Hertha BSC hat die große Chance verpasst, gegen Aufsteiger VfB Stuttgart den Anschluss ans Tabellenmittelfeld herzustellen, bleibt bei drei Zählern hängen. Vor 4000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion verloren die Hauptstädter mit 0:2 gegen die Schwaben, die mit sieben Punkten nach oben blicken können. Hier die Partie im Check:

Die Lage

Für Hertha war es eigentlich ein gutes Omen. Die vergangenen sechs Aufeinandertreffen beider Mannschaften endeten mit einem Heimsieg – den letzten Auswärtsdreier bei der Hertha feierten die mit vier Zählern einen Punkt besser als die Berliner gestarteten Schwaben im September 2013. Für Trainer Bruno Labbadia hätte der 100. Sieg als Trainer in der Bundesliga herausspringen können. Damit wäre er der Siebte im Kreis von Größen wie Jupp Heynckes, Thomas Schaaf, Felix Magath, Friedhelm Funkel, Winfried Schäfer und Jürgen Röber gewesen.

Die Vorgeschichte

Corona hat nicht nur die Hauptstadt im Griff, sondern ist auch bei der Hertha aktuell. Neuzugang Matteo Guendouzi kehrte von der französischen U 21 als corona-infiziert zurück, verpasste sein mögliches Startelf-Debüt und ist seit Donnerstag in zehntägiger Quarantäne. Die Fans hielten sich meist tapfer an den Verzicht von Anfeuerungsrufen in der Partie, applaudierten stattdessen etwa bei der Verlesung der Mannschaftsaufstellung „nur“ ausdauernd, nur beim Klassiker „Nur nach Hause“ konnten sich einige mit dem Gesang nicht zurückhalten.

Die Tore

0:1 (9.) Oliver Kempf, köpft den Ball nach einem Freistoß von Daniel Didavi völlig unbedrängt aus acht Metern ins Netz..
0:2 (68.) Gonzalo Castro, erhält mehrfach den Ball wieder und trifft aus 20 Metern trocken ins linke Eck.

Die Startelf und Taktik

Die Berliner Personallage im zentralen Mittelfeld ist kritisch: Neben Guendouzi fehlt der Ex-Stuttgarter Santiago Ascacibar nach einer im Training erlittenen Oberschenkelverletzung. So bildeten Maximilian Mitttelstädt und Lucas Tousart ein ungewohntes Duo im defensiven Mittelfeld. Dodi Lukebakio saß überraschend auf der Bank, während Jhon Cordoba die Spitze im 4-2-3-1-System bildete.
Bei den Stuttgartern drückt der Schuh in der Abwehrkette. Neuzugang Kostandinos Mavrropanos wurde nach einem Meniskusriss operiert, ist bis Jahresende außer Gefecht gesetzt und der designierte Abwehrchef Waldemar Anton fällt mit einer Bänderverletzung aus. Trainer Pellegrino Matarazzo entschied so für eine Dreierkette und eine defensive Viererkette im Mittelfeld sowie Didavi, Castro und Spitze Kalajdzic als Offensivtrio.

So lief die Partie

Die Stuttgarter legten einen Blitzstart hin. Erst traf 2,04-Meter-Mann Sasa Kalajdzic nur den Außenpfosten, dann erzielte Verteidiger Oli er Kampf eine Minute später das 0:1, ebenfalls per Kopfball (9.). Die Berliner verstrickten sich dagegen trotz 70 Prozent Ballbesitz in der Anfangsphase immer wieder im Defensiv-Dickicht des VfB und boten den schwarz-gekleideten Gästen in der eigenen Defensive zahlreiche Räume an. Sinnbildlich die Leistung von Mittelstädt, dessen Passspiel fehlerhaft und die Zweikampf-Führung mindestens unglücklich war. Einen gezielten Torschuss der Hertha gab es in den ersten 30 Minuten nicht, ehe Cordoba eher zufällig, der Ball vor die Füße fiel. Aber der Kolumbianer zielte viel zu hoch. Insgesamt fehlte den Herthaner nach der Länderspielpause einfach der Biss, um gegen die aggressiven, laufstarken Schwaben etwas zu reißen. Die größte für die Platzherren vergab VfB-Akteur Mangala, der seinen eigenen Torwart Kobel per verunglückter Rückgabe zu einer Glanztat zwang (40.).
Trainer Labbadia reagierte zur Pause. Er brachte Lukebakio für den schwachen Leckie und erlöste Mittelstädt, indem er ihn auf die linke Außenbahn beorderte und Darida ins defensive Mittelfeld stellte. Hätte indes Kalajdzic aus drei Metern ins und nicht neben das Tor geköpft (47.), wäre der Käse wohl gegessen gewesen. So blieb Hertha im Spiel und hätte durch Cunha (53.), der an Kobel scheiterte und Boyatas Kopfball (58.) den Ausgleich schnell erzielen können. So traf Castro aus der Distanz aus dem Nichts und die cleveren Stuttgarter brachten ihren Vorsprung anschließend problemlos über die Zeit. Die Hertha-Fans pfiffen zu Recht nach dem Abpfiff.

Die Stimmen

Maximilian Mittelstädt (Hertha BSC): „Wir haben nach dem 0:1 den Faden verloren und nicht mehr richtig von hinten raus gespielt. Nach der Pause hätten wir den Ausgleich erzielen können, nach dem 0:2 war es schwierig. Die Niederlage ist ärgerlich, aber das wir uns durch die Länderspiele nicht richtig vorbereiten konnten, soll nicht als Ausrede gelten.“
Bruno Labbadia (Trainer Hertha BSC): „Das haben wir uns anders vorgestellt. Nach der Pause haben wir viel versucht, aber zu statisch gespielt.“

Die Statistik

Hertha BSC – VfB Stuttgart 0:2 (0:1)
Hertha: Schwolow – Pekarik (21. Zeefuik; 77. Löwen), Boyata, Stark, Plattenhart (66. Dilrosun) - Tousart, Mittelstädt – Leckie (46. Lukebakio), Darida (77. Piatek), Cunha - Cordoba
Stuttgart: Kobel – Karazor, Stenzel, Kempf – Wamangituka (89. Egloff), Mangala, Endo, Coulibaly (62. Gonzalez) - Castro (89. Kaminski), Didavi (62. Klimowicz) - Kalajdzic (86. Al Ghaddioui)
Tore: 0:1 Kempf (9.), 0:2 Castro (68.) - Schiedsrichter: Osmers (Hannover) – Zuschauer:4000

So geht es weiter

Am kommenden Sonnabend tritt Hertha BSC die zweitkürzeste Reise an und spielt um 15.30 Uhr bei RB Leipzig. Die Stuttgarter empfangen bereits am Freitag den 1. FC Köln.