Nach der Wende sind in unzählige Eigenheime und Eigentumswohnungen Kamine, Kamin- oder Kachelöfen eingebaut worden – sie haben damit teils 30 Jahre auf dem Buckel. Betreiber müssen deshalb den 31. Dezember dieses Jahres im Blick haben.

Zwei Millionen Kamine betroffen

Bis zu diesem Stichtag sind alle zwischen dem 1. Januar 1985 und 31. Dezember 1994 errichteten Einzelraumfeuerungen umzurüsten, auszutauschen oder stillzulegen, wenn sie die in der Bundesimmissionsschutzverordnung über kleine und mittlere Feuerungsanlagen (BImSchV) festgelegten Werte von Kohlenmonoxid und Feinstaub überschreiten. Darauf weisen der HKI Industrieverband Haus-, Heiz- und Küchentechnik sowie Verbraucherschützer hin.
Betroffen seien bundesweit zwei Millionen Kamin- und Kachelöfen sowie Heizkamine, die mit Holz, Pellets, Hackschnitzeln oder Kohle befeuert werden. Für Brandenburg kann der Landesinnungsverband des Schornsteinfegerhandwerks keine Zahlen vorlegen.

Online-Datenbank informiert Betreiber

Die betreffenden Anlagen dürfen nur weiterbetrieben werden, wenn 0,15 Gramm Staub je Kubikmeter und vier Gramm Kohlenmonoxid je Kubikmeter nicht überschritten werden. In der Online-Datenbank des HKI (siehe Service/Datenbank) sind über 5000 Geräte aufgeführt, so dass Betreiber prüfen können, ob ihre Holzfeuerung den Anforderungen entspricht. Einen Hinweis über das Alter der Feuerstätte gibt das Typenschild, sofern es vorhanden ist.
Vorgelegt werden kann auch eine Bescheinigung des Herstellers, dass die Grenzwerte eingehalten werden. Ausschlaggebend waren jedoch die Hinweise der Schornsteinfeger bei der Feuerstättenschau in den Jahren 2012/13. „Wenn wir bei den Messungen Abweichungen festgestellt haben, wurde der Betreiber informiert, bis zu welchem Stichtag er diese abgestellt haben muss“, erklärt Brandenburgs Landesinnungsmeister im Schornsteinfegerhandwerk, Markus Hirschnitz. Die Stichtage bezogen sich auf 2014, 2017, 2020 und 2024. Entscheidet sich der Betreiber für einen Neukauf, nimmt der Schornsteinfeger die Anlage ab. Entscheidet er sich für eine Modernisierung, führt der Weg zuerst zum Ofenbauer.

Heizgeräte werden meist ausgetauscht

Der schlägt ihm in der Regel den Austausch des Heizgerätes vor. Das trifft vor allem für Warmluftheizeinsätze und Kaminöfen zu. „Für aufwendig verkleidete Kamine kann aber auch eine einmalige Messung durch einen qualifizierten Schornsteinfeger eine Lösung sein“, sagt Ofenbauermeister Jörg Friedow aus Tauer (Spree-Neiße).
Entscheidet sich der Betreiber für einen Austausch, spielen auch neue Gesetzlichkeiten und bauliche Änderungen eine Rolle, die unter anderem Schornsteinmündungsabstände und die Dunstabzugshaube betreffen. Ein Austausch sollte in jedem Fall durch einen in der Handwerksrolle eingetragenen Fachbetrieb (Ofenbau) erfolgen, vorzugsweise durch einen Innungsfachbetrieb des Kachelofen- und Luftheizungsbauerhandwerks. „Ansonsten kann es passieren, dass man zwar eine neue Anlage hat, aber der zuständige Schornsteinfeger die Anlage nicht abnimmt“, unterstreicht Landesinnungsobermeister Friedow.
Theoretisch möglich ist auch das Nachrüsten über einen Aktiv- oder Passivfilter. Während die teureren Aktivfilter direkt in den Kamin eingebaut werden, filtern die wartungsaufwändigen Passivfilter das Rauchgas in Keramikfiltern. Praktisch entscheiden sich Ofenbauer selten dafür. Tim Froitzheim, Referent für Ofen- und Luftheizungsbau im Zentralverband Sanitär Heizung Klima, verweist darauf, dass die Kosten für den Filtereinbau in den meisten Fällen deutlich höher seien als ein neues Gerät. Jörg Friedow hält die Filter für nicht ausgereift. Deren Reinigung würde beispielsweise auch wieder Staub freisetzen.

