„Als ich den Anruf bekommen habe, und ich gehört habe worum es geht, habe ich sofort angefangen zu weinen. Ich habe vor Freude geweint.“ Matheus Cunhas Traum ist in der vergangenen Woche in Erfüllung gegangen: Er ist in die brasilianische Nationalmannschaft, die Selecao, einberufen worden. Er soll bei den kommenden WM-Qualifikationsspielen den verletzten Gabriel Jesus ersetzen. Die Freude war dem jungen Mann bei einer Medienrunde in Berlin deutlich anzusehen, vor allem als er erzählte, dass er in die WhatsApp-Gruppe der Selecao eingetreten ist. „Ich habe geschrieben dass ich mich freue, hier zu sein und habe mich bedankt. Und Neymar hat mir direkt geantwortet und gesagt: Willkommen!“, erzählt er lachend. Ein Rausch der Gefühle.

Quarantäne droht

Für die Alte Dame könnte das jedoch Probleme verursachen. Der 21-Jährige könnte bei Herthas Bundesligaspiel am 17. Oktober gegen den VfB Stuttgart fehlen, da die Qualifikationsspiele in Sao Paulo und Lima stattfinden, und ihm womöglich anschließend eine Quarantäne droht. Fest steht das jedoch noch nicht, die Gesundheitsämter entscheiden das zu einem späteren Zeitpunkt. Von all dem lässt sich Cunha auch jetzt nicht ablenken: „Ich denke zur Zeit nicht an diese Probleme. Mein Kopf geht eher Richtung Bayern und das bevorstehende Spiel, was ein sehr wichtiges Spiel für mich und uns als Mannschaft ist.“

Mit Hertha nach ganz oben

Apropos Bayern. Könnte Hertha am Sonntag vielleicht auf Hoffenheim folgen und die Unbesiegbaren besiegen? Matheus Cunha ist sich nicht sicher. „Die Wahrheit ist, wenn sie alles richtig machen, dann sind sie die Favoriten. Man hofft auf Fehler – und wir müssen hart arbeiten.“ Auch wenn die blau-weißen gegen Bayern nicht gewinnen, kann es trotzdem gute Ergebnisse für die Mannschaft geben, findet der Brasilianer. Und er ist überzeugt: Mit seiner Hilfe kann Hertha an ihren „verdienten Platz“ in der Tabelle kommen. „Ich rede bescheiden über viele Sachen, aber ich möchte mit Hertha international spielen. Das wünsche ich mir und der Mannschaft.“

Erfolgsjahr 2020

Für Matheus Cunha persönlich war 2020 ein gutes Jahr. Im Januar war er vom RB Leipzig in die Hauptstadt gewechselt, dann kam im Mai sein Sohn zur Welt – und jetzt noch die Selecao. „Es war wirklich ein sehr positives Jahr, ich bin sehr happy“, sagt er in Berlin. „Das hört aber nicht auf, ich will einiges mehr erreichen,“ fügt er noch hinzu, sowohl auf dem Rasen als auch Zuhause. Insbesondere spricht er viel von der Verantwortung, die er als Spielmacher habe – etwas, was ihm sehr am Herzen zu liegen scheint. „Unter anderem trage ich mit meiner Ausstrahlung und Stimmung zur Mannschaft bei, das steckt sehr an, meine Energie und Ausstrahlung. Ich würde gerne mehr davon bei mir sehen“, sagt Cunha. Nach der Pleite gegen Frankfurt sei er „sehr frustriert und unglücklich“ gewesen, was ihn nun für die Partie gegen Bayern noch mehr motiviere. Mit Trainer Bruno Labbadia haben sie viel über die Fehler in Frankfurt gesprochen, so der Stürmer. „Es gibt mehrere Punkte, die wir besser machen können. Das wollen wir gegen Bayern zeigen. Und vielleicht haben wir am Ende sogar ein Sieg.“