Derby-Siege gegen den blau-weißen Stadtrivalen aus Westend werden beim 1. FC Union Berlin mittlerweile zur Gewohnheit. Die Fans der Eisernen feierten nach dem 3:1 (1:0)-Heimsieg gegen Hertha BSC gewohnt glückselig den souverän verteidigten Titel als „Stadtmeister“.
So weit, so wie immer. Immerhin war es beim Start in die Bundesliga-Saison 2022/23 für die Köpenicker bereits der vierte Derby-Sieg in Serie.

Lob von Union-Trainer Urs Fischer

Wie wichtig diese Derby-Siege jedoch auch für die Mannschaft sind, verriet nach dem Schlusspfiff Unions Kapitän Christopher Trimmel. „Es ist immer schön, das Derby zu gewinnen. Ich mag auch das Wort Stadtmeister“, erklärte Trimmel. „Das motiviert und stachelt an.“
Dabei war im Vorfeld gar nicht so klar, wo der Titelverteidiger der Stadtmeisterschaft aus der vergangenen Saison aktuell steht. Wie geht Union Berlin mit der Favoritenrolle im Derby um? Wie hat die Mannschaft den wackligen Pokal-Auftritt beim Regionalligisten Chemnitzer FC weggesteckt, als sich der Favorit erst in der Verlängerung durchsetzen konnte? Wie schnell kommt der neue Torjäger Jordan Siebatcheu in der Bundesliga an?
All diese Fragezeichen wischte die Mannschaft von Trainer Urs Fischer vor 22.012 Zuschauern im ausverkauften Stadion an der Alten Försterei mit einer erstaunlich souveränen und abgeklärten Leistung weg. „Wir waren mit dem Pokalauftritt in Chemnitz nicht zufrieden. Umso mehr freue ich mich über die Reaktion, die wir gezeigt haben. Diese Reaktion war wichtig“, lobte Fischer fast schon ungewohnt ausführlich. „Die Mannschaft hat gezeigt, wozu sie fähig ist, wenn sie bereit für die Aufgabe ist. Ich bin mit diesem Auftritt sehr zufrieden.“


Union Berlin gegen Hertha BSC – die Pressekonferenz

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Und Jordan Siebatcheu gelang mit seinem Führungstor in der 32. Minute ein Einstand nach Maß. Kurz nach der Pause erhöhten Sheraldo Becker (50.) und Robin Koche (55.) auf 3:0, ehe Dodi Lukebakio in der 85. Minute zumindest das Ergebnis aus Sicht von Hertha BSC etwas erträglicher gestalten konnte. Der Wucht und Kompaktheit von Union Berlin hatten die Gäste jedoch nichts entgegenzusetzen. Erst als die Köpenicker im Vorgefühl des vierten Derbysieges einen Gang zurückschalteten und sich laut Abwehrchef Robin Knoche das „ärgerliche Gegentor“ einfingen, fand auch Hertha BSC in der Offensive ein paar Mal statt.
Bereits der Saisonstart offenbarte einen entscheidenden Unterschied zwischen den beiden Stadtrivalen. Der neue Trainer Sandro Schwarz muss beim letztjährigen Fast-Absteiger Hertha BSC immer noch die Scherben der Vergangenheit zusammenkehren und für den Neuanfang eine Mannschaft mit deutlich mehr Mut und Einsatzbereitschaft formen. Am Samstag war davon noch nicht viel zu sehen. Immerhin – Neuzugänge wie Ivan Sunjic und Jonjoe Kenny deuteten an, dass sie der Mannschaft genau in diesem Punkt perspektivisch wahrscheinlich weiterhelfen können.
Der neue Trainer Sandro Schwarz muss bei Hertha BSC die Scherben der Vergangenheit zusammenkehren.
Der neue Trainer Sandro Schwarz muss bei Hertha BSC die Scherben der Vergangenheit zusammenkehren.
© Foto: Andreas Gora/dpa

Herthas Ex-Kapitän Boyata gestrichen

Zudem setzte Schwarz ein deutliches Zeichen, indem er den letztjährigen Kapitän Dedryck Boyata aus dem Derby-Kader strich und damit auch in der Kabine ein unmissverständliches Signal für den Neuanfang gab. Stattdessen saß der junge Linus Gechter auf der Bank. Boyata – zunächst nur als Kapitän entmachtet – steht bei Hertha BSC spätestens jetzt auf der Streichliste und dürfte den Verein noch in der laufenden Transferperiode verlassen.
Union Berlin dagegen profitiert von der guten Arbeit in den vergangenen Jahren. „Sie sind als Gruppe gewachsen und haben dadurch viel Dynamik“, analysierte Schwarz den Unterschied zwischen Köpenick und Westend. Für diese Dynamik sorgte am Samstag auch Neuzugang Janik Haberer, der sich auf Anhieb in der Rolle des zur TSG Hoffenheim abgewanderten Grischa Prömel wohlfühlte. Genau wie Prömel ging Haberer weite Wege und war ein wichtiger Fixpunkt beim Anlaufen des Gegners. Zudem lieferte er vier Torschussvorlagen – so viel wie kein anderer Unioner.

Klassenerhalt bleibt Ziel für Union und Hertha

Genauso wie man sich bei Union Berlin an Derby-Siege gegen Hertha BSC gern gewöhnt, gehört auch der Tritt auf die Euphoriebremse durch Trainer Urs Fischer mittlerweile zum Standardprogramm. Das war nach dem Derby natürlich nicht anders. „Für unsere Fans ist das immer ein sehr wichtiges Spiel. Ich sehe es etwas pragmatischer. Mir geht es vor allem um die drei Punkte. Denn sie helfen uns, unserem Ziel näherzukommen“, betonte der Schweizer. Und dieses Ziel heißt auch in dieser Saison zunächst einmal Klassenerhalt. Hertha BSC hat übrigens dasselbe Ziel – aber eine deutlich schlechtere Ausgangsposition.
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