Bis Ende des Jahres will die Bundesregierung daher eine "Nationale Wasserstoffstrategie" verabschieden, aus der hervorgehen soll, wie Deutschland in großem Stil ins Geschäft einsteigen kann.
Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) hat am Dienstag schon mal Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft in ihr Haus eingeladen, um zu diskutieren, wie die Produktion des Ökosprits "in ökologische Bahnen" gelenkt werden kann. Denn klimaneutral ist Wasserstoff nur, wenn er aus erneuerbaren Energien hergestellt wird. Wer Ja sagt zu Wasserstoff, müsse deswegen "auch Ja sagen zu zusätzlichem Strom aus Wind und Sonne", sagte Schulze. Doch genau hier haperte es zuletzt in der Großen Koalition.
Grund ist ein Gesetzesentwurf von Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU), der den Windkraftausbau in Deutschland nach einhelliger Meinung von Industrie, Umweltschützern und Gewerkschaften komplett zum Erliegen bringen würde. Wird die darin vorgesehene Abstandsregel von einem Kilometer umgesetzt, die jedes Windrad zur nächsten Siedlung haben soll, würden laut mehreren Gutachten nicht mehr ausreichend Flächen für die Windkraft zur Verfügung stehen.
Altmaier verteidigte seine Pläne am Dienstag. Diese sähen auch vor, Hindernisse für Genehmigungen von Windparks abzubauen, "aber gleichzeitig auch die berechtigten Sorgen vieler Menschen" ernst zu nehmen, sagte er. Viele Anwohner empfänden Windräder demnach "als Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität". Die Koalition habe noch nicht genau festgelegt, ab wie vielen Häusern dieser Abstand einzuhalten sei. Mit Schulze sei er aktuell in Gesprächen darüber, ob er ab fünf, zehn, zwölf oder sieben Häusern gelte.
Am Vorabend hatte Altmaier Vertreter der Windbranche getroffen. Die Gespräche seien sachlich und intensiv gewesen, laut Teilnehmern jedoch ohne Ergebnisse zu Ende gegangen. Wegen vieler Anwohnerklagen stecken die Windbauer in der Krise und fordern daher einen raschen Abbau von Genehmigungshemmnissen. "Wenn es so weitergeht, wird es in Zukunft keine deutsche Windindustrie mehr geben", warnte der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil.
Schulze sieht in Wasserstoff dennoch einen Exportmarkt der Zukunft, den deutsche Unternehmen momentan noch anführen würden. "Diesen Vorsprung gilt es zu halten."