Wegen mehrerer Corona-Fälle teilte der TuS Sachsenhausen am 11. März mit, dass der Club wegen Corona-Fällen im Team am 19. Spieltag der Brandenburgliga nicht beim FSV Bernau antreten können. Eine vom Staffelleiter vorgeschlagene Verlegung auf den 26. März lehnten die abstiegsgefährdeten Bernauer allerdings ab.
Nun entscheidet das Sportgericht: Wird der Fall als Nichtantritt Sachsenhausens gewertet und sollte tatsächlich kein Nachholtermin zustande kommen, würden die drei Punkte automatisch an den FSV gehen. Die Konkurrenz beschwert sich über Wettbewerbsverzerrung und fehlendes Fairpaly. Hat der FSV Bernau richtig gehandelt?

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PRO: Nicht aus Fairness den Abstieg aus der Brandenburgliga riskieren

Von Jan Lehmann, Leiter der Sportredaktion
Es ist absolut nachvollziehbar, dass der FSV Bernau in der Fußball-Brandenburgliga vor allem darauf schaut, wie er selbst im Abstiegskampf bestehen kann. Wer vom FSV jetzt verlangt, einer Verlegung der Partie gegen den TuS Sachsenhausen zuzustimmen, weil dies die Fairness gebiete, argumentiert in meinen Augen auch nicht fair. Selbst zurücktreten, damit der Gegner wieder in Bestbesetzung aufdribbeln kann – und das vielleicht an einem Ersatztermin, an dem es im eigenen Team Engpässe gibt, das kann nicht die Lösung sein.
Letztlich ist die Bernauer Absage konsequent, nun müssen das Sportgericht und der Fußball-Landesverband eine faire Lösung für das Dilemma finden. Am besten gleich mit einer Entscheidung, die als Präzedenzfall für die kommenden Monate gelten kann. Denn: Es wird sicher nicht der letzte Fall sein, in dem ein Team wie TuS Sachsenhausen zwar rechnerisch genügend gesunde Spieler hat und trotzdem wegen fehlender Leistungsträger nicht richtig konkurrenzfähig sein wird.
Was sollen deren Gegner denn im Saisonendspurt machen, wenn es noch um alles geht – möglicherweise sogar am letzten Spieltag? Aus Fairnessgründen den eigenen Abstieg in Kauf zu nehmen, das wäre nun wahrlich zu viel verlangt.

Contra: Das Vorgehen des FSV Bernau ist für das Fair Play ein fatales Signal

Von Peter Mertes, Sportredakteur
Das Verhalten des FSV Bernau mag aus Sicht des Vereins Sinn ergeben, ist aber falsch. Das Spiel zwischen dem FSV und TuS Sachsenhausen ist nicht das erste in der Brandenburgliga, das wegen Corona ausfallen muss. Die anderen betroffenen Vereine fanden auf kurzem Weg einen Nachholtermin und stimmten einer Verschiebung zu.
Dass dies bei Bernau nicht möglich sein soll, wirft ein schlechtes Licht auf den Verein. Schon beim Abstiegsduell gegen den von Corona geschwächten direkten Konkurrenten aus Eisenhüttenstadt hatten die Bernauer eine Verschiebung abgelehnt und das wichtige Spiel 3:0 gewonnen. Es wirkt, als würde der Verein alle Mittel nutzen, um Punkte im Abstiegskampf einzufahren.
Dabei sollten die Bernauer jedoch bedenken, in welcher Liga sie spielen. Bei allem sportlichen Ehrgeiz bleibt die Brandenburgliga eine Amateurliga. Hier hängen an einem möglichen Abstieg keine Dutzenden Arbeitsplätze und Millionen von Euro. Hier sollte es vorrangig um den Spaß am Spiel gehen, um die Freude am Fußball, um die Gemeinschaft.
Wenn sich nicht einmal mehr die Amateurvereine miteinander einigen können, spricht das nicht für die Solidarität unserer Gesellschaft und den Fair-Play-Gedanken im Sport. Die möglichen Punkte am grünen Tisch könnten für den FSV Bernau in der Tabelle überlebenswichtig sein, wären aber ein fatales Signal.