Sie endete gegen den Champions-League-Teilnehmer RB Leipzig – ein rotes Tuch für die Fans der Hauptstädter – sehr ernüchternd. So war es für die Eisernen doppelt bitter, dass sie ihre Premiere in der höchsten Liga mit 0:4 verloren und dabei kräftig Lehrgeld bezahlten.
"Es ist ein neues Abenteuer", freute sich Unions Coach Urs Fischer vor der Partie noch. Der Schweizer bot mit nur vier Neuzugängen eine überraschende Elf auf, setzte auf den offensiven Außenbahnen auf Neuzugang Marius Bülter und Aufstiegsheld Suleiman Abdullahi, dazu bildete Robert Andrich mit Grischa Prömel das defensive Mittelfeld, während Christian Gentner hinter der einzigen Spitze auflief.

Gegentor folgt ersten Gesängen

Mit dem Anpfiff wurde es in der Alten Försterei still. Selbst Arbeit hatte zuvor am Mikrofon die Gründe für den Stimmungsboykott – Fannähe, Mitbestimmung und starke Mitgliedschaft – energisch verteidigt. So waren zunächst nur die rund 2500 RB-Fans zu hören. Die Köpenicker hatten indes durch Sebastian Andersson die erste Torannährung (10.). Und dann kam die Explosion, als die Fans die ersten Gesänge anstimmten. Doch genau 60 Sekunden danach kassierte die Mannschaft ihr erstes Gegentor, durch einen Schlenzer des völlig freistehenden Marcel Halstenberg.
Fast wäre die Ernüchterung im einsetzenden Regen noch größer geworden. Aber der Video-Schiedsrichter bleibt nach der Relegation gegen Stuttgart weiter ein Union-Freund. Nach einer Ecke schoss Lukas Klostermann den Ball zum zweiten Mal an Rafal Gikiewicz vorbei. Doch der VAR monierte ein Handspiel zuvor, Schiedsrichter Markus Schmidt gab den Treffer nicht (22.). Acht Minuten später war es so weit. Als Kapitän Christopher Trimmel den Ball gegen Halstenberg verlor, versenkte Marcel Sabitzer den Ball zum 0:2.
Die Sorge von RB-Trainer Julian Nagelsmann, dass "die körperliche Präsenz und Standardstärke" von Union seinem Team Probleme bereiten könnte, erwies sich grundlos. Die Abwehr der Platzherren schwamm auf glattem Geläuf kräftig und hatte Glück, dass der freistehende Youssuf Poulsen nur die Latte traf (33.). Der sonst so ruhige Coach Fischer tobte – zu viele Stockfehler, zu viele leichte Ballverluste. Union machte sich das Leben selber schwer. Und Nationalspieler Timo Werner erhöhte noch vor der Pause auf 0:3.
Nach der ersten Hälfte blieb das Fazit – die im Vorjahr mit 33 Gegentoren beste Zweitliga-Abwehr ist, anders als die anfeuernden Fans, noch nicht erstligatauglich. Fischer setzte ein Zeichen und wechselte für Gentner zur Pause Angreifer Anthony Ujah ein. Die besseren Chancen besaßen bei allem Kampfgeist die Gäste, die die Partie nun verwalteten. Doch Gikiewicz rettete famos gegen Werner und Demme, war aber gegen das 0:4 durch Christopher Mkunku machtlos.

Emotionale Plakate vor Spielbeginn


Endlich dabei!lautete das Motto, unter dem die Anhänger des 1. FC Union Berlin mehr als 500 Plakate mit den Fotos verstorbener Fans und Angehöriger vor dem Anpfiff im Stadion hochhielten. Es war eine starke Geste für all jene, die den feierlichen Tag des ersten Bundesligaspiels ihres Herzensclubs nicht mehr miterleben können. Für alle im Stadion war es Gänsehaut pur.