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Gauck besucht flutgeschädigtes Meißen

Bundespräsident Joachim Gauck unterhält sich bei seinem Besuch der vom Elbehochwasser betroffenen Stadt Meißen (Sachsen) neben dem Ministerpräsidenten von Sachsen, Stanislaw Tillch (CDU), mit einer Anwohnerin.
Bundespräsident Joachim Gauck unterhält sich bei seinem Besuch der vom Elbehochwasser betroffenen Stadt Meißen (Sachsen) neben dem Ministerpräsidenten von Sachsen, Stanislaw Tillch (CDU), mit einer Anwohnerin. © Foto: dpa
09.06.2013, 18:22 Uhr
Meißen (DPA) Noch führt die Elbe Hochwasser. Aber in den überfluteten Vierteln der Domstadt Meißen laufen schon Aufräumarbeiten. Bis sich das Leben in der "Wiege Sachsens" aber normalisiert, werden Monate vergehen.

Auf dem Berg thronen Dom und Albrechtsburg zeitlos schön. Doch aus der Altstadt von Meißen am Fuß des Burgbergs fließt das brauntrübe Wasser der Elbe nur langsam ab. In den dramatischen Hochwassertagen, in denen der Fluss unaufhörlich Grundstück um Grundstück verschlang, mussten 2000 Einwohner ihre Häuser verlassen. Jetzt schrubben Menschen wieder Schlamm von den Straßen und räumen Sandsäcke weg. Den höchsten Pegelstand erreichte die Elbe am Donnerstag - bei knapp über zehn Metern. Normalerweise schwankt er zwischen 2,00 Meter bis 3,40 Meter.

Bundespräsident Joachim Gauck zeigte sich am Sonntag bei einem Besuch beeindruckt von der Solidarität in den Flutgebieten. Er war zuvor mit Lebensgefährtin Daniela Schadt in Halle an der Saale (Sachsen-Anhalt). Er habe "gefasste Flutopfer" und "total motivierte Helfer" angetroffen, berichtete er - und rief die Deutschen zum Spenden auf. "Wer keine Säcke schleppen kann, hat vielleicht ein gefülltes Portemonnaie, da kann man auch mal einen Abfluss organisieren", sagte der Bundespräsident deutlich an die Adresse der Nichtbetroffenen.

Dicht umringt von Journalisten, lief Gauck mit Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) durch die Altstadt von Meißen, sprach mit Bundeswehrsoldaten, Helfern, Bewohnern und Ladenbesitzern. Einer von ihnen ist der Optikermeister Michael Bornemann, Filialleiter einer Ladenkette. In dem Geschäft stand das Wasser knapp einen Meter hoch. Es muss es komplett erneuert werden.

Er habe gespürt, dass Gauck sich hautnah in die Flutopfer hineinversetzen könne, freute sich Bornemann. "Vom Schreibtisch können sich Politiker kein Urteil bilden." Viele Häuser wie das Theater oder das Stadtmuseum in der Franziskanerklosterkirche, standen teils meterhoch im Wasser. Erst am Montag wird die erste Brücke für den privaten Autoverkehr wieder geöffnet.

Oberbürgermeister Olaf Raschke (parteilos) spricht von einem "erheblichen Rückschlag" für die 27 000 Einwohner-Kommune. Sie erstrahlte gerade wieder in neuem Glanz, nachdem sie schon bei der Jahrhundertflut 2002 schwer verwüstet worden war. Raschke rechnet mit Monaten, bis sich das Leben wieder normalisiert hat. Schätzungen zu den Schäden gibt es noch nicht. Getroffen hat das neuerliche Hochwasser aber viele Ladenbetreiber in der Altstadt.

Im Bürgerbüro der Stadtverwaltung, wo Anträge zur finanziellen Soforthilfe angenommen werden, steht Goldschmiedemeister Klaus Müller. Er kommt gleich in jener Wathose, die er bei Aufräumarbeiten im Familienbetrieb trug. Der 76-Jährige hält die Hand in Brusthöhe, um die Höhe des Wasserstandes im Geschäft zu demonstrieren. Schon vor elf Jahren erlitt der Betrieb hohe finanzielle Schäden, erzählt er. Diesmal hat er immerhin Werkzeuge und Möbel rechtzeitig in Sicherheit gebracht.

Die Familie lässt sich von der neuerlichen Katastrophe nicht entmutigen, berichtet Müller. "Die Generation, die mein Sohn vertritt, soll weitermachen." Angesichts der großen Schäden plagen manchen Meißner jedoch Zweifel mit Blick auf die Zukunft. Der "große Jammer" werde kommen, wenn das Wasser weg und das Ausmaß der Schäden zu sehen sei, sagen sie.

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