Kosten ab 1500 bzw. 3500 Euro

Nach jahrelanger Erfahrung sagt Ofenbauer Torsten Schulz aus Wandlitz: „Zwei Drittel der Anlagen fliegen raus“. Sein Kollege Friedow begründet das mit dem Alter der Öfen oder Kamine und vergleicht: „Wer fährt schon 20, 30 Jahre lang dasselbe Auto?“ Auch an Häusern sind nach solchen Zeiträumen meist erste große Reparaturen oder Modernisierungen fällig. Insofern sind die anfallenden Kosten relativ zu sehen. Der Austausch eines Warmluftheizeinsatzes ist ab ca. 3500 Euro zu erhalten. Die Aufarbeitung einer Kaminanlage, sofern sie möglich ist, und die folgende Messung durch den Schornsteinfeger schlagen ab 1500 Euro zu Buche.
Für die Ofenbauer bedeutet die Verordnung jede Menge Arbeit, jetzt, aber auch mit Blick auf den 31. Dezember 2024, die letzte der vier Fristen zur Einhaltung der Grenzwerte. Jörg Friedow sagt für seinen Betrieb mit zwei Ofenbauern: „Von der Kapazität würden wir das schaffen. Aber bei den Herstellern gibt es Lieferengpässe. Die Lieferzeit für Heizeinsätze liegt zurzeit bei fünf bis sechs Monaten.“
Größere Sorgen haben die Schornsteinfeger. Denn aus ihrer Sicht hat der Gesetzgeber die Kontrolle der Verordnung nicht ausreichend geregelt bzw. an die Länder abgeschoben. In Brandenburg hat sich der Landesinnungsverband mit dem Umweltministerium dahingehend geeinigt, „dass der bevollmächtigte Schornsteinfeger bei der nächsten anstehenden Feuerstättenschau nach Ablauf der festgesetzten Frist kontrolliert, ob die Hinweise zur Nachrüstung oder zum Austausch des Ofens umgesetzt wurden“, so Markus Hirschnitz. Was bedeutet: Die Anlagen können eine Zeitlang weiter betrieben worden sein, obwohl sie die Grenzwerte überschreiten. Stellen Hirschnitz und seine Kollegen eine solche Verfehlung fest, informieren sie das zuständige Bauamt der Gemeinde oder Kommune.

Ordnungswidrigkeit wird geahndet

Auf die Pflicht des Betreibers, die Vorgaben der der 1. BImSchV einzuhalten, verweist das Bundesumweltministerium. „Die Feststellung der (Nicht-)Einhaltung der Grenzwerte von bestehenden Einzelraumfeuerungsanlagen erfolgte bereits in den Jahren 2012/2013, um den Betreiber*innen eine langfristige Planung zur Nachrüstung oder ggf. Stilllegung zu ermöglichen“, betont ein Sprecher. „Wird die Anlage in 2021 weiter betrieben, obwohl sie die entsprechenden Grenzwerte nicht einhält, handelt es sich um eine Ordnungswidrigkeit, die mit einer Geldbuße geahndet werden kann.“ Verstöße seien durch den bevollmächtigten Bezirksschornsteinfegermeister an die zuständige Immissionsschutzbehörde zu melden, die entsprechende Anordnungen treffen könne.

Fakten zur Bundesimmissionsschutzverordnung


Stufe 1 der Bundesimmissionsschutzverordnung (BImSchV) trat 2010 in Kraft. Betrieben werden durften nur Öfen, die 2,0 g/m³ Kohlenmonoxid und 0,075 g/m³ Staub hatten. Öfen, die zwischen 2010 und 2015 gekauft wurden, mussten die Grenzwerte der ersten Verordnungsstufe einhalten. Für ältere Feuerstellen wurden höhere Grenzwerte festgelegt sowie vier Übergangsfristen zwischen dem 31. Dezember 2014 und 31. Dezember 2024, um die Einhaltung der Grenzwerte nachzuweisen. Offene Kamine, handwerklich errichtete Grundöfen und Kochherde sowie historische Kaminöfen, die nachweislich vor dem 1. Januar 1950 errichtet wurden und an derselben Stelle im Hause stehen, sind von der Verordnung ausgenommen.

Stufe 2 gilt seit 2015 für Kaminöfen, die nach dem 1. Januar 2015 erstmals betrieben wurden. Sie legt die Grenzwerte eines raumluftunabhängig zu betreibenden Kamins auf 0,125 g/m³ Kohlenmonoxid (CO) und 0,04 g/m³ Feinstaub fest.

Seit Inkrafttreten der 1. BImSchV wurden bundesweit rund zwei Millionen technisch veraltete Holzfeuerstätten stillgelegt, nachgerüstet oder gegen modernere Geräte ausgetauscht. „Seitdem sind die gesamten Feinstaub-Emissionen aller häuslichen Feuerstätten in Deutschland um rund ein Drittel gesunken“, so der Branchenverband HKI.

Zeitgemäße Verbrennungstechnik verringert die Emissionen gegenüber Altgeräten um bis zu 85 Prozent. Neue Öfen verbrauchen für die gleiche Wärmeleistung bis zu einem Drittel weniger Brennstoff.