Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Grüne starten in Fürstenwalde Kampagne und nehmen Landesregierung in die Pflicht

Hebammen-Mangel spitzt sich zu

Das Hebammen-Problem spitzt sich in Ostbrandenburg weiter zu.
Das Hebammen-Problem spitzt sich in Ostbrandenburg weiter zu. © Foto: picture alliance / dpa
Mandy Timm / 27.07.2017, 20:06 Uhr - Aktualisiert 27.07.2017, 20:45
Fürstenwalde (MOZ) Schlechte Bezahlung, hohe Versicherungsprämien, zu wenig Ausbildung: Das Hebammen-Problem spitzt sich in Ostbrandenburg weiter zu. Mit einer Kampagne nehmen Bündnis 90/Grüne jetzt die Landesregierung in die Pflicht, auf den eklatanten Fachkräfte-Mangel zu reagieren.

Mit Gerlinde Schücke geht zum Jahresende die letzte Vollzeit arbeitende Hebamme in Frankfurt (Oder). Neben einer Familiengeburtshelferin werden dann noch vier im Nebenberuf tätige Frauen für Mütter in der Oderstadt und Umgebung da sein - und das bei steigender Geburtenzahl. 2016 sind in Brandenburg 100 Kinder mehr als in den Vorjahren zur Welt gekommen.

Angesichts gravierender Unterversorgung in vielen Teilen Brandenburgs haben Bündnis 90/Grüne am Donnerstag in der Hebammen-Praxis Schücke-Janke eine Kampagne gestartet, die die Bundes- und Landesregierung mehr in die Pflicht nehmen soll. "Wir fordern, endlich Maßnahmen zu ergreifen, um dem eklatanten Hebammen-Mangel entgegen zu wirken", sagte Brandenburgs Landesvorsitzende Petra Budke in Fürstenwalde. Die Hebammen-Not treffe nicht nur Mütter, sondern die gesamte Gesellschaft. Unter anderem fordern die Grünen vom Land, mehr Ausbildungsplätze zu schaffen. Aktuell werden in Brandenburg alle drei Jahre 15 Hebammen ausgebildet. "Das ist viel zu wenig", sagte Budke. "Brandenburger Hebammen wissen schon jetzt nicht mehr, wie sie sich im Urlaub oder bei Krankheit vertreten sollen. Viele Familien finden erst gar keine Hebamme." Darüber hinaus müssten die Arbeitsbedingungen verbessert und die Fachkräfte angemessen bezahlt werden. "Eine Möglichkeit wäre, dass Städte und Kommunen, Praxismieten übernehmen", so Budke weiter.

Außerdem fordern die Grünen von Brandenburgs Gesundheitsministerin Diana Golze (Linke), ein zentrales Hebammen-Melderegister einzuführen, um den Mangel messbar zu machen. Hinsichtlich der hohen Versicherungsprämien, die vor allem freiberufliche Hebammen treffen, die außerklinische Geburten betreuen, müsse schnelle Abhilfe her. Die Grünen favorisieren hierfür ein öffentliches Model ähnlich der gesetzlichen Unfallversicherung.

Martina Schulze vom Brandenburger Hebammenverband machte deutlich, dass der Mangel ihrer Branche nicht mehr nur ein Problem ländlicher Regionen ist, sondern auch Ballungszentren trifft, Bernau etwa oder Treuenbrietzen. "Überall im Land gibt es bei steigender Geburtenzahl zu wenig Hebammen", machte sie deutlich. Auf eine Kollegin kämen mehr als drei hochschwangere Frauen. "Das ist nicht mehr verantwortbar", betonte sie. Eigentlich müsste die Betreuung bei 1:1 liegen.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.
Simone Heyer 28.07.2017 - 20:33:08

DAnke für die Aufmerksamkeit!!!

Leider wird sich auf Bundesebene ebenso wenig tun, wie auf kommunaler. Etliche Versuche sind inzwischen gescheitert und offensichtlich legt es die Politik auf eine steigende Mortalitätsrate sowohl bei Müttern als auch Kindern an, denn das wird in naher Zukunft die Folge dieses Sparens und Zentralisierens im Gesundheitswesen sein!!! Traurig, wie ein reiches Land wie Deutschland sich um seine Mütter und deren Nachwuchs am Lebensanfang kümmert!!!!

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG