Fußball-Bundesligist Union Berlin gilt bisher vor allem als die starke Marke in Köpenick. Inzwischen hat der Verein Lokalrivalen Hertha BSC in der Hauptstadt aber nicht nur sportlich überholt. Nun wollen die Eisernen auch international ihr Gesicht schärfen. Dabei blickt der Macher des Tabellenfünften der Bundesliga auch kritisch nach England in die Premier League.
Manager Oliver Ruhnert vom Bundesliga-Überraschungsteam Union Berlin will sich mit den Köpenickern künftig auch international stärker positionieren. "Das Geld, das wir mit der Internationalisierung verdienen, müssen wir nicht den Leuten im Stadion wegnehmen, um unsere Mannschaft zu finanzieren", sagte der 51-Jährige im Interview mit der Sonntags-FAZ.
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Keine Nennung von Sponsoren vor und während der Spiele von Union Berlin

Im Stadion An der Alten Försterei präsentiere keine Firma die Mannschaftsaufstellung oder den Spielstand, es gebe keine Belustigung vor dem Spiel, kein Auto fahre auf den Rasen in der Halbzeit, sagt Ruhnert: "Wir haben nicht mal die Verpflegung an einen Caterer abgegeben, das machen wir selbst. Deshalb gibt es die Bratwurst für 3,50 Euro."
In seiner Heimatstadt Iserlohn ist Ruhnert Fraktionsvorsitzender der Linken, sieht allerdings keinen Interessenskonflikt. "Erstens bin ich im Verein nicht Politiker, ich muss hier niemanden bekehren. Zweitens verdient längst nicht jeder Fußballprofi Millionen", betonte der Geschäftsführer Profifußball bei Eisern Union: "Wir hatten zuletzt einen Personaletat von rund 43 Millionen Euro für 53 Mitarbeiter in der Lizenzspielerabteilung. Und drittens: Bei uns wissen die Spieler, dass sie beim Gehalt nicht zu weit auseinanderliegen. Aber sie wissen auch, dass nicht alle das Gleiche bekommen."

Ruhnert: Premier League für astronomische Ablösesummen verantwortlich

Ruhnert kann sich vorstellen, dass astronomischen Ablösesummen der Vergangenheit angehören, wobei für diese vor allem die englische Premier League verantwortlich sei: "Ich glaube, dass diese Blase nicht ewig Bestand haben wird. Und überall sonst haben sich Transfersummen und Gehälter nach meiner Einschätzung inzwischen eingependelt, gehen sogar eher wieder nach unten als noch weiter nach oben. Dafür hat unter anderem Corona gesorgt."
Dies sei wichtig, um nicht das Vertrauensverhältnis zu den Fans zu verlieren: "Der Profifußball muss für die Leute erklärbar bleiben. Einen Wechsel für 300 oder 400 Millionen Euro kann niemand mehr verstehen. Ich fände auch eine Gehaltsobergrenze sinnvoll, ein Mindestgehalt für Profifußballer gibt es ja auch." Dieses liegt laut Ruhnert bei 3500 Euro im Monat, "im Westen etwas mehr als im Osten".