Dieser Elfmeter war ein Statement: Mit Schmackes in die Mitte – so traf Josip Juranovic für den 1. FC Union Berlin in der Fußball-Bundesliga beim VfL Wolfsburg (1:1). Es war der erste Bundesliga-Treffer für den Neuzugang, aber nicht sein erstes Pflichtspieltor für die Eisernen. In der Europa League hat er gegen Ajax Amsterdam (3:1) getroffen, und zuletzt auch im Achtelfinal-Hinspiel gegen Union St. Gilloise (3:3) mit einem sehenswerten Freistoß.
Am Donnerstag (21 Uhr) steht das Rückspiel an. Im Lotto-Park von Anderlecht benötigen die Berliner einen Sieg – und sei es im Elfmeterschießen. Das Gewinnen fällt der Mannschaft von Trainer Urs Fischer aktuell schwer. Nach dem Fußballwunder gegen Ajax und der Niederlage gegen Bayern München gab es drei Remis, in denen sich die Eisernen schwertaten.

Mit Celtic Glasgow gegen Real Madrid

In dieser komplizierten Phase ist Juranovic ein Stabilisator. Mit seiner Erfahrung könnte er in einem der größten Spiele der Köpenicker Vereinsgeschichte ein entscheidender Mann sein. Dieses Achtelfinale ist für ihn dabei wohl nicht einmal die aufregendste Partie, die er in dieser Saison schon bestritten hat.
Mit seinem vorherigen Verein Celtic Glasgow hat der 27-Jährige sechs Champions-League-Spiele absolviert, zwei davon gegen Real Madrid. Und bei der WM ist er mit den Kroaten bis ins Halbfinale vorgedrungen – Juranovic verpasste keine Spielminute. Selbst das Aufeinandertreffen mit dem späteren Weltmeister Argentinien bereitete ihm nach eigener Aussage keine schlaflose Nacht.
Im englischsprachigen Podcast „Sweetman in the lounge“, den der 1. FC Union veröffentlicht, erzählt Juranovic: „Ich hatte im Kopf, dass ich das wahrscheinlich größte Spiel meines Lebens spielen werde. Mir war klar, dass ich gut schlafen und mich mental auf den wohl größten Spieler der Welt, Lionel Messi, vorbereiten muss.“

Rückspiel gegen Union St. Gilloise

Die Kroaten verloren das Semifinale zwar 0:3, in einem „unglücklichen Spiel“, wie Juranovic betont – doch der Union-Profi erinnert sich gern an die WM: „Wir haben ja eine Medaille geholt. Die kann ich eines Tages meinen Kindern zeigen und ihnen sagen, dass ich etwas Wunderschönes gewonnen habe.“
Für Donnerstag ist er zuversichtlich, betonte aber nach dem Auswärtsspiel in Wolfsburg: „Es wird wieder ein schweres Spiel. Wir müssen sehr gut vorbereitet sein. Es wird ein harter Kampf.“
Eigentlich eine Partie, wie gemacht für den einsatzstarken Kroaten. Im „Sweetman“-Podcast gibt er zu: „Ich mag den Kampf.“ Zuletzt gegen Ajax gehörten dabei auch einige Wortgefechte mit den Gegenspielern dazu: „Ich möchte dem Gegner zeigen, dass ich keine Angst haben. Das sagt man sich auch schon mal etwas ins Gesicht“, erläutert er.
Dass er selbst in Dubrava in der Nähe von Zagreb in einer „harten Gegend“ und „in etwas Armut“ aufgewachsen sei, habe ihn geprägt, berichtet Juranovic. Er erzählt von seiner Kindheit, in der er nur wenige Minuten von seiner Schule und seinem ersten Club NK Dubrava lebte: „Man musste damals immer über seine Schulter schauen, um sicher zu sein. Aber inzwischen ist es in Dubrava etwas entspannter.“
Ein unfairer Spieler sei er allerdings nicht, betont Josip Juranovic: „Ich bin ein Profi, und möchte nicht schmutzig spielen.“ Seine Statistik spricht für ihn: Erst ein Platzverweis und nur wenige Gelbe Karten hat der Neu-Berliner in seiner gesamten Profi-Karriere kassiert.
Bei der WM in Katar verpasste Josip Juranovic bei der kroatischen Nationalelf auf dem Weg ins Halbfinale gegen Argentinien keine Spielminute.
Bei der WM in Katar verpasste Josip Juranovic bei der kroatischen Nationalelf auf dem Weg ins Halbfinale gegen Argentinien keine Spielminute.
© Foto: Tom Weller/dpa

Konkurrenzkampf mit Christopher Trimmel

Auf Fairplay setzt er auch innerhalb des Teams. Darauf angesprochen, dass er Union-Kapitän Christopher Trimmel (294 Pflichtspiele für die Eisernen) den Stammplatz wegnehmen könnte, sagt Juranovic im Podcast: „Wenn man auf dem Feld und abseits davon ein gutes Verhältnis hat, macht dich Konkurrenz immer besser. Man kann nicht 50 Spiele in Folge spielen, man braucht Pausen. Da ist es gut, wenn man den Stab weitergeben kann und ein anderer Spieler gut spielt.“
Mit Blick auf die Mannschaftsführung von Urs Fischer betont er zudem: „Man muss keine Angst um seine Position haben, weil der Trainer die ganze Zeit rotieren lässt.“
In Belgien dürfte Juranovic aber zur Startelf gehören – und womöglich wird er auch als Elfmeterschütze wieder gebraucht. Entweder während der 90 Minuten, oder später. Der Kroate will Verantwortung übernehmen: „Wenn es wieder Elfmeter geben sollte – klar, ich bin bereit.“
Mehr zum 1. FC Union Berlin finden Sie auf einer Themenseite.