Diese Tendenz spiegelt sich auch für die Auszubildenden der IHK Ostbrandenburg wider, die fast 50 Berufe vertreten. Durchgeführt wurde die Umfrage zum fünften Mal durch die Industrie- und Handelskammern der neuen Bundesländer unter Federführung der IHK Erfurt.
"Die vorliegenden Ergebnisse sind ein Beleg, dass praxisgerechte Berufsorientierung funktionieren kann", sagt Thomas Fahlbusch, Abteilungsleiter Aus- und Weiterbildung der IHK Erfurt. "87 Prozent der Absolventen im ersten Lehrjahr empfehlen ihren Ausbildungsbetrieb weiter – sie bescheinigten den Firmen ein gutes Betriebsklima und fühlten sich akzeptiert. Das ist nochmals eine Steigerung von rund drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr." Jugendliche aus Ostbrandenburger IHK-Unternehmen – hier gab es 80 Prozent Zustimmung – nannten als weitere Gründe für die Weiterempfehlung das sehr gute Verhältnis zu den Ausbildungsverantwortlichen, das gute Image des Betriebes und einen hohen Praxisbezug.
Eine der größten Herausforderungen für Unternehmen und Azubis ist die Entfernung zur Berufsschule. Die Bewerber signalisieren immer öfter, dass der Berufsschulstandort ein wesentlicher Aspekt für die Attraktivität der Ausbildungsstelle ist und sie ungern lange Fahrzeiten in Kauf nehmen. Laut Umfrage hat im Durchschnitt jeder vierte Jugendliche täglich eine Fahrzeit von 90 Minuten und länger zur Berufsschule und zurück.  In Ostbrandenburg trifft dies auf fast jeden dritten zu. "Das unterstreicht, welche besonderen Anforderungen unser Flächenland an die Jugendlichen stellt und welch langen Wege sie zurücklegen müssen", betont Michael Völker, Leiter Geschäftsbereich Aus- und Weiterbildung der IHK Ostbrandenburg.
Wegen der langen Wege hat knapp jeder fünfte Azubi zwischen Oder und Spree einen Wohnheimplatz oder eine Wohnung gemietet, im Jahr zuvor betraf dies noch jeden vierten Auszubildenden. "Dies ist ein Beleg für das gesteigerte Ausbildungsmarketing und die gestiegene Attraktivität der regionalen Ausbildungsangebote", so Völker.
Allerdings vermissen zahlreiche Jugendliche Kostenübernahmen und Extraleistungen ihrer Firma für den Berufsschulbesuch, zum Beispiel Fahrt- oder Wohnheimkosten. Dabei übernimmt laut Thomas Falbusch in Ostdeutschland schon fast jede zweite Firma solche zusätzlichen Kosten. 60 Prozent der Azubis zwischen Oder und Spree benötigen aber auch weniger als eine Stunde für Hin- und Rückfahrt.
Eltern bleiben wichtig
In Bezug auf Maßnahmen beruflicher Orientierung spielen Praktika die größte Rolle, das gaben 56 Prozent der Ostbrandenburger an, gefolgt von online-Recherchen und sozialen Netzwerken sowie Messen und Info-Veranstaltungen. Die wichtigsten "Influencer" bleiben Eltern, Freunde und Lehrer (70 Prozent). "Persönlichen Tipps vertrauten Jugendliche am meisten. Die persönlichen Gespräche helfen ihnen, ihre Vorstellungen und den Traumberuf zu konkretisieren", weiß Michael Völker. Verschwindend gering ist dagegen die Ausbildungsfindung über die Online-Stellenbörse der IHK. Dramatisch findet der Ausbildungsleiter das nicht, schließlich sei es eine von vielen derartigen Börsen, die zum Wunschberuf führen können.
Steht die endgültige Entscheidung zur Bewerbung an, wird diese hierzulande zu fast hundert Prozent vom Bezug zur Praxis, von späteren Übernahme- und Aufstiegschancen (89 Prozent), den sofortigen Verdienstmöglichkeiten (77,4 %) und von der Nähe zum Heimatort (73 Prozent) beeinflusst. Für jeden zweiten Azubi ist zudem die Nähe zur Berufsschule ein entscheidendes Kriterium bei der Unternehmenswahl.
Zunehmend leichter haben es Jugendliche letztendlich, am Ende auch eine Lehrstelle zu finden. Nur jeder Zehnte musste mehr als zehn Bewerbungen versenden. Mehr als die Hälfte der Jugendlichen (64 Prozent) schrieb nur bis zu fünf Bewerbungen und hatte dann seine Lehrstelle, das sind fast zehn Prozent mehr als in den anderen neuen Bundesländern.

Normalbetrieb läuft weiter


Positiv in Zeiten der Corona-Pandemie: Bei drei von vier Unternehmen konnte die Ausbildung (auch dank Umorganisation) im Normalbetrieb weiterlaufen. Rund ein Fünftel der Firmen haben die Auszubildenden zumindest mobil beschäftigt. "Ein Beleg dafür, dass die Unternehmen alle Anstrengungen unternehmen, die Auszubildenden trotz schwieriger Rahmenbedingungen weiterhin zu halten und die Qualität in der Ausbildung zu sichern", würdigt Michael Völker von der IHK Ostbrandenburg. keb