Der vierfache Bahnrad-Weltmeister Maximilian Levy aus Cottbus zieht hier die ganz persönliche Bilanz seiner Karriere. Und er verrät, welches Wunschgewicht er sich für die Zeit nach der Karriere fest vorgenommen hat.
Die Olympischen Spiele in Tokio waren der Schlusspunkt in der langen und erfolgreichen Karriere von Maximilian Levy. Der 34-jährige Bahnradsprinter aus Cottbus hat jetzt sein Karriere-Ende verkündet und wird künftig als Junioren-Bundestrainer beim Bund Deutscher Radfahrer (BDR) arbeiten. Levy hat 35 Medaillen bei Olympia sowie Welt- und Europameisterschaften erkämpft. Darunter sind insgesamt vier WM-Titel.
Hinter ihm liegt eine Karriere mit vielen Höhepunkten, aber auch Tiefpunkten und Schmerzen. Hier zieht der Cottbuser seine ganz persönliche Bilanz und spricht dabei auch über die mentale Belastung für einen Leistungssportler in der Weltspitze.

Maximilian Levy – Mein wertvollster Erfolg

„Es gibt drei entscheidende Erfolge. Erstens: der Weltmeistertitel 2009 im Keirin. Ich lag damals im Vorfeld im Clinch mit dem Verband lag, weil ich meine eigenen Vorstellungen bezüglich der Vorbereitung nicht durchsetzen konnte. Zweitens: die Olympischen Spiele 2012. Ich habe zwei Medaillen geholt. Drittens: der EM-Titel 2017 in Berlin. 2014 bin ich schwer gestürzt und habe mir das Schlüsselbein gebrochen. Danach habe ich mich 2015 und 2016 irgendwie durchgekämpft. Auch bei Olympia lief es nicht so, wie es sein sollte. Und dann habe ich mir Anfang 2017 erneut das Schlüsselbein gebrochen. Deshalb war der anschließende EM-Sieg im Jahr 2017 ein wichtiger Neuanfang.“

Maximilian Levy – Mein emotionalster Sieg

„Wie gesagt – die EM 2017 war mein großes Ziel. Und dann habe ich dort gewonnen. Da gehen dir alle Poren auf und du sagst dir: wow! Dieser Sieg war entscheidend dafür, dass ich nochmal vier Jahre weitergemacht habe bis zu den Olympischen Spielen in Tokio. Denn schon damals hat mir der enorme Druck zu schaffen gemacht. Ich habe vor den Rennen schlecht geschlafen. Aber dieser EM-Sieg hat mich motiviert, diese mentale Belastung weiter auf mich zu nehmen.“

Maximilian Levy – Meine schlimmste Niederlage

„Olympia 2016 in Rio war ziemlich hart. Weil ich immer noch mit den Nachwirkungen des Sturzes 2014 zu kämpfen hatte. Ich habe schon im Vorfeld gemerkt, dass ich nicht derselbe bin wie 2012, als ich zwei Medaillen gewonnen habe. Der 5. Platz im Teamsprint war ja noch ganz nett. Aber der Rest war dann schon heftig. Vor allem im Keirin bin ich sang- und klanglos untergegangen. Das Schlimmste war: Es hat sich total ungerecht angefühlt angesichts der vielen Arbeit, die man dafür reingesteckt hat.“

Maximilian Levy – Mein schmerzhaftester Sturz

„2014 der Schlüsselbeinbruch in Kolumbien. Alle haben gedacht: Der ist da halt mal hingefallen, jetzt wird das Schlüsselbein operiert und dann geht es weiter. Aber, was ich da durchgemacht habe… – diese Zeit war wirklich schlimm. Das war fast schon eine halbe Krebs-Therapie, um die ganzen Entzündungen aus dem Körper zu kriegen. Ich war im Prinzip durch mit dem Leistungssport. Am Ende musste dann sogar ein Teil des Beckenknochens eingesetzt werden.“

Maximilian Levy – Mein härtester Konkurrent

„Ganz klar – Chris Hoy und Jason Kenny. Beide muss ich in einem Atemzug nennen. Mit ihnen habe ich mir unzählige Duelle geliefert. Mit Chris Hoy im ersten Teil meiner Karriere, mit Jason Kenny dann bis zuletzt bei den Olympischen Spielen in Tokio.“

Maximilian Levy – Mein längster Wegbegleiter

„Mit meinem Heimtrainer Eyk Pokorny habe ich seit 2007 zusammengearbeitet. Mit Bundestrainer Detlef Uibel seit 2006 und mit Michael Hübner seit 2011. Dabei war der Anfang mit Eyk Pokorny gar nicht so einfach. Er arbeite damals in Frankfurt (Oder), ich war in Cottbus. Wir mussten uns erst zusammenfinden. Dazu kam mein damaliger Clinch mit dem Verband. Spätestens nach dem WM-Sieg 2009 hatten Eyk und ich dann jedoch die Argumente auf unserer Seite. Es war immer ein Austausch auf Augenhöhe.“

Maximilian Levy – Meine wichtigste Erkenntnis

„Um erfolgreich zu sein, brauchst du vor allem Leidenschaft und Herz. In Tokio zum Beispiel lag ich nach der Sprint-Qualifikation nur auf Rang 19. Ich habe zwar meine persönliche Bestzeit verbessert, wollte aber noch schneller fahren. Danach habe ich mich dann im Sprint-Turnier nach vorn gewühlt – mit viel Herz. Damit kann man so viel bewegen. Im Sprint hat man mich schon oft abgeschrieben. Trotzdem bin ich jetzt amtierender Europameister.“

Maximilian Levy – Mein dringlichster Rat

„Ich kann meinen Nachfolgern nur sagen: Was zählt, ist Arbeit, Arbeit, Arbeit. Ohne Arbeit geht es einfach nicht. Aktuell ist der Trend in Sachen Trainingsmethodik: Man soll möglichst frisch ins Training gehen. Gefühlt wollen deshalb alle nur noch frisch sein. Aber erstmal muss man im Training hart arbeiten. Und danach kann man dann auch an der Frische arbeiten. Ausdauer wird früher oder später belohnt. Meistens später.“

Maximilian Levy – Mein größter Wunsch

„Mit der Karriere habe ich meinen Frieden schon in den zurückliegenden Monaten gemacht. Den letzten Sieg meiner Karriere habe ich beim Großen Preis in Cottbus geholt – was kann dir Schöneres passieren. Jetzt will ich einen guten Übergang in das neue Leben nach der Karriere schaffen. Zum Beispiel als Junioren-Bundestrainer. Auch der Triathlon wird mir sicher helfen. Ich will nicht mit 93 Kilogramm aufhören und mich auf die Coach setzen. Dann habe ich ganz schnell 100 Kilogramm, die runterhängen. Mein Ziel sind rund 80 Kilogramm. Ich freue mich auch drauf, dass ich mir einfach mal ein Fahrrad nehmen und durch den Spreewald fahren kann.“
Nach diesem Sturz beim Weltcup 2014 in Kolumbien musste Maximilian Levy lange pausieren.
Nach diesem Sturz beim Weltcup 2014 in Kolumbien musste Maximilian Levy lange pausieren.
© Foto: Leonardo Munoz/dpa