Er ist neben Taiwo Awoniyi so etwas wie der Durchstarter beim 1. FC Union Berlin. In der vergangenen Saison mehr Teilzeitkraft hat sich Niko Gießelmann beim Fußball-Bundesligisten zum Stammspieler entwickelt, an dem Trainer Urs Fischer kaum noch vorbei kommt. Der 30-jährige offensive Außenbahnspieler zieht ein Zwischenfazit und spricht dazu auch über ...

... den bisherigen Saisonverlauf

„Wir können zufrieden sein“, sagt Gießelmann. „Wir haben in der Liga mit Platz acht und im Pokal mit Einzug ins Achtelfinale einen sehr guten Eindruck hinterlassen.“ Er bedauert, durch das späte 2:2 beim 1. FC Köln mit dem Team nicht noch besser in der Tabelle zu stehen. Und in der Conference League hat der Verteidiger die Hoffnung auf ein Weiterkommen noch nicht aufgegeben. „Wenn wir in Haifa gewinnen, dann ist im letzten Spiel gegen Slavia Prag vor eigenem Publikum, dass uns nach vorne peitscht, noch alles möglich.“

... das, was besser laufen muss beim 1. FC Union Berlin

Gießelmann sieht die Mannschaft noch lange nicht am Limit und fängt mit dem Positiven an. „Wir spielen sehr gut organisiert, aber wir können uns bei den zweiten Bällen verbessern und beim Ausspielen unsere Kontermöglichkeiten. Da hätten wir gegen Köln den Sack zumachen können.“ Und die Mannschaft benötigt aus seiner Sicht noch mehr Ruhe am Ball, das sei in der vergangenen Saison besser gewesen.

... die hilfreichste Korrektur von Trainer Urs Fischer für Gießelmanns Spiel

Den Begriff Korrektur mag Gießelmann in diesem Zusammenhang nicht gelten lassen, denn niemand habe zu ihm gesagt: „Niko, das und das machst du komplett falsch.“ Es seien eher Anpassungen gewesen. „Es ging um das Spiel mit dem Ball, den ersten Kontakt, dass man den Ball in der Bewegung mit nimmt und schnell Linien überspielt.“ Das sei wichtig, um seine Kernkompetenz Flanken und Pässe besser an die Mitspieler zu bringen. „Da hat der Trainer mich schon einen Schritt nach vorne gebracht.
Union Berlins Trainer Urs Fischer hat Niko Gießelmann zu einem Leistungssprung nach vorne verholfen.
Union Berlins Trainer Urs Fischer hat Niko Gießelmann zu einem Leistungssprung nach vorne verholfen.
© Foto: Silas Stein

... die Gründe für seine bereits drei Saisontore für Union Berlin

„Ich fühle mich sehr gut, habe mir Selbstvertrauen erarbeitet und in unserem System mit Dreierkette fühle ich mich sehr wohl, weil ich offensiver spielen kann und öfter in Schussposition komme“, sagt Gießelmann, der als Jugendlicher öfter im Angriff gespielt hat. „Da habe ich mir noch ein bisschen Stürmerblut bewahrt.“ Und über ein viertes Tor im Derby gegen Hertha BSC würde er sich natürlich sehr freuen.

... sein Flachs mit Max Kruse, wer mehr Saisontore schießt

„Da gibt es immer eine bisschen Sticheleien“, sagt Gießelmann schmunzelnd. Kruse hat erst einmal getroffen in dieser Saison. Er ist ein lustiger Typ, ich mache auch den einen oder anderen Spruch. Das pusht uns eher nach oben.“ Gleichwohl vermutet er, dass der ehemalige Nationalspieler ihn am Ende überholt. „Aber ich versuche, so lange wie möglich vor ihm zu stehen.“

... das kommende Derby zwischen Union Berlin und Hertha BSC

Für Gießelmann ist es das erste Berliner Derby vor Zuschauern. Derbystimmmung ist der Verteidiger aber auch schon von seinen anderen Stationen gewohnt. Als er bei Greuther Fürth spielte ging es immer im brisanten Duell mit dem 1. FC Nürnberg heiß her. Und bei Fortuna Düsseldorf standen die Spiele gegen den 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach im Fan-Fokus. Gleichwohl ist ein Derby für ihn „immer etwas Besonderes, das war überall so und jetzt in Berlin freue ich mich riesig darauf, dass es für mich im dritten Anlauf erstmals vor Zuschauern stattfindet“. Wir haben jetzt Zeit uns darauf vorzubereiten und sind gut gerüstet. Wir sind heiß, die Fans sind heiß. Das ist eine gute Kombi, um vor eigenem Publikum das Spiel positiv zu bestreiten und die Fans glücklich zu machen.“

... die Veränderung der Belastung durch den Tanz auf drei Hochzeiten

„Es wird deutlich weniger trainiert, die größte Veränderung ist, dass wir gefühlt nur regenerieren zwischen den Spielen“, sagt Gießelmann, weil aufgrund der hohen Anzahl an Spielen kaum Zeit bleibe, um taktisch groß etwas einzustudieren. „Deshalb haben wir in der Vorbereitung daran gearbeitet, die verschiedenen Systeme reinzubekommen.“ Es werde auch mehr individuell und mit Videoanalysen sowie Vier-Augen-Gesprächen gearbeitet.

... die aktuelle Corona-Entwicklung und mögliche Einschränkung bei Fans und Spielbetrieb

Es sei da momentan gar nicht auszuschließen. „Ich hoffe aber, dass es keine Einschränkung gibt. Ohne Zuschauer macht es einfach nicht so viel Spaß, gerade bei der unglaublichen Stimmung in der Alten Försterei. Die bringt immer mehr Leistung.“ Aber, wenn es zu gefährlich werde, sei klar, dass reagiert werden müsse.
Fans von Union Berlin auf der Tribüne.
Fans von Union Berlin auf der Tribüne.
© Foto: Andreas Gora

... die Champions-League-Plätze und mögliche Duelle gegen Messi, Ronaldo und Salah

Da habe er sich noch keine Gedanken gemacht, sagt Gießelmann. „Das ist natürlich immer ein Traum, aber ich glaube, das wird immer ein Traum bleiben.“ Es sei einfach zu hoch gegriffen, über die Champions League zu sprechen. „Ziel ist es nicht, wieder europäisch zu spielen, wenn wir am Ende die Chance haben, die Plätze zu erreichen, wäre es aber natürlich umso schöner.“