Am Donnerstag bekam Thomas Popiesch schon einmal eine vage Vorstellung vom Gefühl, Bundestrainer zu sein.
Beim Eishockey-Comeback in Deutschland nach achtmonatigem Stillstand zum Start des Deutschland Cups fungierte der eigentliche Trainer der Fischtown Pinguins aus Bremerhaven als Cheftrainer des Nationalteams. Nach dem standesgemäßen 7:2 gegen das deutsche Olympia-Perspektivteam könnte am Samstag gegen Lettland (17.00 Uhr/Sport1 und MagentaSport) das erste echte Länderspiel als offizieller Bundestrainer folgen.
„Er ist geradlinig und kommuniziert mit den Spielern klar. In Bremerhaven hat er sehr gute Erfahrungen gemacht. Ich habe einen sehr guten Eindruck von Thomas gewonnen“, sagte der eigentliche Bundestrainer Toni Söderholm. Der 42 Jahre alte Finne ist in Krefeld wegen eines positiven Corona-Tests nicht dabei.
Als Söderholm in der Vorwoche mit 40 Grad Fieber darniederlag und sein Testergebnis bekam, war für ihn sofort klar, dass Popiesch ihn zusammen mit dem U18-Nationaltrainer Steffen Ziesche vertreten soll. Ziesche sprach bislang öffentlich für das Trainerteam, nur Popiesch wird auch vom DEB beim Turnier offiziell als Chefcoach geführt. Kurzfristig ist dies natürlich nur ein Aushilfsjob. „Im Moment ist das kein Thema“, sagte Popiesch am Freitag der „Nordsee-Zeitung“ zu Überlegungen, er könnte Söderholm nach dessen Vertragsende 2022 beerben.
Langfristig könnte dies aber ein Thema werden. Denn beim DEB hält man große Stücke auf den 55-Jähirgen. Mit Popiesch hatte Söderholm im Februar bereits einmal das Perspektivteam für Peking 2022 in der Schweiz betreut. Damals hatte es offenbar eine Empfehlung vom DEB gegeben, als es um einen geeigneten Assistenten ging.
Beim Deutschen Eishockey-Bund stand Popiesch schon oben auf der Liste, als der Verband vor zwei Jahren nach einem Nachfolger für Marco Sturm suchte. Der 55-Jährige galt als Alternative, hätte es mit Wunschkandidat Söderholm nicht geklappt. In Bremerhaven, beim größten Underdog der DEL, schaffte Popiesch seit 2016 Erstaunliches. Trotz bescheidener finanzieller Mittel führte er die Pinguins dreimal in ein Playoff-Viertelfinale. Wäre die Saison im März nicht abgebrochen worden, hätte es zum vierten Mal Playoff-Eishockey an der Wesermündung gegeben.
Seine Integration in die Trainerarbeit beim DEB nährt Spekulationen, dass er Söderholm einmal als Bundestrainer beerben könnte, sollte dieser etwa nach Olympia 2022 zu einem großen Club wechseln wollen. Stolz macht ihn die Anerkennung seiner Arbeit durch Söderholm und den DEB „auf alle Fälle“. Im Interview des „Weser Kuriers“ (Freitag) zu seinem Bundestrainer-Job beim Deutschland Cup sagte er: „Das ist ja immer eine Auszeichnung, wenn man für die Nationalmannschaft arbeiten darf.“ Und bei den Spielern machte er in kurzer Zeit Eindruck.
„Ein super Mensch“, lobte etwa Nationalverteidiger Marco Nowak von der Düsseldorfer EG. „Die Coaches hier machen auch einen super Job.“ Andere Spieler äußerten sich ähnlich. „Er hat einen sehr guten Eindruck hinterlassen“, berichtete Söderholm am Freitag, immer noch hörbar angeschlagen.
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