Die zahlreichen englischen Wochen schlauchen die Akteure des 1. FC Union Berlin langsam schon. Aber eine Pause ist nicht in Sicht. In der Europa League haben die Eisernen nach dem Sieg über Braga ein Endspiel in Belgien vor sich und die Aufgabe am 30. Oktober in der Fußball-Bundesliga daheim gegen Borussia Mönchengladbach ist auch nicht von Pappe. Gut, wenn es da wieder Alternativen gibt.
„Gerade nach Abendspielen ist es nicht einfach, einzuschlafen“, gab Torwart Frederik Rönnow von Union Berlin in einer Medienrunde am Tag nach dem 1:0-Erfolg gegen Sporting Braga in der Europa League zu. Mit dem Sieg gegen die Portugiesen hat sich Union eine gute Ausgangsposition verschafft, um am Donnerstag bei Royale Union Saint-Gilloise als Tabellenzweiter die Playoff-Spiele zum Achtelfinale der Europa League zu erreichen.

Torwart Frederik Rönnow bei der WM mit Dänemark dabei

„Dieses Spiel war eng, aber am Ende haben wir wieder 1:0 gewonnen. Wir haben es jetzt in der eigenen Hand“, erklärte Rönnow. „Wir sollten das letzte Spiel in Belgien auch genießen. Nach den ersten beiden Gruppenspielen ohne Punkte war die Konstellation nicht so einfach.“ Gegen Braga sorgte der Däne kurz vor Spielende jedoch für einen Schreckmoment. Einen Freistoß von Ricardo Horta hätte er fast selbst ins Netz bugsiert. „Ich wollte den Ball fausten. Es war ein bisschen zu viel Selbstvertrauen dabei. Zum Glück ist nichts passiert“, meinte Rönnow, der wie sein Torwart-Kollege Oliver Christensen von Hertha BSC mit großer Wahrscheinlichkeit zum WM-Aufgebot der Dänen gehört.
Torwart Frederik Rönnow von Union Berlin sieht hohe Belastung für den Spitzenreiter der Fußball-Bundesliga.
Torwart Frederik Rönnow von Union Berlin sieht hohe Belastung für den Spitzenreiter der Fußball-Bundesliga.
© Foto: David Inderlied/dpa
In Katar könnte auch ein anderer Unioer dabei sein, der gegen Braga mal wieder seine Kaltschnäuzigkeit offenbarte. Kevin Behrens brüllte seine Meinung einfach hinaus. „Eiskalt der Typ“, skandierte der Stürmer von Union Berlin, als er in der Interview-Zone hinter Robin Knoche entlanglief. Der Abwehrspieler selbst lächelte kurz und führte dann ganz ruhig und sachlich weiter aus, wie er den entscheidenden Elfmeter verwandelt hatte. Wieder Knoche, wieder ein Elfmeter, wie zwei Wochen zuvor gegen Malmö FF ein 1:0.
Zwischen beiden Europacup-Treffern hat sich das Fußballer-Leben des 30-Jährigen aber in einer entscheidenden Nuance verändert. Seit Dienstag ist bekannt, dass der Abwehrchef der Eisernen auf der vorläufigen WM-Kaderliste von Bundestrainer Hansi Flick steht. Das ist nach seinen Leistungen für den Bundesliga-Spitzenreiter nachvollziehbar, verleiht aber nun jeder seiner Handlungen im Union-Trikot mindestens bis zur Reduzierung des Aufgebots auf die finale 26er-Größe am 10. November eine neue Relevanz.

WM-Werbebotschaft von Union Berlins Trainer Urs Fischer für Robin Knoche

Sogar der permanent realistische Union-Trainer Urs Fischer setzte sich über die sehr große Wahrscheinlichkeit, dass Knoche letztlich doch nicht nach Katar fliegen wird, mit einer verkappten Werbebotschaft für seinen Leistungsträger hinweg. „Einen sicheren Elfmeterschützen in deiner Mannschaft zu haben, hilft dir“, sagte der Schweizer mit einem Grinsen, als er gefragt wurde, ob Knoches erneutes Tor bei Flick Eindruck machen könne.
Am Sonntag (15.30 Uhr/DAZN) geht es für Knoche und Rönnow aber erst einmal nicht um die WM, sondern mit den Eisernen mit einem Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach schon wieder in der Bundesliga weiter. Mit einem Sieg kann Union Platz 1 behaupten. Dass seine Mannschaft seit Wochen das nationale Klassement anführt, beeindruckt auch Torhüter Rönnow. „Wir schauen nicht so viel auf die Tabelle. Aber es ist Wahnsinn.“ Gegen Mönchengladbach steht im Übrigen auch Sven Michel wieder zur Verfügung. Der Angreifer, der gegen Braga auf der Tribüne saß, hat seine Corona-Infektion überstanden und trainierte bereits wieder mit.
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Mönchengaldbach ohne Jonas Hofmann gegen Union Berlin

Fußball-Bundesligist Borussia Mönchengladbach wird mit ziemlicher Sicherheit ohne Jonas Hofmann zum Auswärtsspiel am Sonntag (15:30 Uhr) beim 1. FC Union Berlin reisen. „Bei Jonas ist die Wahrscheinlichkeit 95 Prozent, dass er den Trip nach Berlin nicht mit antreten wird. Er hat bis jetzt kein Mannschaftstraining bestritten. Wenn jetzt nicht über Nacht noch etwas ganz dramatisch Positives passiert, werden wir auf ihn verzichten müssen“, sagte Trainer Daniel Farke am Freitag.
Hofmann hatte am Dienstag nach seiner Schultereckgelenksprengung beim 1:2 im DFB-Pokal beim SV Darmstadt ein individuelles Training ohne Ball auf dem Platz absolviert und damit die Hoffnung auf ein Comeback geschürt. Außer ihm fehlen neben den Langzeitverletzten der gelb gesperrte Manu Koné und Torhüter Yann Sommer (Sprunggelenk). Stefan Lainer ist corona-positiv, Torben Müsel laboriert an einer Bauchmuskelzerrung. dpa