"Die Vorfreude ist schon sehr groß, gerade nach der Nicht-Berücksichtigung im vergangenen Jahr. Ich bin zwar in diesem Jahr auch schon beim Giro gefahren, aber die Tour ist nun mal das Sahnehäubchen", sagt Kluge vor dem Start am Sonnabend in Brüssel. 3460 Kilometer liegen bis zum Ziel auf den Champs- Élysées am 28. Juli vor Kluge, sowie Nikias Arndt und Lennard Kämna vom Team Sunweb, die alle durch die Lausitzer Radsportschule gegangen sind. "Der Respekt ist groß. Der Giro ist schon schwer, aber die Tour hat immer besondere Tücken", meint Kluge.
Sportlich kommt ihm die gleiche Rolle zu wie beim Giro. Er soll seinem australischen Teamgefährten und inzwischen auch Freund Caleb Ewan zu Etappensiegen bei dessen Tour-Premiere verhelfen. Im Saisonverlauf und vor allem beim Giro klappte das schon ganz gut, zweimal stand da der nur 1,65 Meter große "Sprint-Floh" ganz oben auf dem Treppchen. "Wir haben bisher ein sehr gutes Jahr, haben als Team gut zusammengefunden. Nach den zwei Etappensiegen beim Giro gehen wir relativ entspannt in die Tour. Die Erfolge waren ganz wichtig – so wollen wir weitermachen", sagt Kluge und ergänzt: "Die Form ist da."
Bei den deutschen Zeitfahr-Meisterschaften am Freitag in Spremberg belegte Kluge mit einem Rückstand von 1:50 Minuten auf  Meister Tony Martin den siebten Platz. Bei der Straßen- Entscheidung auf dem Sachsenring mischte er ebenfalls lange in der Spitze mit, ehe er abreißen lassen musste und Achter wurde. "Ich wollte Spremberg noch mal fahren, gerade weil mein Heimatverein RK Endspurt Cottbus die Meisterschaften ausgerichtet hatte. Und es war ein guter Test im Hinblick auf das Tour-Mannschaftszeitfahren am Sonntag in Brüssel", erklärt Kluge.
Verzicht auf die Bahn-DM
Ein anderer Test klappt beim zweimaligen Madison-Weltmeister dagegen nicht. Einen Start bei den deutschen Bahn-Titelkämpfe im Berliner Velodrom vom 31. Juli bis 4. August schließt Kluge derzeit aus. "Ich weiß, die Meisterschaften sind vor der Haustür. Aber der Abstand von drei, vier Tagen nach dem Tour-Ende ist schon sehr kurz. Sonst wäre es ein perfekter Test für nächstes Jahr gewesen", sagt er. Denn läuft alles planmäßig, will Kluge 2020 am 19. Juli die Tour beenden – und am 8. August in Izu bei Tokio zusammen mit dem Berliner Theo Reinhardt um olympisches Gold im Madison kämpfen. "Von Dubai nach Polen ist eben etwas anderes als von der Tour de France zur deutschen Meisterschaft", sagt Kluge, der in diesem Jahr direkt von der UAE-Tour kommend auf das Bahnrad umgestiegen war und den WM-Titel im Madison erfolgreich verteidigte.
Gleichwohl spielt die Bahn für den Olympia-Zweiten von 2008 weiterhin eine große Rolle. "Ich habe mit dem Team vereinbart, dass ich mich im Sommer auf die Straße konzentriere", erläutert Kluge. Trotzdem gibt es natürlich schon erste Gedanken für die kommende Wintersaison, an deren Ende schließlich auch noch eine Heim-WM steht. "Mein Wunsch wäre es, beim Weltcup in Glasgow im November einzusteigen. Das ist aber mit Bundestrainer Sven Meyer noch nicht final besprochen", sagt Kluge. Ohnehin kreisen die Gedanken in den nächsten drei Wochen nahezu ausschließlich um die Frankreich-Rundfahrt.