Nach der kalten Dusche im ersten Europapokalspiel im Stadion An der Alten Försterei mit der 0:1-Niederlage gegen Royale Union Saint-Gilloise zum Auftakt der Europa League richten sich die Blicke beim 1. FC Union Berlin schon wieder auf die Partie am Sonntag in der Fußball-Bundesliga beim 1. FC Köln. Im Fokus steht ein Rotsünder.
Ein bisschen rätselten sie bei den Köpenickern, warum der Auftakt in der Europa League verloren ging. Es lag wohl an zwei Gründen. „Die erste Halbzeit war ungenügend und nach der Pause fehlten die Lösungen“, befand Trainer Urs Fischer. „Wenn du eine Halbzeit wegschenkst, wird es schwer auf internationalem Parkett etwas mitzunehmen.“

Royale Union St. Gilloise schlägt Union Berlin mit dessen Mitteln

Und fast noch wichtiger. Die Unioner aus Belgien schlugen die Eisernen mit deren eigenen Mitteln. Stabil und eklig in der Defensive, effektiv sowie zielstrebig im Umschaltspiel wie beim einzigen Tor durch Senne Lynen. Dazu agierten der belgische Vizemeister ballsicher und technisch versiert. „Wir müssen aus den Fehlern lernen, gerade wenn Gegner tiefer stehen und wir mehr Ballbesitz haben. Das sind wir natürlich nicht so gewohnt“, sagte Flügelflitzer Niko Gießelmann. Und Mittelfeldspieler Rani Khedira fügte an: „Wir waren zu langsam im Spiel mit dem Ball.“
Das 0:1 gegen Royale Union St. Gilloise war die erste Pflichtspiel-Niederlage für die Eisernen in dieser Saison. Dramatisieren wollte Khedira die Niederlage indes nicht. „Das ist vielleicht eine kleine Delle, mehr nicht. Wir haben am Sonntag die nächste schwere Aufgabe beim 1. FC Köln. Da freuen wir uns drauf und dann wollen wir dieses Spiel wieder vergessen machen.“ Aber auch in der Bundesliga kommt ein Gegner auf die Berliner zu, der durchaus einen ähnlichen Stil pflegt.

Diogo Leite und Jordan Siebatcheu sind für das Spiel beim 1. FC Köln weiter fraglich

Ob zwei Spieler, die den Eisernen doch sichtlich fehlten, dann wieder dabei sind, ist weiter fraglich. „Diogo Leite hat Teile des Teamtrainings absolviert und bei Jordan Siebatcheu geht es in die richtige Richtung“, sagte Trainer Urs Fischer. Einer, der im Angriff den bis zu seiner Muskelverletzung stark in die Saison gestarteten Franko-Amerikaner im nächsten Bundesligaspiel am 11. September beim 1. FC Köln vertreten könnte, wäre Sven Michel. Der brachte in seinem 30-minütigen Einsatz deutlich mehr Schwung durch seine Geschwindigkeit als der etwas hölzerne Kevin Behrens, der allerdings ein besserer Zielspieler für die vielen langen Bälle der Unioner ist. Und Michel kann nach seiner Roten Karte gegen die Belgier in der Bundesliga spielen.
Die Strafe für sein Foul gegen St. Gilloise in der Nachspielzeit, die Schiedsrichter Sergil Boiko aus der Ukraine nach Videobeweis aussprach, stufte der Unioner selbstkritisch als berechtigt ein. „Ich komme eine Sekunde zu spät, treffe meinen Gegenspieler ganz dumm an der Achillessehne. Ich hoffe, ihm geht es gut.“ Trainer Urs Fischer wollte die Aktion nicht überbewerten: „Das war unglücklich, aber gehört zum Fußball dazu.“ Michel wäre gegen die Kölner jedenfalls keine schlechte Wahl, kennt er das System von Kölns Trainer Steffen Baumgart doch gut. Schließlich spielte er beim SC Paderborn auch unter diesem höchst erfolgreich (181 Erst- und Zweitliga-Spiele/71 Tore).

Sven Michel: „Gegen den 1. FC Köln wieder unser wahres Gesicht zeigen“

Dann will der Angreifer mit seinem Team wieder anders auftreten als gegen Saint-Gilloise. „Wir müssen das jetzt schnell analysieren und dann gegen Köln ein anderes Gesicht zeigen, damit wir wieder punkten“, sagte Michel. Das wahre Union-Gesicht. Schließlich gilt es jetzt eine andere Serie zu verteidigen. Die Eisernen sind saisonübergreifend seit zwölf Spielen in der Bundesliga ungeschlagen.
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