Werner Schäfer lässt einfach alle gut ausschauen. Egal ob Lagerfeld-Model, Hollywood-Schauspieler,  Operndiva oder Komödien-Altmeister wie Dieter Hallervorden. Als der vergangenes Jahr in dem Film "Sein letztes Rennen" als betagter Marathonläufer aus der Enge eines Seniorenheims floh, sorgte Werner Schäfers Firma "Big Image Systems" dafür, dass Hallervorden glänzen konnte: Ein Teil der Kulissen für die Tragikomödie entstand in Schäfers Firma in Potsdam-Babelsberg.
Wer "Big Image Systems" in der Nachbarschaft der berühmten Filmstudios besucht, muss sich Plastiküberzieher über die Schuhe stülpen und aufpassen, wo er hintritt: Auf dem Boden der großen, hell ausgeleuchteten Halle liegen hauswandgroße Plakate aus Stoff oder Plastik ausgebreitet.
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Ob für aufwändige Außenwerbung, eindrucksvolle Messe-Auftritte oder eben als Kulissen für Fernsehstudios, Kinofilme oder die Theaterbühne: "Big Image Systems" kann so ziemlich alles drucken. Der Name kommt dabei nicht von ungefähr. In Babelsberg steht der weltweit größte Textilprinter, eine Erfindung, die Werner Schäfers Mitarbeiter zusammen mit der Technischen Universität Berlin entwickelten.
Der heute 75-jährige Firmengründer wuchs auf im Prenzlauer Berg. Schon früh hatte er ein Faible für große Bilder: "Ich wollte unbedingt zum Film", erinnert er sich. "Nur, wie ich da hinkommen sollte, war mir natürlich nicht klar." Er kam dahin, indirekt und über Umwege. Schäfer machte sich als Industriefotograf selbstständig und entdeckte dabei sein Interesse fürs Großformatige.  1987 gründete er - inzwischen hatte es ihn nach Skandinavien verschlagen - die Firma "Big Image Systems" in Schweden, aus der später die Brandenburger Schwesterfirma entstand. Zuerst siedelten sich die Druckspezialisten in Stahnsdorf (Potsdam-Mittelmark) an, vor anderthalb Jahren zogen sie dann nach Babelsberg. Ein Glücksfall für Schäfer, aber auch für die Film-Branche, die nun quasi nur über die Straße laufen muss, um neue Projekte  abzusprechen.
"Der Umzug war wie eine Initialzündung", sagt Schäfer. "Wir haben viel investiert und sind durch ein Tal gegangen. Aber es hat sich gelohnt." Gerade waren Interessenten aus Italien da, aus den USA gibt es eine Anfrage für eine 4500 Quadratmeter große Opernkulisse, in London hat "Big Image Systems"  ein Verkaufsbüro eröffnet. Auf Marketingsprech können die Babelsberger verzichten. "Wenn wir unseren Kunden zeigen, was wir hier machen können, dann sind sie überzeugt", erklärt Schäfer.
Das liegt nicht zuletzt an Infinitus. Es ist der größte Textil-Drucker der Welt, ein Unikat, das Schäfer und seine Kollegen mit der Expertise der TU Berlin entwickelten.  Die  Maschine kann Bühnenprospekte bis zu zwölf mal 50 Meter drucken, "nahtlos, das ist unser Alleinstellungsmerkmal", betont Schäfer.
Im Prinzip funktioniert Infinitus wie ein überdimensionaler Tintenstrahldrucker: Der Stoff ist auf eine zwölf Meter breite Trommel gewickelt, die sich langsam dreht, während die Farbdüsen auf einem Druckschlitten von links nach rechts gleiten. "Der läuft inzwischen fast rund um die Uhr", erklärt Schäfer. Die Auslastung ist inzwischen so gut, dass "Big Image Systems" an einem zweiten Riesendrucker arbeitet. Außerdem will das Unternehmen auf eine durchgängige Drei-Schicht-Produktion umstellen.
Als das Riesenbaby erstmals zum Einsatz kam, war das für Schäfer ein besonderer Moment, ein rührender Augenblick, bei dem er auch ein paar Tränen verdrückte. Schließlich war das so etwas wie sein Lebenswerk, ein Traum, den er sich erfüllte: Schäfers Firma durfte das Bühnenprospekt zur Oper "Lucio Silla" bei der Salzburger Mozartwoche 2013 beisteuern. Wozu Infinitus noch in der Lage ist, davon durfte sich vor wenigen Wochen die internationale Modeszene in Paris überzeugen. Designer Karl Lagerfeld ließ sich von den Babelsbergern die Kulissen für sein Chanel-Spektakel im Grand Palais schneidern. Dieses Mal verlangte es den Modezar nach einem lebensgroßen  Pariser Prachtboulevard, der sich unter den Glaskuppeln der legendären Ausstellungshalle entfalten sollte. Gesagt, gedruckt: 100 Meter lang, mit 20 Meter hohen Hausfassaden. "Das war schon richtig irre", so Schäfer.
Ein Grund dafür, warum Werner Schäfer mit dem Zukunftspreis bedacht wurde: Er überführt mit seinen spektakulären Druckerzeugnissen die  traditionelle Technik der Kulissenmalerei ins Zeitalter der Digitalisierung - und behauptet sich.
Ein gigantisches Kulissenrund entstand kürzlich auch für die Verfilmung des Kinderbuch-Klassikers "Pettersson und Findus", in dem Ulrich Noethen den kauzigen Katzenbesitzer Pettersson spielt. Der Schauspieler schwärmte: "Wenn ich nur an den Riesenprospekt denke, der als Hintergrund aufgehängt wurde. Auseinandergefaltet hätte man damit einen der Türme am Kölner Dom verdecken können". Das Meisterstück jedoch, von dem Schäfer heute noch schwärmt, war  die  Rekonstruktion der Sixtinischen Kapelle für die Papst-Komödie "Habemus Papam" (2012) von Nanni Moretti. "Wenn man das erleben darf, dann weiß man: Man hat alles richtig gemacht."
Ein Riesending: Mit dem Drucker Infinitus können Bühnenprospekte bis zu 12 x 50 Meter groß für Theater, Film und Fernsehen weltweit erstmals nahtlos in einem Stück gedruckt werden. Es handelt sich nach Angaben der Potsdamer Firma "Big Image Systems" um den weltgrößten Drucker.Foto: dpa/Ralf Hirschberger
Die Firma "Big Image Systems" druckt in Potsdam rekordverdächtig große Plakate und Filmkulissen
Preisträger in Kürze
¦ Branche: Produktion von Wandbildern, Werbebannern und Filmkulissen ¦ Standort: Potsdam-Babelsberg ¦ Beschäftigte: 22 ¦ Umsatz 2013: rund 2,4 Millionen Euro ¦ Fördermittel seit 2007: 21.280,00 Euro, davon EFRE-Mittel: 15.960,00 Euro für Beratung zur Entwicklung einer Marketingstrategie/Einführung eines neuen Softwareprogramms sowie für Messeteilnahme 2010 in Wien¦ Internet:www.bigimagesystems.com