Wissen Sie eigentlich, was ein Stehrümchen ist? Sven Michel war beim 3:1-Testspielsieg des 1. FC Union Berlin gegen Viktoria Berlin jedenfalls alles andere als ein Stehrümchen – auch wenn der Stürmer dieses Wort nach dem Schlusspfiff den einigermaßen verdutzten Journalisten schmunzelnd erklärte.

Union Berlin will Jordan Siebatcheu

Zu einem Stehrümchen, so viel ist sicher, passt jedenfalls nicht der Doppelpack, den Michel beim Testspiel-Aufgalopp des Fußball-Bundesligisten am Mittwochabend im Jahnsportpark schnürte. Dabei traf der mit 1,79 Meter vergleichsweise kleine Angreifer sogar zwei Mal per Kopf.
Dabei hatte Sven Michel neben dem ungewohnten Wort auch eine ungewohnte Position zu erklären. Denn statt in der Sturmspitze kam er eine Halbzeit lang im offensiven Mittelfeld auf der Achter-Position zum Einsatz. „Ja, es war schon eine ungewohnte Position für mich. Umso glücklicher bin ich, dass ich zwei Tore machen konnte, auch wenn noch nicht alles zu einhundert Prozent geklappt hat“, sagte der 31-jährige Stürmer. „Auf einer neuen Position muss ich natürlich auch einige neue Dinge verinnerlichen.“
Flexibilität dürfte in der Offensive des 1. FC Union ohnehin mehr denn je gefragt sein. Mit Taiwo Awoniyi (Nottingham Forest) und Grischa Prömel (TSG Hoffenheim) haben zwei Spieler den Verein verlassen, die für die offensive Statik der Eisernen enorm wichtig waren. Union-Trainer Urs Fischer muss also einiges neu ordnen. Und auch neu verpflichten, zumal mit US-Boy Jordan Siebatcheu von den Young Boys Bern aus der Schweiz der Ersatz für Torjäger Taiwo Awoniyi schon gefunden zu sein scheint. Siebatcheu sollte am Donnerstag den Medizincheck in Berlin absolvieren.
Sven Michel, der im Winter vom SC Paderborn ins Stadion An der Alten Försterei gewechselt war und hier im Fußball-Osten auch schon für Energie Cottbus gespielt hat, nimmt den Umbau in der Union-Offensive mit der Gelassenheit eines erfahrenen Profis. „Ich habe auch gehört, dass ein neuer Stürmer kommt, aber so ist das eben im Fußball. Ich werde trotzdem versuchen, meine Leistung zu bringen und mir ein Plätzchen zu erarbeiten.“
Mit seinen beiden Toren im Testspiel gegen Viktoria Berlin hat Michel die ersten Pluspunkte in diesem Konkurrenzkampf gesammelt – mehr aber natürlich noch nicht. Denn im Moment ist weder die endgültige Besetzung der Offensivabteilung noch das taktische System bekannt, mit dem Trainer Urs Fischer ab August in die neue Saison gehen wird.
Das Anrecht auf einen Stammplatz dürfte nach den Eindrücken der vergangenen Spielzeit lediglich der pfeilschnelle Sheralso Becker genießen, der am Mittwoch seinen Vertrag in Köpenick vorzeitig verlängert hat. Michel jedenfalls betont mit Blick auf die Stammplätze: „Ich glaube, es ist alles offen. Es ist wie ein Rennen – und ich hoffe, dass ich das Rennen für mich entscheiden kann.“

Konkurrenzkampf bei Union Berlin

In jedem Fall ist der Konkurrenzkampf in der Offensive von Union Berlin nichts für Stehrümchen. Apropos! Was ist das nun eigentlich, so ein Stehrümchen? Sven Michel erklärte das Wort am Mittwochabend im Zusammenhang mit seiner Medaille für das „Tor des Monats“ im April. Michel hatte beim 2:1-Sieg in Leipzig per Hacke auf Kevin Behrens abgelegt.
Die Medaille werde bei ihm ganz sicher nicht im Keller verschwinden, kündigte Michel an. „Das ist ein schönes Stehrümchen“, grinste der Union-Stürmer. „Das stellt man hin und dann steht es halt rum.“