Allerdings musste Trainer Gühne erneut seine Startelf gehörig umkrempeln. Am Sonntagvormittag erhielt er gleich drei Absagen von der Innenverteidigerin Alina Muschert, der Angreiferin Frances Schulz sowie Celina Angelique Paul, die auf der linken Außenbahn Zuhause ist. Mit Juliane Mai, Lisa-Sophie Beisinger und Leah Fichte hatte er zwar drei Akteure auf der Bank, doch nur Fichte kam für ihm als Wechselspielerin in Frage, die anderen Beiden müssen erst noch herangeführt werden. Dementsprechend gab es für den Coach kaum Gestaltungsspielraum, um mit Einwechslungen frische Akzente zu setzen.
Zunächst schien die Partie den erhofften Verlauf zu nehmen. Bereits in der 7. Minute brachte Annika Wasserroth die Brandenburgerinnen in Führung. Doch praktisch in den Jubel hinein glichen die Gäste durch Marlen Mittner (8.) aus. In der Vorsaisonhatten die Stahlfrauen den LFC noch klar beherrscht (6:0), davon war am Sonntag nichts mehr zu spüren. Im Gegenteil, die Ludwigsfelderinnen hatten sogar nun leichte Vorteile. In der 27. Minute sorgte Mittner für die Führung.
Nun war das Team der Gastgeberinnen wieder wacher. Sie erspielten sich einige verheißungsvolle Situationen, doch entweder kam der Pass nicht an oder beim Abschluss fehlte die Präzision. Zum Glück ist auf Wasserroth Verlass, sie traf in der 41. Minute zum 2:2. Aber anstatt mit dem Unentschieden in die Pause zu gehen leistete sich die Stahl-Elf kurz vor der Halbzeit nochmals eine Unkonzentriertheit und kassierte das 2:3.
Das Bemühen konnte man den Brandenburgerinnen nicht absprechen, aber es wurde viel zu selten Fußball gespielt, die Einzelaktionen verpufften über weite Strecken des zweiten Durchgangs. In der 69. Minute dann das nächste Ungemach für die Stahlfrauen. Bei einer Aktion mit der LFC-Torfrau Sophie-Charlotte Maiwald, die daran schuldlos war,verletzte sich ausgerechnet die Torjägerin Wasserroth. Mit einem Außenbänderriss musste sie für Fichte Platz machen.
Dann kehrte aber das Glück zurück zu den Stahl-Fußballerinnen. Nur eine Minute später blieb die Torfrau Maiwald nach einer Rettungstat an der Strafraumkante liegen. Schiedsrichter Tom Heilmann ließ weiter spielen und Stefanie Beltz nahm das Geschenk an, glich zum 3:3 (70.) aus.
Trainer Gühne trieb seine Mannschaft immer wieder von Außen an, die aber nur selten zum Abschluss kam. Kurz vor dem Ende sprang dann noch einmal Glücksgöttin Fortuna den Brandenburgerinnen bei. Heilmannsah bei einer Aktion im LFC-Strafraum ein Foulspiel und pfiff Elfmeter. Den hätte nicht jeder Unparteiische gegeben. Aber Heilmann war beileibe kein "Heimschiedsrichter", er zog mit seinen Entscheidungen häufiger den Zorn der Stahl-Elf auf sich. Bemerkenswert jedoch die Reaktion der Gäste bei dem Elfmeterpfiff, wie auch schon beim Ausgleichstor. Während im Männerbereich Zeter und Mordio gerufen wäre, blieben sie gelassen, nahmen die Entscheidungen als gegeben hin. Respekt.
Nathalie Säger bewies Nervenstärke, verwandelte sicher zum 4:3. Kurz vor dem Ende hätte es dann doch noch beinah ein Happyend für die Ludwigsfelderinnen gegeben, die nach der Pause zu wenig in ihr Angriffsspiel investierten. Ein langer Freistoß ging an "Freund und Feind" vorbei, tickte im Strafraum auf und landete an der Latte. Die anschließende Aktion der LFC-Spielerin pfiff Heilmann dann aber zu recht ab.
So blieb es beim glücklichen 4:3-Erfolg der Brandenburgerinnen, die den Sieg aber teuer erkauft haben, mit dem Ausfall von Wasserroth, die wohl sechs Wochen fehlen wird.
Da Oliver Gühne an diesem Sonntag (1. September) nur zwölf Fußballerinnen im Kader hätte, beantragte er unter der Woche beim gastgebenden SV Babelsberg 03 eine Spielverlegung.