Chemie und Traktor, Einheit, Aufbau und Aktivist, Dynamo und Vorwärts, Empor, Fortschritt, Lokomotive und Turbine sind bekannte Vereinsnamen aus alten DDR-Zeiten, die sich teils bis in die Gegenwart erhalten haben. Man denke an Chemie Premnitz und Einheit Rathenow. Kaum mehr geläufig ist, dass der FSV Optik  in der BSG Motor Rathenow wurzelt.

Ingo Kahlisch kam 1989 zur BSG Motor Rathenow

Erst 1990 kam „Optik“ in den Namen des Sportvereins (SV), aus dem heraus sich vor 30 Jahren der Fußballsportverein (FSV) gegründet hatte. Zeitzeuge des Wandels ist Trainer Ingo Kahlisch, der seit Sommer 1989 am Vogelgesang tätig ist. Eine seiner Stationen als aktiver Spieler hieß BSG Kabelwerk Oberspree Berlin. Der Verein, kurz KWO, wurde 1990 aufgelöst.
Indessen hat sich Energie in Cottbus seit 1966 erhalten. Am kommenden Samstag, 18. Dezember 2021, gastiert der 1990 aus einer aufgelösten BSG heraus gebildete Fußballclub in Rathenow. Anpfiff: 13.00 Uhr.

Noch heute Chemie Premnitz und Stahl Brandenburg

Viele der gestandenen Zuschauer dürften sich noch heute fragen, wie es überhaupt zu den Vereinsnamen kam, die hinter dem Kürzel BSG (für Betriebssportgemeinschaft) standen. Das ist eine klassische DDR-Geschichte. Etwa bei Stahl in Brandenburg und Chemie in Premnitz liegt es richtigerweise sehr nahe, an die früheren Großbetriebe zu denken, die sozusagen die Trägerschaft über die Betriebssportgemeinschaften ausgeübt hatten. Nach 1989 sehr bekannt war, dass über Dynamo-Vereinen das Ministerium für Staatssicherheit bzw. die Polizei stand. Vorwärts hieß es bei der Armee.

Rathenower Optische Werke standen hinter BSG Motor

Auf Wikipedia findet sich unter „Sportvereinigung“ eine aufschlussreiche Liste. Demnach soll beispielsweise „Einheit“ auf Verwaltung, Banken und Versicherungen verweisen. „Empor“ soll Teil des Handels gewesen sein und „Fortschritt“ zu den Bereichen Textil, Bekleidung und Leder gehört haben.
„Motor“ steht laut Wikipedia-Angaben für Maschinen- und Fahrzeugbau. Wie sich das aber mit der BSG Motor in Rathenow deckt, ist unklar. Denn Trägerbetrieb waren die Rathenower Optischen Werke (ROW), die praktisch alleiniger Hersteller von Brillen in der DDR waren.