Um vielleicht ein bisschen zu verdeutlichen, wie wichtig Christian Seifert für die Entwicklung der Fußball-Bundesliga war und auch immer noch ist, genügt ein kurzer Blick auf die Zahlen. Als er 2005 den Job als DFL-Geschäftsführer übernimmt, macht die Liga einen Umsatz von 1,3 Milliarden Euro Umsatz. Die aktuellen Zahlen aus dem Februar 2020 weisen 4,02 Milliarden Euro aus - mehr als das Dreifache. Der 15. Umsatzrekord in Folge. Nun ist der 51-Jährige nicht aus heiterem Himmel zurückgetreten, sondern wird lediglich seinen 2022 endenden Vertrag nicht verlängern. Genug Zeit für die DFL, einen geeigneten Nachfolger zu finden, der ein schwieriges Erbe antreten muss.
Teile der organisierten Fan-Szene werfen Seifert nicht ganz zu Unrecht die Kommerzialisierung des Fußballs auf Kosten von Fan-Interessen vor. Da er vor allem in Sachen Fernsehvermarktung immer mehr Geld für die Vereine rausholte und für eine zunehmende Zerstückelung des Spieltags sorgte. Doch nur durch die steigenden Erlöse gelang es den Bundesligisten, auch international weiter Konkurrenzfähig zu bleiben, auch wenn die Liga das Wort „Spannung“ im Meisterschaftskampf nur aus anderen Ländern kennt.
Durch die Corona-Krise führte der mächtigste Mann im deutschen Fußball die Liga mit der nötigen Ruhe und machte die Liga durch die Hygienekonzepte zu einem weltweiten Vorbild. Aber die Krise offenbarte auch zahlreiche Probleme, die Seifert als Abschiedsgeschenk mit der „Taskforce Zukunft Profifußball“ zu lösen versucht. Dieser Mann hinterlässt ein großes Erbe.