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Polens Ostseeorte wollen kein AKW

Dietrich Schröder / 30.12.2011, 20:30 Uhr
Kolobrzeg (Kolberg) In Polen regt sich erster spürbarer Widerstand gegen die Pläne der Regierung zum Bau von einem oder zwei Atomkraftwerken bis 2020. Vor allem entlang der Ostseeküste, wo sich drei der favorisierten Standorte befinden, gibt es Proteste.

Die Stadtverordneten von Kolberg, einem Kurort, in dem sich jährlich auch Zehntausende deutsche Gäste erholen, lehnten am Donnerstagabend das nur 20 Kilometer entfernte Örtchen Gaski als Standort eines möglichen AKW ab. In dem Beschluss, der ohne Gegenstimmen und bei nur drei Enthaltungen angenommen wurde, heißt es unter anderem, dass "ein Reaktor im Herzen einer Touristenregion die Erholungssuchenden abschrecken" werde. Nur wenige Menschen würden noch "in einen Kurort fahren, der im Schatten eines Atomkraftwerks liegt".

Die Tatsache, dass sich drei der am meisten favorisierten Standorte in der Nähe der Ostsee befinden, wird von dem staatlichen Energiekonzern PGE unter anderem damit begründet, dass für die Kraftwerke ein hoher Wasserbedarf bestehe. Die beiden weiteren Standorte Zarnowiec (hier war schon in den 1980er Jahren ein AKW geplant) und Choczewo liegen etwas weiter östlich in der Region um Danzig.

Noch vor der Abstimmung der Stadtverordneten hatte Kolbergs Bürgermeister Janusz Gromek der Zeitung "Rzeczpospolita" gesagt: "Die Nachbarschaft zu einem AKW wäre für uns ein Todesstoß." Er begründete dies damit, dass rund die Hälfte der Touristen aus Deutschland kommen, "wo die öffentliche Meinung bekanntlich gegen die Kernkraft ist".

Aber auch in anderen Orten regt sich Widerstand. Die ehrenamtliche Bürgermeisterin von Mielno (dem früheren Großmöllen), Olga Roszak-Pezala, sagte: "Niemand hat uns nach unserer Meinung gefragt." Deshalb wolle man jetzt eine Bürgerbefragung durchführen.

In der mehr als 100000 Einwohner zählenden Stadt Koszalin (Köslin) gibt es zwar einerseits Hoffnungen auf die Milliarden-Investition durch ein Kraftwerk, andererseits sei aber auch hier "die Bevölkerung nicht gefragt worden", kritisierte der Oberbürgermeister.

Die zuständige Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium Hanna Trojanowska hatte zu Wochenbeginn eingeräumt, dass allein aus Deutschland bereits über 20000 Briefe von Privatpersonen gegen das Projekt eingegangen seien. "Polen wird sich bemühen, dazu Stellung zu nehmen", kündigte sie an. Der Energiekonzern PGE und das Ministerium wollen zudem eine Informationskampagne zu den Atomplänen starten.

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