Im Gespräch mit dem 33-Jährigen kommt schnell das Gefühl auf, als würde man sich mit einem guten, langjährigen Freund unterhalten. Dommisch verstellt sich nicht, hat immer einen lustigen Spruch auf den Lippen und spricht im Interview und auch bei Fernsehübertragungen kein Hochdeutsch, sondern brandenburgischen Dialekt in Perfektion. Noch bis vor acht Jahren wohnte er in seinem Kinderzimmer bei seiner Mutter in Königs Wusterhausen. Heute gehören Abende mit Dirk Nowitziki, oder Super-Bowls live im Stadion zu begleiten, zu seinem Alltag. Bei Fans des US-Sports ist der Brandenburger vor allem unter einem Namen bekannt, der für Brandenburger und Berliner gar kein Spitzname ist: "Icke".
"Mir ist der Berliner Dialekt nie so krass aufgefallen, jetzt merke ich es immer mehr und finde es sehr schön", erzählt er. Geboren wurde Dommisch in Frankfurt (Oder), aufgewachsen ist er bei seiner alleinerziehenden Mutter in Seelow, zudem verbrachte er viel Zeit bei seinen Großeltern in Königs Wusterhausen. "Ich war ein sehr unselbstständiger 25-jähriger Mann, der nie irgendwas machen musste im Haushalt." Denn neben seiner Mutter spielten auch ihre beiden Schwestern, die er liebevoll auch seine Mütter nennt, eine wichtige Rolle in seiner Erziehung. Nach seinem Studium sollte sich sein Leben innerhalb von nur 14 Tagen jedoch grundlegend verändern.
Zunächst arbeitete er ein Jahr bei Hertha BSC in der Videoredaktion und bei der Post in Schenkendorf, doch dann bekam er einen Praktikumsplatz in der Sportredaktion von Pro7. Dann hieß es: 3. November Bewerbungsgespräch, 15. November Umzug nach München. "Ich habe das gar nicht verstanden, dass ich nun nicht mehr zu Hause bin." Zudem das Problem mit den Haushaltsaufgaben. "Die ersten fünf Jahre war der Pizzalieferant ein sehr guter Freund von mir", erinnert er sich lachend zurück.
Mittlerweile lebt der 33-Jährige seit acht Jahren in der bayrischen Landeshauptstadt, wenn er nicht gerade wieder in den USA unterwegs ist. "Dank Corona bin ich aktuell das erste Mal drei Monate am Stück zu Hause. Irgendwie habe ich das auch genossen und Zeit gehabt, auch mal in München neue Ecken zu entdecken." In die Heimat verschlägt es ihn drei bis vier Mal im Jahr. "Bis vor zwei, drei Jahren war ich noch ein Kind und habe gar nichts richtig um mich herum wahrgenommen. Jetzt wird mir immer mehr bewusst, dass Menschen überall in Deutschland unterschiedlich sind. Die Mentalität hier in München ist anders als in Brandenburg und ich vermisse das manchmal tatsächlich", erzählt er, wenn er über Brandenburg spricht. Bis heute ist Dommisch im Kopf in gewisser Weise  aber auch noch Jugendlicher geblieben. "Ich habe jetzt wieder angefangen, World of Warcraft zu spielen" – ein Online-Rollenspiel, erzählt er mit einem breiten Grinsen.
Als sogenannter "Netman" ist er von September bis Februar jeden Sonntagabend im Fernsehen, hauptsächlich bei Pro7 Maxx, zu sehen. Begleitet werden die Spiele der Nordamerikanischen Football-Liga NFL von zwei Kommentaren und dem Brandenburger aus dem Studio in München. "Ich hole die Leute, die zu Hause sitzen, mit ihren Fragen oder Fotos aus den sozialen Netzwerken ins Boot und versorge sie mit aktuellen Statistiken und Infos." Wenn er nicht vor der Kamera zu sehen ist, ist Dommisch normaler Redakteur und schreibt Beiträge für die Webseite. Dass er wöchentlich im Fernsehen zu sehen ist, ist ihm beinahe peinlich. "Ich sehe mich auch nicht als jemand, der da unbedingt sitzen muss. Ich wollte das nicht unbedingt, aber ich rede halt gern über den Sport und das ist das Entscheidende." Die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" sieht ihn sogar als "Gesicht des Erfolgs" für die NFL-Übertragungen mit oft einer halben Millionen Zuschauer.
