15 Minuten eisernes Schweigen. Die mit Hingabe als Kampf der Fußball-Ideologien gepflegte Rivalität zwischen dem 1. FC Union Berlin und RB Leipzig fordert auch Urs Fischer in besonderer Weise heraus. Vor dem nächsten Bundesliga-Duell am 20. August will der Trainer der Eisernen speziell darauf vorbereiten. Der Gegner hat andere Sorgen.
„Das werden wir mit Sicherheit ansprechen, wenn es so sein sollte“, sagte der Schweizer Fischer. „Gerade die neuen Spieler haben jetzt auch kennengelernt, wie es ist, wenn du hier aufläufst, gerade im Derby, was das Publikum bewirken kann. Das sollte man schon ansprechen, wenn das Publikum 15 Minuten ein bisschen leiser ist“, fügte er an.

Traditionelles Schweigen für 15 Minuten von den Fans von Union Berlin

Aus Protest gegen das auf das Mäzenatentum von Getränke-Milliardär Dietrich Mateschitz aufgebaute RB-System schweigen die Union-Fans traditionell in der Anfangsviertelstunde. Das sollte auch diesmal so sein, meint man bei Union. „Da sich an der Situation, um die es dabei geht, gar nichts verändert hat, wüsste ich nicht, welchen Grund es geben könnte, dass sich an dem Verhalten der Fans, dazu Stellung zu nehmen, irgendwas verändert haben könnte“, sagte Kommunikationschef Christian Arbeit.
Beharrlich wird in Köpenick von „Rasenballsport“ Leipzig gesprochen, um Sponsor- und Club-Name RB nicht als Synonym in den Mund zu nehmen. Auch bei Union pflegen sie ihre Dogmen. So ernst es vielen Fans mit dem Protest auch sein mag, mittlerweile schwingt da schon ein bisschen Folklore mit. Zumal es genug sportliche Themen gibt. RB steuert nach zwei Remis auf eine Ergebniskrise zu. Union hingegen zelebriert den besten Saisonstart seiner Bundesliga-Historie, ist zudem saisonübergreifend neunmal nicht geschlagen.
Dreimal in Serie wurde der finanzstärkere Club aus Sachsen in der Liga mit 2:1 bezwungen. Ein Fakt, der auch am Samstag Selbstvertrauen geben kann, meint Fischer. Durch die Verpflichtung von Timo Werner habe der Gegner aber enorme Schlagkraft in der ohnehin starken Offensive gewonnen.

Union Berlin ist in der Bundesliga nicht mehr der krasse Außenseiter gegen RB Leipzig

Die Vorzeichen haben sich dennoch drastisch verändert im Vergleich zum ersten Bundesliga-Spiel von Union vor drei Jahren, als RB zur Premiere in die Alte Försterei kam und mit 4:0 leicht und locker siegte. „Am Schluss brauchen wir ein optimales Spiel“, meinte Urs Fischer. Dass bei RB zum Saisonstart vieles nicht optimal lief, spielt für den 56-Jährigen gar keine Rolle.
Sein Trainerkollege Domenico Tedesco gab sich betont gelassen. „Einfach mal entspannt bleiben. Sein Signal: Der Fehlstart in die Fußball-Bundesliga mit nur zwei Punkten aus zwei Spielen, die Meinungsverschiedenheit mit Clubboss Oliver Mintzlaff darüber und unzufriedene Spieler wie Fan-Liebling Emil Forsberg – alles halb so wild. Bei der nächsten Pleite könnte sich die aber Gemütslage schnell ändern.

RB Leipzig muss auf Kapitän Peter Gulacsi verzichten

In Berlin muss also eher wieder ein starkes Spiel her, soll es mit dem Sieg klappen. In der RB-feindlichen Atmosphäre Köpenicks zählen Robustheit und mentale Stärke eher als spielerischer Glanz. Gut also, dass Konrad Laimer und Josko Gvardiol komplett fit und ernsthafte Kandidaten für die Startelf sind. Weniger gut ist der Ausfall von Peter Gulacsi. Der Kapitän muss wegen einer Adduktorenverletzung aus dem Köln-Spiel passen. „Das Risiko wäre zu groß, würden wir Pete spielen lassen. Es ist eine Vorsichtsmaßnahme“, sagte Tedesco. Statt Gulacsi wird Neuzugang Janis Blaswich im Tor stehen.
Blaswich stand in der Vorbereitung beim 0:5 gegen den FC Liverpool im Tor und hatte da nicht den besten Tag. Ein Umstand, der Tedesco allerdings nicht unruhig werden lässt. „In erster Linie muss ein Torwart gut halten können und das kann er. Er hat mehr als 100 Spiele in der Ehrendivision gemacht als Stammtorwart“, sagte der Coach. Blaswich spielte von 2018 bis zum Sommer bei Heracles Almelo in den Niederlanden.

Union-Profis gehen zur Vorsorgeuntersuchung

Nach der Hodenkrebs-Diagnose für ihren Teamkollegen Timo Baumgartl haben alle Profis des 1. FC Union Berlin an einer vom Verein angebotenen Vorsorgeuntersuchung teilgenommen. Die urologischen und radiologischen Untersuchungwurden am 18. August an der Berliner Charité vorgenommen. „Ein Kompliment geht an die Mannschaft, die dieses Angebot ausnahmslos wahrgenommen hat“, sagte Geschäftsführer Oliver Ruhnert. In den Routine-Untersuchungen der Bundesliga-Clubs ist diese Art der Kontrolle nicht vorgeschrieben.
Im Mai war die Erkrankung von Verteidiger Baumgartl bekannt geworden. Der 26-Jährige kann nach Operation und Chemotherapie mittlerweile wieder Teile des Mannschaftstrainings absolvieren. Kurze Zeit später hatten auch Marco Richter (24) von Hertha BSC und Sebastien Haller (28) von Borussia Dortmund die gleiche Diagnose erhalten. Richter musste im Gegensatz zu Baumgartl und Haller nach einer Operation keine Chemotherapie vornehmen. dpa