Großer Rückschlag für Topfavorit Michael Jung und die deutsche Vielseitigkeits-Equipe – dafür greift Julia Krajewski bei den Olympischen Spielen in Tokio in der Einzelwertung nach Gold. Dank ihrer überragenden Leistung gelang es dem deutschen Dressur-Equipe zunächst im Team eine Goldmedaille zu holen und dann auch im Dressur-Einzel Gold und Silber abzuräumen. Ein starker Auftakt im Reiten bei Olympia also, dank Jessica von Bredow-Werndl mit Dalera. Isabell Werth mit ihrem Pferd Bella Rose und Dorothee Schneider ihrem Showtime.
Für Vielseitigkeitsreiter Michael Jung ist der Traum vom olympischen Gold-Hattrick beendet. Er kassierte elf Strafpunkte und rutschte auf Platz zehn zurück. Ein Protest blieb erfolglos, dadurch ist auch sein Team weit zurückgefallen. Der Olympia-Einzelsieger von 2012 und 2016 besitzt nur noch eine minimale Medaillenchance – im Gegensatz zu Julia Krajewski. Die Warendorferin liegt vor dem abschließenden Springen am Montag um 10.00 Uhr/MESZ auf dem Silber-Rang.

Reiten Olympia 2021 Vielseitigkeit: Julia Karajewski kämpft um Gold

Die deutschen Vielseitigkeitspferde sind bereit für den Showdown im Springen. Alle Pferde bestanden am Montagmorgen in Tokio die letzte tierärztliche Verfassungsprüfung, den sogenannten Vet-Check. Damit gehen Julia Krajewski (Warendorf) mit Amande de B'Neville, der dreimalige Olympiasieger Michael Jung (Horb) mit Chipmunk und Ex-Weltmeisterin Sandra Auffarth (Ganderkesee) mit Viamant du Matz in die Entscheidung um die Medaillen.
Holt Julia Krajewski die nächste Goldmedaille? Die 32-Jährige aus Warendorf hatte als Startreiterin mit ihrer elfjährigen Stute Amande einen Galaauftritt gezeigt. Vor dem abschließenden Springen am Montag um 10 Uhr liegt Krajewski mit nur 25,60 Strafpunkten auf dem Silber-Rang. Bleibt sie fehlerfrei und der führende Brite Oliver Townend hat mit Ballaghmor Class (23,60) in einer der zwei Runden einen Abwurf, wäre es sogar Gold.

Vielseitigkeit Olympia 2021 Ergebnisse: Michael Jung mit Chipmunk auf Rang zwei

Der scheinbar sichere Medaillenkandidat Michael Jung kassiert Strafpunkte im olympischen Gelände in Tokio. Jung berührte mit seinem Pferd Chipmunk beim olympischen Geländeritt eine Ecke mit Bürsten, kassierte wegen des Auslösens eines Sicherheitssystems elf Strafpunkte und rutschte auf Platz zehn zurück. Ein Protest blieb erfolglos. Da dadurch auch das Team am Sonntag in Tokio weit zurückfiel, besitzt der Olympia-Einzelsieger von 2012 und 2016 nur noch eine minimale Medaillenchance - im Gegensatz zu Julia Krajewski.
Jungs Chancen in der Einzelwertung sind nach dem Rückfall auf Rang zehn nur noch theoretisch. Seinen elf Punkte teuren Fehler hatte der Reiter gar nicht richtig mitbekommen. Er habe es „in der Situation erst realisiert, als ich den Knall gehört habe“, berichtete der siebenmalige Europameister. Er habe „die Ecke ein bisschen berührt, aber lange nicht so, dass ich damit gerechnet hätte, dass sie runterfällt. Erst als ich schon weitergeritten war, hörte ich hinter mir einen Knall.“

Einzel-Dressur bei Olympia 2021: Gold und Silber für Deutschland

Einen Tag nach dem Sieg im Team-Wettkampf hat sich Dressurreiterin Jessica von Bredow-Werndl auch im Einzel zur Olympiasiegerin gekürt. Auf ihrer Stute Dalera verwies die 35-Jährige in der Grand Prix Kür die siebenmalige Olympiasiegerin Isabell Werth (Rheinberg) mit Bella Rose auf den zweiten Platz. Bronze ging an die Britin Charlotte Dujardin auf Gio. Für das deutsche Olympia-Team war es die insgesamt dritte Goldmedaille in Tokio.
Isabell Werth verpasste es mit Silber, in der Liste der erfolgreichsten deutschen Olympia-Teilnehmer zu Spitzenreiterin Birgit Fischer aufzuschließen. Die 52-Jährige steht mit siebenmal Gold und fünfmal Silber weiterhin auf Rang zwei hinter der Rennsport-Kanutin, die es auf acht Gold und vier Silber gebracht hatte.