Obwohl er die Social-Media-Kanäle wie Facebook, Twitter und Instagram im Fernsehen präsentiert und dort selbst sehr aktiv ist, ist er sich ihrer problematischen Rolle bewusst. Allein auf der Plattform Instagram folgen ihm 143 000 Menschen. "Nur weil zehn Leute schreiben, dass du cool bist, bist du es nicht. Und es gibt unfassbar viel Hass und Schmutz. Manchmal lese ich das und denke nur: "Geh weiter." Aber oft denke ich auch "Mist, der hat Recht". Damit habe ich gerade ein bisschen zu kämpfen."
Dass er mittlerweile sieben Super-Bowls im Stadion erlebt hat, Dirk Nowitzki bei seinem letzten Spiel in San Antonio begleitet hat und bereits einige Superstars des Nordamerikanischen Profisports vor dem Mikrofon hatte, ist für ihn immer noch nicht ganz zu realisieren. "Man denkt mal darüber nach, aber eigentlich habe ich es noch nicht verstanden, was auch manchmal schade ist." Schon so häufig beim Super Bowl – dem größten Sportevent der Welt – vor Ort gewesen zu sein, ist für ihn nichts mehr Besonderes. "Natürlich verlieren manche Dinge ihren Reiz, aber auch Routine kann von Vorteil sein, damit man besser wird. Am Ende sind die Schmetterlinge immer im Bauch und das ist das Wichtigste."
Und seinem Spitznamen "Icke" wird er bei den Übertragungen auch regelmäßig gerecht. "Die Leute nehmen das mittlerweile als mein Markenzeichen wahr und das ist einfach so in mir drin und ein gewisser Schutz für mich. Wenn ich mich unwohl fühle, dann spreche ich Hochdeutsch, aber dann bin ich nicht mit vollem Herzen dabei." In seinen Anfangsjahren war er häufig mit Kult-Kommentator Frank Buschmann unterwegs, der den Spitznamen bei den Fernsehübertragungen sehr präsent machte. Doch der eigentliche Grund geht auf einen Partyabend zurück. "Da war ich ziemlich betrunken, habe an der Bar ein bisschen gepöbelt und weil der Dialekt so prägnant war, meinte unser Sportchef: Mensch Icke, jetzt beruhig dich mal! Von dort an wurde es zu einem Selbstläufer." Doch er ergänzt lachend: "Der echte Icke ist natürlich Thomas Häßler."
Trotz seiner lockeren und unbeschwerten Art, muss sich auch Dommisch aufgrund seiner Herkunft aus Ostdeutschland innerhalb der Medienbranche diskriminierende Sprüche anhören. "Das Schlimme ist, man hat es immer so eingetrichtert bekommen, wenn man hier landet. Nach dem Motto: Ihr seid halt so." Und fügt hinzu: "Es gibt genügend Dinge in Deutschland, wo man merkt, dass man noch nicht eins ist und daran sollten wir alle arbeiten."
Ob es ihn in Zukunft in die Heimat zurückzieht, weiß er noch nicht, dabei würde auch immer der Job eine wichtige Rolle spielen. "Langfristig zieht es einen schon immer nach  Hause. Ich habe die ersten 25 Jahre sehr langsam gelebt und die letzten acht im Schnelldurchlauf und sehr viel von der Welt gesehen. Wenn ich jetzt wieder in Brandenburg leben würde, weiß ich nicht, wie verständlich es für die Familie wäre, wenn ich nicht jedes Wochenende zu Hause bin."
Aber eine Sache ist für ihn definitiv klar: "Solange ich das im Fernsehen mache, schneide ich mir die Haare nicht ab."
Über eine ganz besondere Begegnung mit Dirk Nowitzki und von weiteren Erlebnissen erzählt Christoph Dommisch in der neunten Folge von "Dit is Brandenburg", dem Podcast der Märkischen Oderzeitung. Zu hören auf: www.moz.de/podcast

Die Erfolgsgeschichte von ranNFL im deutschen Fernsehen


Seit 2015 zeigt der Spartensender Pro7 Maxx von September bis Ende Februar am Sonntagabend ab 19 Uhr zwei Spiele der regulären Saison in der Nordamerikanischen American Footballliga NFL. Während der ab Januar beginnenden Play-offs werden auch vereinzelt Partien auf Pro7 übertragen. Highlight der jährlichen Saison ist das Endspiel um die nationale Meisterschaft, der SuperBowl – das größte Sportevent der Welt. Im diesjährigen Finale zwischen San Francisco und Kansas City schalteten in Deutschland um 0.30 Uhr 2,17 Millionen Menschen ein, weltweit waren es 99 Millionen.

Für ihre Berichterstattung im American Football wurde ProSieben/ProSieben Maxx 2019 auch mit dem deutschen Fernsehpreis in der Kategorie "Beste Sportsendung" ausgezeichnet. lgr