Nach den zehn härtesten Monaten ihres Lebens fehlte Mikaela Shiffrin nicht viel zum ganz großen Comeback-Coup. Die amerikanische Ausnahme-Skirennfahrerin raste im Slalom von Levi auf den zweiten Platz und musste sich dabei nur ihrer slowakischen Dauerrivalin Petra Vlhova geschlagen geben.
An einem emotionalen Samstag in Lappland aber zeigte Shiffrin, dass sie in diesem Winter wieder zu den Favoritinnen zählt. „Ich bin happy“, sagte die 25-Jährige, „das hat richtig Spaß gemacht.“ Im TV-Interview kamen Shiffrin dann hinter der Corona-Maske Tränen der Freude und Erleichterung.
Bei dem Torlauf, den drei deutsche Fahrerinnen zwar nicht unter den Top 15, aber immerhin in den Punkterängen beendeten, deutete Shiffrin an, dass sie in den 300 Tagen seit ihrem bis dato letzten Weltcup nicht viel verlernt hat. „Ich bin glücklich mit dem Gefühl auf dem Ski“, erzählte sie. Dabei hatte die fünfmalige Weltmeisterin und zweimalige Olympiasiegerin extrem schwierige Monate hinter sich.
Anfang Februar starb ihr Vater Jeff, deswegen ließ Shiffrin mehrere Rennen aus. Dann brach die Corona-Pandemie über die Welt herein. Und den Saisonstart in Sölden verpasste die Amerikanerin wegen einer Rückenverletzung. Während ihre slowakische Rivalin Vlhova drei Wochen lang vor Ort in Levi trainierte, bereitete sich Shiffrin in ihrer Heimat Colorado vor und reiste erst in dieser Woche an. „Ich bin so müde, ich könnte nur noch schlafen“, sagte sie noch am Donnerstag.
Die emotional intensiven Monate merkte man Shiffrin bei ihrem ersten Rennen dieses WM-Winters noch an, sie war weniger explosiv als sonst oft. ARD-Experte Felix Neureuther sagte: „Shiffrin hat noch unfassbar viel Potenzial. Sie hat noch lange nicht gezeigt, was sie kann. Wir können uns wirklich sehr auf die kommenden Rennen freuen.“
Dritte wurde Katharina Liensberger aus Österreich (+0,57). Schon am Sonntag (10.15/13.15 Uhr/ARD und Eurosport) kommt es zum zweiten Slalom und dem zweiten Duell Shiffrin gegen Vlhova. Die Slowakin feierte den vierten Slalom-Erfolg nacheinander und ihren 15. Sieg im Weltcup. „Ich haben meinen Vorteil ausgenutzt“, meinte sie.
Beste Deutsche war Lena Dürr auf Platz 17, sie patzte vor allem im Steilhang. „Das ärgert mich brutal“, sagte die Münchnerin und kündigte vor Sonntag an: „Es muss brutaler und aggressiver werden.“ Andrea Filser wurde 23. und sammelte damit erstmals Punkte im Weltcup, Marina Wallner kam auf den 24. Platz. „Nach vorne haben wir noch sehr viel Luft“, resümierte Damen-Bundestrainer Jürgen Graller.
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