Der Abverkauf der Lagerbestände der Modelle Kalina und Granta läuft seit einigen Wochen. Für den Vesta wird Ende 2019 Schluss sein, einzig der Geländewagen 4x4, früher als Niva im Angebot,  bleibt bei den Lada-Händler, wenn auch mit empfindlichen Preisaufschlägen. Denn Lada erfüllt nicht die strengen EU-Emissonsvorschriften.
Lada Automobile, der deutsche Importeur, will nun pro Jahr etwa 1000 Modelle des 4x4 Geländewagens so umrüsten, dass sie weniger Emissionen verursachen. "Nach der Sommerpause haben wir Klarheit, ob wir die Fahrzeuge aus Russland erhalten", sagte Bernd Haack von Lada Automobile, dieser Zeitung.
Derzeit ist der 4x4 ab 11 990 Euro zu haben, die optisch modifizierte Version Urban kostet 13 290 Euro. Ein bisher unschlagbarer Preis für einen Geländewagen. Die CO2-Vorgaben der EU werden nun aber wohl zu einem empfindlichen Preisaufschlag führen.
Laut einem Bericht des Magazins Focus, dürfte sich der Preis beim 4x4 um etwa 6400 Euro erhöhen. Der Importeur wiegelt noch ab und spricht davon, dass sich die Preise zwar verändern, ohne jedoch genaue Zahlen zu nennen. Der 4x4 ist aktuell nach WLTP-Norm mit einem Verbrauch von 9,8 Litern pro 100 Kilometer zertifiziert; dieser Wert, der sich im Realbetrieb übrigens leicht unterbieten lässt, korreliert mit einem CO2-Ausstoß von 226 Gramm pro Kilometer.
Hintergrund für den Import-stopp für Lada ist die EU-Verordnung, die Elektroautos, deren Schadstoffausstoß mit null beziffert wird, bevorzuge. Genauso wie Plug-In-Hybriden, die bislang mit sehr niedrigen Verbrauchswerten zertifiziert werden, die sich nur im Kurzstreckenverkehr und mit vollgeladener Batterie erzielen lassen.
Ob das die ohnehin kleine, aber eingeschworene Fangemeinde des 4x4 beeindrucken wird, bleibt abzuwarten. Der spartanische Geländewagen gilt nicht nur bei Jägern, Förstern und Landwirten als verlässliches Arbeitsmittel, auch immer mehr Großstädter schaffen sich das Kult-Auto an. Als Vorteile gelten neben dem Preis, die einfache, aber extrem robuste Technik  des russischen Geländewagens, durch den kurzen Radstand und die hohe Bodenfreiheit kommen damit auch ungeübtere Fahrer durch jedes Gelände. Doch der Vier-Zylinder-Motor, der den 4x4 antreibt, ist ein Auslaufmodell. In wenigen Jahren, so Haack, könnte der in die Jahre gekommene 4x4 mit einem Drei-Zylinder-Turbolader von Renault laufen.
Ein Nachfolgemodell wurde in Moskau vor kurzem als Studie vorgestellt. Allerdings rechnet der deutsche Importeur nicht mit einem Marktstart vor 2022. Zu diesem Zeitpunkt könnten auch andere Lada-Modelle wieder in Deutschland verfügbar sein. Für die Händler beutet der zeitlich begrenzte Rückzug einen Einschnitt.
Allerdings haben viele Händler Lada lediglich als Zweit- oder Drittmarke im Angebot, sind also nicht komplett auf die Importe aus Russland angewiesen. Laut aktuellen Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes, waren in Brandenburg im vergangenen Jahr 132 Ladas registriert. In Bayern wurden im Jahr 2018 immerhin 724 Halter von Ladas gemeldet. Diese Zahlen belegen, der russische Wagen ist ein Exot auf deutschen Straßen. Das ist nicht neu. Zwar war Lada in der DDR bekannt, doch nur wenige fuhren die Marke.
Zu DDR-Zeiten galten die Ladafahrzeuge der Typen 1200 bis 1600 als Statussymbol – auch weil die Ähnlichkeit mit einem Fiat nicht übersehbar war. Diese Modelle hatten die Sowjets zusammen mit dem italienischen Fiat-Konzern entwickelt.
1967 hatten die Turiner Autobauer einen Vorgänger des Ladas 1200 vorgestellt, das Modell mit dem Namen Fiat Typ 124 wurde in dem Jahr in Europa zum Auto des Jahres gekürt. Ab 1971 wurden im südrussischen Samara dann verschiedene Lada-Typen produziert, ab 1976 dann auch der Niva, der heutige 4x4.

Zahlen und Fakten


Lada 4x4: Taiga 4-Türer • Motor 1,7-Liter-Vierzylinder-Benziner • Leistung 83 PS • 0-100 km/h 19 s • Spitze 137 km/h • Werksverbrauch 8,0 - 12,2 l • Preis ab 11 990 Euro

Die Basisausstattung des Viertürers ist für 11 990 Euro zu haben, die Taiga-WLX-Variante, unter anderem mit Sitzheizung und anderer Ausstattung kostet ab 600 Euro mehr.

Positiv: hohe Geländetauglichkeit, übersichtliches Armaturenbrett, simple Technik – einfachere ReparaturenNegativ: geringe Sicherheit, recht hoher Verbrauch. nj