Der 1. FC Union Berlin hat die Tabellenspitze der Fußball-Bundesliga mit einer Willensleistung verteidigt. Durch das 2:1 (0:1) gegen Borussia Mönchengladbach ist der Angriff des FC Bayern München auf die Tabellenführung noch einmal abgeschmettert worden. Vor der Partie wurden zwei verdiente Spieler noch verabschiedet, was sagt Manager Oliver Ruhnert zu Gerüchten über Schalke 04.
Saisonübergreifend sind die Eisernen nun seit zwölf Liga-Heimspielen ungeschlagen. Und Borussia Mönchengladbach bleibt ein Lieblingsgegner der Köpenicker. Die Gäste vom Niederrhein konnten zum achten Mal in Folge gegen Union nicht gewinnen, auch wenn der Erfolg bis zur letzten Sekunde am eisernen Faden hing. Am Ende konnten die Fans wieder einmal skandieren: „Deutscher Meister wird nur der FCU.“
Dabei wären die Eisernen fast in Führung gegangen. Nach einem Abpraller hatte Rani Khedira aus dem Hinterhalt getroffen. Doch der Ball wurde vom Ellbogen Sheraldo Beckers ins Tor abgefälscht. Schiedsrichter Harm Osmers bleib keine andere Wahl, als dem Treffer wegen Handspiels die Gültigkeit abzusprechen (29.). Und es kam noch ärger für die Eisernen, denn nur drei Minuten später erzielten die Mönchengladbacher selbst das 1:0. Innenverteidiger Nico Elvedi wuchtete den Ball nach einer Ecke per Kopf in die Maschen. Lange rannte die Unioner dem Rückstand hinterher, ehe dem eingewechselten Kevin Behrens (79.) und Danilo Doekhi in der Nachspielzeit die Wende noch jeweils per Kopf gelang.
Für den Matchwinner war es nach seinem Treffer, nachdem die Partie nicht mehr angepfiffen wurde, „ein fantastischer Moment für mich und die Fans“. Für den Niederländer war es das erste Tor in der Bundesliga und dann zu so einem späten Zeitpunkt (90.+7) gleich mehrfach einfach nur „amazing“. Mittelfeldspieler Rani Khedira sprach von einer „brutalen Willensleistung“ in der zweiten Hälfte. „Es wurde von Minute zu Minute packender und lauter auf den Rängen sowie dominanter von uns. Deshalb war das ein verdienter Sieg von uns“, erklärte Khedira mit einem Strahlen im Gesicht. Und Trainer Urs Fischer empfand: „Das spricht schon für den Charakter und die Mentalität der Mannschaft, wenn du in der zweiten Hälfte noch eine solche Wucht entwickeln kannst und Rückschläge wie das nicht gegebene Tor wegsteckst.“

Starker Beginn von Union, dann kommt Mönchengladbach

Die Köpenicker begannen die Partie wie im Stadion an der Alten Försterei gewohnt energisch in den Zweikämpfen und hatten die erste Chance, aber der Schuss von Janik Haberer wurde von Joe Scally noch geblockt (6.). Doch die Gäste vom Niederrhein kamen besser ins Spiel. Union-Torwart Frederik Rönnow musste sich bei einem Freistoß von Alassane Plea mächtig strecken, um einen Rückstand zu verhindern. Als dieser dann doch da war, hatten die Berliner sichtlich daran zu knabbern. Marcus Thuram hätte sogar das zweite Tor für die Borussia erzielen können, köpfte den Ball aber auf das leere Union-Tor (35.).
Dabei hatte Union-Trainer Urs Fischer im Gegensatz zum Spiel in der Europa League gegen den SC Braga (1:0) nur zweimal gewechselt. Der Ungar Andras Schäfer kam für den Norweger Morten Thorsby und für Kapitän Christopher Trimmel spielte Timoteusz Puchacz. Für den Polen war es der erste Startelf-Einsatz in der Bundesliga im Union-Trikot. Die Gladbacher mussten auf mehrere wichtige Spieler verzichten. Torwart Yann Sommer fehlte weiter wegen Sprunggelenkproblemen, ebenso Nationalspieler Jonas Hofmann (Schulter). Mittelfeldspieler Koné wurde von Nathan Ngoumou ersetzt.

