Die Wissenschaftler von Surflay haben dafür Coronaviren als Modelle nachgebaut. Ihre unschädlichen Winzlinge sind so klein und so geformt wie die  echten Erreger. Wesentlicher Unterschied:  Die nachgebauten Viren leuchten grün. Man kann sie auf eine Maske sprühen und mit einem Gerät  das Leuchten sichtbar machen. So lässt sich sehen, welchen Schutz eine Maske bietet.
Surflay arbeitet aber auch daran, einfache Alltagsmasken aus Baumwolle zu verbessern. Mit einer neuartigen Beschichtung aus Kunststoff.  Sie ist etwa 50 000-mal dünner als ein menschliches Haar und sorgt dafür, dass die Viren gut am Gewebe hängen bleiben. Der Stoff soll dann ähnlich gut schützen wie eine professionelle FFP2-Maske. Außerdem: Das beschichtete Baumwollmaterial ist grundsätzlich waschbar und damit nachhaltiger. Das müsse aber noch genauer getestet werden, sagt Unternehmensgründer Lars Dähne.
Die Firma des promovierten Chemikers mit ihren 13 Mitarbeitern arbeitet im Wissensschafts- und Technologiepark in Berlin-Adlershof.  Sie ist eines von 564 Unternehmen dort. Viele Firmen sind Ausgründungen von Hochschulen.  30  Unternehmen und wissenschaftliche Einrichtungen  haben jetzt den Kampf gegen das Virus zu ihrem Forschungsthema und Geschäft gemacht. Sie stellen medizinische Ausrüstungen her, beteiligen sich an der Entwicklung von Impfstoffen  oder liefern Bestandteile für Tests, mit denen sich die Corona-Infektion bei Menschen nachweisen lässt.
Einen Test hat auch BlueBio-labs entwickelt – für Türklinken, Tische, Lenkräder, Touchpads. Kurz gesagt: Für alle Oberflächen, auf denen Talg und Schweiß einen Film bilden, in dem sich Viren wohlfühlen.  Das Testgerät ist ein besonders präparierter Schwamm am Stiel. Damit wischt ein Nutzer  über  eine Klinke und versenkt das Schwämmchen anschließen in eine Dose. Jetzt muss er es nur noch an das  Labor von BlueBiolabs schicken. In der Regel habe der Kunde das Ergebnis einen Tag später, sagt Oliver Thronicker, geschäftsführender Gesellschafter. Ein Test kostet 149 Euro und soll Aufschluss geben, ob Oberflächen ausreichend gut gereinigt sind. "140 Tests pro Tag können wir bearbeiten", sagt Thronicker.
Eine andere Waffe im Kampf gegen die Pandemie heißt ZenZoe. Das ist ein Roboter, eine bläulich  leuchtende Säule auf Rädern, die nachts durch menschenleere Räume in Kliniken oder Praxen fährt. Mit UV-Licht soll der Roboter das Virus in der Luft und auf Gegenständen abtöten. Zwei größere Bestellungen für die Desinfektionsmaschine sind schon eingegangen, sagt André Schmiljun von der InSystems Automation GmbH, die den Roboter mit Partnern konstruierte. Das Unternehmen fertigt seit 2012 fahrerlose Transportsysteme für die Industrie. Die Krise erweitert nun den Bewegungsraum für die Automaten: Die Roboter können auch Essen oder Medikamente zu Krankenbetten rollen. In einer Klinik in Katar wurde ein Adlershofer Roboter bereits gestestet.  Mit mehreren Krankenhäusern sei man im Gespräch, sagt Schmiljun.  "Das Fahrzeug müsste wahrscheinlich für den deutschen Markt humanoider gestaltet werden", meint er. Noch stehe die Entwicklung an ihrem Anfang.
Während der Roboterhersteller einen neuen Markt erschließt,  ist für BlueBiolabs der Corona-Test auch eine Flucht nach vorn. Das Labor ist auf Wasseranalysen spezialisiert und selbst von der Krise betroffen. Mit der Schließung von Hotels, Kitas und Schwimmhallen brach ein Teil des Geschäfts weg.

Erfahrung mit Legionellen

Den Corona-Test zu entwickeln, sei kein großer Schritt gewesen, sagt Oliver Thronicker.  Sowohl Know-How als auch die Ausstattung dafür seien vorhanden. Schließlich testet BlueBiolabs schon seit Langem auch auf andere gefährliche Keime: Legionellen. Die Bakterien können in Wasserinstallationen in Gebäuden vorkommen und Lungenentzündungen auslösen. Normalerweise sollte das kein Problem sein. Werden Leitungen aber länger nicht benutzt, könnten sich Legionellen unter Umständen zu stark vermehren. Wenn jetzt Einrichtungen nach längerem Stillstand wieder öffnen, rät Thronicker, sollten sie vor allem eines: Die Leitungssysteme gut spülen.

Der klügste Kiez Berlins ...


... so nennt sich Adlershof gerne. Kernstück dieser Medien- und Wissenschaftsstadt innerhalb Berlins ist der Wissenschafts- und Technologiepark.  Dort befinden sich Firmen und wissenschaftliche Institute, die auf Feldern wie Erneuerbare Energien, Biotechnologie, Optik oder Informationstechnik forschen und arbeiten. Davon sind etwa 60 im Bereich der Medizintechnik tätig. Die Unternehmen im Park erwirtschafteten  im vergangenen Jahr über eine Milliarde Euro Umsatz und beschäftigen knapp 8000 Mitarbeiter. Hinzu kommen rund 2800 Beschäftigte in universitären Einrichtungen.  ima