Der Saisonauftakt der Frauenfußball-Bundesliga steht auch für den Traditionsverein Turbine Potsdam kurz bevor. Am Sonntag treten die Landeshauptstäderinnen gegen Hoffenheim im Karl-Liebknecht-Stadion an. Co-Trainer Dirk Heinrichs erzählt über die kommende Saison.

Herr Heinrichs, der Verein hat vermeldet, dass Ihre neue Spielerin Lena Uebach verletzt ausfällt. Wissen Sie schon, wie lange?

Wir wollten das noch nicht verkünden. Die Ärzte sagen, es kommt jetzt darauf an, wie die OP bei ihr anschlägt. Sie hat eine verschleppte Knieverletzung. Angeblich wurde das vorher nicht so gut behandelt, sodass es bei uns wieder aufgebrochen ist. Das ist sehr schade.

Lena Uebach ist nicht der einzige Neuzugang in diesem Jahr. Wie fügen sich die anderen bisher in das Team ein?

Die erfahrene Spielerin von den Neuzugängen ist Merle Barth (26), die kam wie Lena Uebach von Leverkusen. Sie fügt sich hier überragend ein und gibt der Mannschaft viel Stabilität, sie kümmert sich um die jüngeren Spielerinnen und ist durchweg eine Führungspersönlichkeit, die wir hier auch brauchen. Dann haben wir noch Selina Cerci (20), die aus Bremen kommt. Dort wurde viel von ihr verlangt, weil sie vorne viel alleine machen musste. Hier ist es aber so, dass wir ihr beibringen wollen, dass sie viel mehr mit den anderen Spielerinnen spielt. Sie muss nicht mehr alles alleine machen. Sie wurde leider auch ein wenig zurückgeworfen, da sie im Trainingslager umgeknickt ist. Aber jetzt ist sie wieder im Training und am Sonntag auch im Kader.

Es kamen noch zwei weitere Talente ...

Melissa Kössler (20) haben wir im Nachwuchs ausgebildet. Sie war dann kurz in den USA und ist jetzt wieder zu uns gekommen und fügt sich wunderbar ins Kollektiv ein. Und vor Kurzem haben wir noch Marie Plattner (19) aus Österreich verpflichtet. Sie ist auch ein junges Talent, die uns bestimmt spielerisch weiterhelfen wird.

Wie läuft es mit dem neuen Trainer Sofian Chahed?

Es ist immer erst einmal interessant zu sehen, wenn neue Trainer kommen, was sie für Vorstellungen haben und wie ihr Typ überhaupt ist. Da ich hier der alte Hase bin, der weiß, wie es läuft im Frauenfußball, versuche ich ihm beratend zur Seite zu stehen. Im Moment ergänzt sich das ganz gut. Er hat aber auch seinen eigenen Kopf und seinen eigenen Willen – was ja gut ist.

Was muss man wissen, wenn man – wie Sofian Chahed – vom Männer- in den Frauenfußball wechselt?

(lacht) Naja, salopp gesagt, Männer treten sich in den Arsch und werden mal aggressiver, auch bei der Wortwahl. Aber sobald sie runter sind vom Platz, sind sie nicht nachtragend. Das ist bei den Frauen schon anders, die überlegen länger und sind nachtragender. Und es passiert weniger häufig, dass sie den anderen Spielerinnen ganz klare Worte an den Kopf werfen. Das ist der größte Unterschied.

Sofian Chahed hat gesagt, dass er hofft, dass es diese Saison für mehr als den vierten Platz reicht. Wie sehen Sie das?

Turbine Potsdam steht für Erfolg. Wir wollen uns Ziele stecken, um uns an diesen zu messen. Natürlich ist es nicht einfach, vor allem weil die anderen Mannschaften alle aufrüsten. Viele gehören zu Clubs der Männer-Bundesliga, haben andere Bedingungen. Trotzdem wollen wir möglichst oben mitspielen – und dadurch, dass der dritte Platz jetzt auch für die Champions-League-Qualifikation offen ist, sollten wir versuchen, da reinzukommen.

Kommen wir zu Corona. Wie sieht es bei Ihnen mit Zuschauern aus?

Im Land Brandenburg haben wir eine Obergrenze von 1000 Zuschauern, die werden wir zulassen. Da sind die Mannschaften und alle Verantwortlichen mit einbegriffen. Wenn man die abzieht, kommen wir an die 700 Zuschauer. Generell liegt die Grenze im Frauenfußball zwischen 1000 bis 1500, für uns ist das alles optimal. Wir freuen uns, wenn die Fans kommen und Stimmung machen, damit das Gefühl wieder da ist.

Was für Folgen zieht die Zwangspause nach sich?

Für den Sport ist das natürlich ganz schön bescheiden. Wir wurden von der DFL als Profis eingestuft, was wir gar nicht sind. Dann haben wir dieselben Hygieneregeln bekommen wie die Männer – nur können wir es uns nicht leisten, ein ganzes Hotel für das Team zu mieten. Das war teilweise sehr unrealistisch. Wir sind aber durchgekommen. Finanziell haben wir von der Deutschen Fußball Liga Unterstützung bekommen, die einen Sozialfonds gegründet hat. In der neuen Saison ist das aber nicht mehr so, also hoffen wir auf das Beste.