Große unterirdische Kavernen sollen in Batterien verwandelt werden, das ist die Idee. Die EWE Gasspeicher GmbH und Forscher aus Jena wollen solche Hohlräume in Salzstöcken mit einem Gemisch aus Salzwasser und Kunststoff-Molekülen füllen. Produzieren Windparks zu viel Strom, wird diese Flüssigkeit elektrisch aufgeladen. Wird der Strom im Netz gebraucht, wird die Batterie angezapft - also entladen. Das Versorgungsunternehmen EWE mit Hauptsitz in Oldenburg besitzt an vier Orten in Deutschland Salzstein-Kavernen, darunter in Rüdersdorf (Märkisch-Oderland). Die EWE will jetzt prüfen, wo eine Batterie mit einem Speichervolumen von 100 000 Kubikmetern Flüssigkeit entstehen könnte. "Auch in Brandenburg gibt es die Möglichkeit", sagt EWE-Projektleiter Ralf Riekenberg. Alle Standorte würden untersucht. Läuft alles nach Plan, könnte die Batterie 2023 ans Netz gehen. Das Projekt mit dem Namen "brine4power" ist weltweit einmalig. "Damit gibt es noch keine Erfahrungen", erklärt Riekenberg.
"Es besteht die Möglichkeit, hier etwas Revolutionäres zu machen", sagt Ulrich Schubert, Professor an der Universität Jena. Gemeinsam mit Kollegen hat er die Technologie für den neuen Stromspeicher entwickelt.Die Forscher aus Thüringen haben eine alte Batterietechnik umweltfreundlich umgekrempelt, die 1949 in Hannover erfunden wurde. Die sogenannte Redox-Flow-Batterie oder Naßzelle, bei der elektrische Energie in Flüssigkeit gespeichert wird. Als Flüssigkeiten wurden bisher zum Beispiel Mischungen aus Schwefelsäure und darin gelöstem Vanadium, einem seltenen Metall, verwendet. "Vanadium ist teuer" sagt Ulrich Schubert. Außerdem sei die Mixtur giftig und aggressiv.
Den Jenensern ist es gelungen, die Schwefelsäure durch Salzwasser und das Vanadium durch Kunststoffmoleküle zu ersetzen, an denen die Ladungsträger andocken. Diese Kunststoffe seien das eigentlich Revolutionäre, sagt Schuster. Damit lassen sich Batterien bauen, die langlebig sind, einen hohen Wirkungsgrad von über 70 Prozent haben und die vergleichsweise preiswert sind. Die Kunststoffe könnten in Deutschland produziert werden. In der norddeutschen Tiefebene und auch in Brandenburg liegen überdies mächtige Salzschichten unter dem Erdboden, die sich nutzen lassen.
Der Versorger EWE, der in Brandenburg vor allem Gas, aber auch Strom und Internet anbietet, sieht die Speicherung von erneuerbaren Energien als ein neues Geschäftsfeld. Die Gaslager will das Unternehmen jedoch deshalb nicht aufgeben. Aber: Die Gasspeicher in Niedersachsen und Brandenburg bestehen aus insgesamt 38 Kavernen, ein Teil davon lasse sich zu Energiespeichern umfunktionieren, meint Riekenberg. Salz-Batterien sollen Strom zu denselben Kosten liefern können wie Pumpspeicherkraftwerke. Sie lassen sich 20 000 Mal laden und entladen. Die Batterien könnten etwa 20 Jahre mit guter Leistung funktionieren. Üblich seien bei Batterien heute sechs bis zehn Jahre Lebenszeit, beschreibt Schubert.
Noch sind viele technische Details der Riesenbatterie zu klären, auch Sicherheitsfragen. Dass es bei solchen Anlagen zu Problemen mit Grundwasser kommen könne, schließt Ralf Riekenberg zwar aus: "Unsere Gasspeicher sind dicht, da geht auch kein Wasser raus." Trotzdem, heißt es, werde das im konkreten Fall überprüft. Auch ein klarer rechtlicher Rahmen für den Betrieb solcher Stromspeicher fehlt laut EWE noch.
Zunächst plant das Unternehmen kleinere Testanlagen. In zwei Jahren will es endgültig entscheiden, ob die Riesenbatterie gebaut wird. Die kann man sich so vorstellen: In einer Halle stehen Tanks. Das sind die eigentlichen Batteriezellen. Dort passiert das Laden und Entladen der Flüssigkeiten, die die Energie speichern. Um viel Strom bunkern zu können, werden die Batterieflüssigkeiten in die unterirdischen Kavernen gepumpt und bei Bedarf zutage gefördert.
Was eine Riesenbatterie kosten wird, sagt Ralf Riekenberg nicht. "Wenn wir unter die Erde gehen, werden wir viel Geld ausgeben."