Der Mann mit dem Arbeitsplatz Nummer 60.000 ist Maschinenbauer, in Berlin aufgewachsen und 36 Jahre alt. Frank Wunder arbeitet seit 1. März als Leiter Digitale Fertigung bei Körber&Körber Präzisionsmechanik in Birkenwerder (Oberhavel). Sein Job ist eine Jubiläums-Stelle: Die 60 000., die mit Unterstützung der Wirtschaftsförderung Brandenburg WFBB seit deren Gründung 2001 geschaffen wurde. Am Freitag zog die WFBB in Potsdam Bilanz.
Körber&Körber gehören zu den "Hidden Champions" in Brandenburg, ein mittelständisches Unternehmen, das Teile, Baugruppen und fertige Produkte für die Medizin- und Prüftechnik, für die Luft- und Raumfahrt herstellt. Bei Operationen in der Hirnchirurgie kommen Teile aus Birkenwerder zum Einsatz, eine Kamerahalterung fliegt auf der Raumstation ISS mit, im Teilchenbeschleuniger im CERN in der Schweiz steckt Brandenburger Technik.
Das Familien-Unternehmen, 2010 in Brandenburg neu gegründet, ist eines von 7281 Ansiedlungen, Innovationsprojekten und technologieorientierten Existenzgründungen, die die Wirtschaftsförderer seit 2001 begleitet haben. Dazu zählen neben Körber&Körber auch die Windkraftfirma Vestas in Lauchhammer oder das Automotive-Unternehmen Weber in Bernau.  Rund zwölf Milliarden Euro wurden in der Zeit investiert und genau 61 536 Arbeitsplätze sind entstanden oder wurden stabilisiert. Das entspricht durchschnittlich 200 000 Euro pro Arbeitsplatz.
"Der Wirtschaft in Brandenburg geht es gut", sagte Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD). Mehr Unternehmen kämen ins Land und die Firmen würden wachsen. "Daran hat die WFBB großen Anteil." Jeder sechste Arbeitsplatz wurde nach Angaben der Wirtschaftsförder-Gesellschaft des Landes von einem internationalen Unternehmen geschaffen.
In den 18 Jahren hat sich die Tätigkeit der Wirtschaftsförderer "erheblich verändert", sagte Steffen Kammradt, Geschäftsführer der WFBB. Der Transfer von Ergebnissen aus Wissenschaft und Forschung in die  Wirtschaft spielt eine große Rolle. Neue Teams von WFBB-Mitarbeitern wurden gebildet, die sich um die Themen Fachkräfte und Standortentwicklung kümmern. "Große Industrieflächen sind ein Schatz", sagt Kammradt.
Weil Brandenburg den anzubieten hatte, ist auch Peter Körber mit seiner Firma 2010 aus Berlin nach Oberhavel gezogen. Dass er sich in Brandenburg willkommen fühlte, ihm Fördermöglichkeiten geboten wurden, nennt Körber als Gründe für den Wegzug aus der Hauptstadt, wo die Firma 30 Jahre ansässig war.
Frank Wunder, der Neue bei Körber, hat einen Job in einem größeren Unternehmen aufgegeben. Für ihn seien die kurzen Entscheidungswege in der Firma, der moderne Maschinenpark ausschlaggebend gewesen. "Für mich war entscheidend, wie ich mich entwickeln kann."
Wunder ist einer jener Fachleute, die Brandenburger Unternehmen so dringend brauchen. Das Problem des Fachkräftemangels ist angesichts der Bevölkerungsentwicklung "aus eigenem Bevölkerungspotential nicht zu lösen," erklärte Wirtschaftsminister Steinbach. Auch auf Arbeitskräfte aus Polen zählt er dabei eher nicht. "Wir müssen die Angel weiter auswerfen."
Wirtschaftsförderer Kammradt spricht von einem "Wettbewerb um die besten Köpfe". Brandenburger Firmen zahlen in diesem Wettbewerb im Schnitt ein Fünftel weniger als Betriebe in Westdeutschland. "Wir finden junge Menschen nur noch, wenn wir deutlich über dem Mindestlohn bezahlen", sagte Steinbach. Die Bereitschaft, mehr zu zahlen, müsse aus den Unternehmen selbst kommen. Mittelständische Unternehmen müssten bei Innovationen unterstützt werden, damit sie ihre Produktivität entsprechend steigern können.
"Wir zahlen Spitzenlöhne", erklärte Körber&Körber-Geschäftsführer Peter Körber. Er setzt auf Innovationen, Produktivitätssteigerung und Digitalisierung, um gute Löhne zahlen zu können. Eine Million Euro investiert Peter Körber in den nächsten drei Jahren in die Digitalisierung, 500 000 Euro Landes-Förderung bekommt er dazu.  Mit dem Geld soll zum Beispiel das Wechseln von Werkzeugen an Maschinen automatisch gesteuert werden – das spart Zeit.
Für das Digitalisierungsprojekt wurde Frank Wunder eingestellt. Als er sich zum Wechsel aus einer großen Firma zum Mittelständler mit über 40 Mitarbeitern entschloss, habe das Geld nicht im Fokus gestanden, sagte er. Und setzte mit einem Lachen hinzu: "Aber verschlechtern sollte man sich schon auch nicht."