. Thomas Alkemeyer ist aber davon überzeugt, dass solche Vorfälle tief verletzend seien und darüber hinaus alte Erinnerungen ans Tageslicht bringen – so wie etwa bei Hertha-Spieler Jordan Torunarigha, der Ähnliches im Februar beim DFB-Pokalspiel auf Schalke erlebte. Dessen Familie war bereits in seiner Kindheit Opfer von Rassismus. "Die, die beleidigen, sagen damit: Du gehörst nicht hier her, obwohl du hier geboren bist", sagt der Soziologe.
Warum sich Menschen so verhalten, sei schwer zu beantworten. Klar ist laut Alkemeyer aber: "Durch das Herabsetzen anderer kann man sich stark fühlen." Psychologisch lasse sich bestätigen, dass ein eigenes Unterlegenheitsgefühl der Grund sein kann, andere zu diskriminieren und zu entwerten.

Vorfall in der Brandenburgliga

Auch im Amateur-Fußball gibt es immer wieder rassistische Vorfälle. Vor zwei Jahren kommt es in der Brandenburgliga-Partie zwischen Gastgeber Grün-Weiß Lübben und Einheit Bernau zu einem unschönen Vorfall. Wie vor Beginn eines Spiels üblich, laufen die Akteure aneinander vorbei und klatschen sich ab. Die Bernauer sind mit drei dunkelhäutigen Spielern angereist. Ein Lübbener Kicker zieht bei ihnen seine Hand zurück, verweigert so das Abklatschen. "Uns reicht es jetzt", sagt damals Einheits Sportlicher Leiter, Olaf Skotnik. "So etwas kommt immer wieder vor. Wir lassen uns das jetzt nicht mehr gefallen." Er klagt vor dem Sportgericht und bekommt Recht. Der angeklagte Spieler muss 400 Euro Strafe zahlen und wird für fünf Spiele gesperrt.
Die Lübbener Spieler ziehen damals aus der Sache übrigens ihre ganz eigene Konsequenz. Beim nächsten Aufeinandertreffen der beiden Teams verweigert gleich die ganze Mannschaft den Bernauern kollektiv den Handschlag.

In Württemberg nur 28 registrierte Fälle


Fußball-Drittligist Preußen Münster hat nach dem Rassismus-Vorfall im Spiel gegen Würzburg für den Täter ein bundesweites Stadionverbot von drei Jahren verhängt. Außerdem will der Klub die vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) zu erwartende Geldstrafe auf den Mann umlegen. "Das Mindeste, das wir nun tun können, ist, dass diese Person nicht mehr in unser Stadion kommt", sagte Vereinspräsident Christoph Strässer. Drei Jahre sind laut Regularien das höchstmögliche Strafmaß.Bundesligist FC Schalke 04 wurde erst vergangene Woche aufgrund der rassistischen Beschimpfungen von Fans in Richtung des Hertha-Spielers Jordan Torunarigha zu einer Geldstrafe in Höhe von 50 000 Euro verurteilt worden.

Bei rund 17 000 Amateurspielen unter dem Dach des Württembergischen Fußballverband während der Saison 2019/20 gab es lediglich 28 Verfahren wegen rassistischer oder diskriminierender Äußerungen – 18 davon richteten sich gegen Vereine, 10 gegen Spieler. Das waren jedoch nur Vorfälle, die auch vom Schiedsrichter im Spielbericht festgehalten wurden. "Obwohl die Dunkelziffer wohl deutlich höher liegt, würde ich behaupten, dass das bei uns kein flächendeckendes Problem ist", sagt Pressesprecher Heiner Baumeister. max/sav/dpa