Trainer Urs Fischer wechselt offensiv und den Sieg ein

Auch in der zweiten Hälfte war aber von personellen Problemen, bei den Gästen nichts zu spüren. Die Gladbacher hatten das Union-Sturmduo Jordan Siebatcheu und Becker gut im Griff, sodass die Angriffsbemühungen der Gastgeber in den Ansätzen steckenblieben. Trainer Fischer reagierte mit einem Dreifachwechsel, brachte Sven Michel, Genki Haraguchi und Trimmel. Und als auch das nichts half, setzte der Schweizer mit Kevin Behrens und Jamie Leweling auf einen Vierfach-Sturm. Mit Erfolg, denn dem wuchtigen Behrens gelang noch der Ausgleich. Das vermeintliche Siegtor durch Trimmel wurde wegen Abseits aberkannt (86.), aber dann kam Danilo Doekhi angeflogen, jagte das Leder ins Netz und versetzte die Alte Försterei in Ekstase.

Für Union-Manager Oliver Ruhnert ist Schalke 04 kein Thema

Ein Thema dürfte die Union-Gemeinde zumindest kurz beunruhigt haben. Nach dem Aus von Sportdirektor Rouven Schröder bei Schalke 04 tauchte auch der Name von Unions Geschäftsführer Profifußball Oliver Ruhnert als Kandidat auf. Der war vor seinem Engagement in Berlin Chefscout und Direktor der erfolgreichen Nachwuchsabteilung Knappenschmiede bei den Königsblauen. Doch Unions Erfolgsmanager Oliver Ruhnert hat derzeit kein Interesse an einer Rückkehr nach Gelsenkirchen. „Schalke, wir hatten diese Thematik schon mal, es gab sicherlich schon mal die Möglichkeit, ich mag diesen Verein, ich werde in diesem Verein bis zu meinem Lebensende Mitglied bleiben, denn irgendwo ist da ein Schalker Herz, genau, wie jetzt ein Union-Herz da ist.“
Ex-Unioner im Trikot von Borussia Mönchengladbach: Marvin Friedrich wird vor dem Spiel von Unions Vereinspräsident Dirk Zingler (links) verabschiedet.
Ex-Unioner im Trikot von Borussia Mönchengladbach: Marvin Friedrich wird vor dem Spiel von Unions Vereinspräsident Dirk Zingler (links) verabschiedet.
© Foto: Matthias Koch

Andreas Luthe und Marvin Friedrich lautstark verabschiedet

Was beim 1. FC Union durchaus mal anders ist, wurde vor der Partie deutlich. Das wurden zwei Spieler verabschiedet, die in den vergangenen Jahren das Team prägten, aber schon länger anderswo beschäftigt sind – Torwart Andreas Luthe, der jetzt beim 1. FC Kaiserslautern im Kasten steht, und Abwehrspieler Marvin Friedrich. Letzterer erhielt in Spielkleidung Blumen und ein Union-Poster aus den Händen von Union-Präsident Dirk Zingler in Empfang zu nehmen. Friedrich wechselte im vergangenen Winter nach 141 Pflichtspielen (9 Tore) im Trikot der Eisernen als Aufstiegsheld von 2019 ausgerechnet zum jetzigen Gegner Borussia Mönchengladbach. Die Fans in der Alten Försterei hinderte es nicht daran, aus Leibeskräften für beide Spieler ein „Fußballgott“ zu schmettern und deren Namen zu skandieren.

In der Europa League bei Royale Union Saint-Gilloise

Für Union Berlin geht die Terminhatz bereits am 3. November weiter. In der Gruppenphase der Europa League reisen die Eisernen zum Tabellenführer Royale Union Saint-Gilloise (21 Uhr) nach Belgien – ohne eigenen Anhang. Als Strafe für das Fehlverhalten von Teilen seines Anhangs bei der Partie in Malmö darf der Club keine Tickets für das Spiel verkaufen. Bis zur WM-Pause ab Mitte November stehen für die Eisernen damit noch insgesamt vier Pflichtspiele auf dem Programm.
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