Einen großen Wurf hatten die "Jamaika"-Sondierer für den Verkehr geplant. So sollten die Kommunen doppelt so hohe Bundesmittel für Verkehrsleistungen erhalten. Die Taktung sämtlicher Züge sollte revolutioniert und gleichzeitig das Schienennetz digital gesteuert werden. Zwar ist ein mögliches Bündnis aus Union, Grünen und FDP längst Geschichte, bei einer Podiumsdiskussion in Berlin wurde aber deutlich, dass die Parteien im Bundestag weiterhin ein gemeinsames Ziel haben: Die Investitionen verschieben sich immer mehr in Richtung Schiene.
"Die Bahn ist immer noch eine eigene Welt, hier gibt es enorme Innovationspotenziale", sagte Michael Donth, Verkehrsexperte der Unionsfraktion. Aus seiner Sicht ist es nicht nur notwendig, die Trassen-Preise zu halbieren, um mehr Verkehr auf die Gleise zu verlagern, sondern es müssten auch die "Flaschenhälse" auf den Schienentrassen beseitigt werden. Dagegen forderte Arno Klare (SPD), Kollege von Donth im Bundestags-Verkehrsausschuss, auch eine bessere Steuerung der logistischen Prozesse. Laut Studien könnten Lkw bis zu 40 Prozent mehr Waren befördern. "Die fahren mit viel Luft durch die Gegend", berichtete Klare. Zudem seien 15 Prozent der Logistikfirmen ans Schienennetz angeschlossen - allerdings nutze weniger als die Hälfte diesen Transportweg. "Man braucht daher nicht zwangsläufig neue Autobahnen."
Auch Matthias Gastel, Verkehrsfachmann der Grünen-Fraktion, erkennt keine Notwendigkeit, neue Straßen zu bauen. "Wir müssen Angebote schaffen, um die Abhängigkeit vom Auto zu verringern", betonte der Bundestagsabgeordnete aus Filderstadt bei Stuttgart. Ohne eine echte Verkehrswende seien die Klimaziele nicht zu erreichen. Denn gerade in diesem wichtigen Sektor würden die CO2-Emissionen weiter steigen. Ebenso sprach sich Jörg Cezanne (Linke) gegen einen Neubau von Straßen aus - stattdessen sollte das Geld in den ÖPNV investiert werden. Mit dem Begriff Verkehrswende können CDU und FDP jedoch wenig anfangen. "Wir dürfen nicht mit ideologischen Begriffen arbeiten", meinte Christian Jung (FDP).
Auch die Bahnlobby drängt auf einen weiteren Ausbau der Infrastruktur. "In Berlin und Brandenburg platzen die Züge aus allen Nähten, das geht nicht mehr so weiter", warnte Hans Leister, Gründer der "Zukunftswerkstatt Schienenverkehr" und früherer Abteilungsleiter im Verkehrsverbund der Hauptstadtregion. Es müssten jedoch Voraussetzungen geschaffen werden, um den ÖPNV auszubauen. Viele Bahn-Stellwerke seien veraltet, ebenso die Leit- und Sicherungstechnik. Wenn hier flächendeckend investiert werde, könnten 20 bis 30 Prozent mehr Züge fahren, so Leister.