Ergebnisse Dressur Olympia 2021: Zweite Goldmedaille für Deutschland

Die deutsche Dressur-Equipe gewinnt erneut Gold: Mit 8178 Punkten fiel der Sieg vor dem US-Trio (7747) und vor Großbritannien (7723) überaus deutlich aus. Isabell Werth erhielt 83,298 Prozentpunkte und baute die deutsche Führung vor Schlussreiterin Jessica von Bredow-Werndl mit Dalera aus. Auf Platz zwei und drei folgen Großbritannien und die USA. Vierter ist Dänemark.
Dorothee Schneider hatte die deutsche Dressur-Equipe bei den Olympischen Spielen mit einer tollen Vorstellung auf Goldkurs gebracht. Auf ihrem Hannoveraner Wallach Showtime leistete sich die 52-Jährige aus Framersheim als erste deutsche Reiterin im Grand Prix Special lediglich einen kleinen Wackler bei der Piaffe-Passage und vergaloppierte sich kurz, kam aber auf starke 80,608 Prozentpunkte und sorgte für die zwischenzeitliche Führung. Es ist das 14. deutsche Mannschaftsgold auf dem Viereck seit 1928.
Großbritannien war zu Beginn auf Silberkurs, nachdem Carl Hester mit En Vogue 78.344 Punkte erzielt hatte, und es schien, als seien Dänemark und die USA in ein Katz-und-Maus-Spiel um Bronze verwickelt. Doch die Amerikanerin Adrienne Lyles legte eine reife Leistung hin und holte mit Salvino 76.109 Punkte, was ihrer Mannschaft eine solide Grundlage bot, auf der sie aufbauen konnte. Steffen Peters und Sussenkasper bauten die Führung mit 77.766 Punkten aus.
Cathrine Dufour und Bohemian gingen als letztes Paar für Dänemark an den Start, aber 77.720 Punkte reichten leider nicht aus, um das Land im Rennen zu halten, vor allem, als die Amerikanerin Schut-Kery mit unglaublichen 81.596 Punkten folgte. Damit war Dänemark aus dem Rennen und plötzlich war auch die Silbermedaille der Briten in Gefahr. Es war die hohe Punktzahl von Charlotte Dujardin und Gio, die Großbritannien nach Lottie Fry und Everdale mit 76.894 Punkten an der Spitze halten konnte.

Jessica von Bredow-Werndl, Isabell Werth & Dorothee Schneider holen Gold

Hand in Hand kletterten Isabell Werth und ihre beiden Kolleginnen auf das oberste Podium - oben angekommen riss das überglückliche Trio gemeinsam die Arme in die Höhe. „Einfach geil“, schwärmte die deutsche Schlussreiterin von Bredow-Werndl. Auch Schneider schwärmte: „Wir sind ein Super-Team!“ Sie lobte zudem: „Super-Pferde, Super-Reiter!“ Ein noch besseres Ergebnis als Schneider gelang Werth mit ihrer Stute Bella Rose. „Ich bin total happy über Bella, sie hat eine fantastische Leistung gezeigt“, kommentierte die erfolgreichste Reiterin der Welt.
Dorothee Schneider (l-), Isabell Werth und Jessica von Bredow-Werndl aus Deutschland jubeln während der Siegerehrung. Die deutsche Dressur-Mannschaft gewinnt Gold vor den USA und Großbritannien.
Dorothee Schneider (l-), Isabell Werth und Jessica von Bredow-Werndl aus Deutschland jubeln während der Siegerehrung. Die deutsche Dressur-Mannschaft gewinnt Gold vor den USA und Großbritannien.
© Foto: Friso Gentsch/dpa

Die nächsten Wettbewerbe im Reiten bei Olympia 2021

Am Freitag, 30. Juli, ging es bei den deutschen Reiterinnen und Reitern weiter. Die Wettbewerbe in der Vielseitigkeit haben begonnen. Sie dauern bis zum 02.08. Vielseitigkeit besteht aus drei Teilaufgaben: Dressur, einer Prüfung im Gelände und Springen.

Ablauf Olympia 2021 Dressurreiten – wie kommen die Ergebnisse im Reiten zustande?

Am Samstag, 24.07.2021, stand der erste Tag im Dressurreiten im Einzel und Team an, am Sonntag der zweite Tag. Der Grand Prix zählt in Tokio als Qualifikation für die Entscheidungen in der Team- und der Einzelwertung. Geritten wird in sechs Gruppen mit je zehn Reitern, darunter 15 Teams und 15 Einzelreiter. Die acht besten Teams aus dem Grand Prix ermitteln am 27. Juli im Grand Prix Special den Mannschafts-Olympiasieger. Drei Reiter bilden eine Equipe, es gibt kein Streichresultat mehr, alle Ergebnisse fließen in die Wertung ein. In der Grand Prix Kür geht es am 28. Juli um die Einzelmedaillen, hierfür qualifiziert sind die zwei besten Paare aus jeder Grand-Prix-Gruppe sowie sechs "Lucky Loser".
Die Mannschaften bestehen nach dem neuen Reglement in Tokio - anders als bisher - nur aus drei Paaren. Alle Ergebnisse zählen, das bei EM und WM übliche Streichergebnis entfällt.