Christianis Vorstoß sorgt für Irritation im Vorstand des WSE. "Ich nehme an, das war ein Schnellschuss", sagt Marco Rutter, Bürgermeister von Petershagen-Eggersdorf. Schöneiches Bürgermeister Ralf Steinbrück, wie Rutter im Vorstand des WSE, sieht das ähnlich. Christiani könne nicht einen Austritt ankündigen und erwarten, dass der Verband jetzt Millionen investiere, um die Gigafactory ans Wassernetz anzuschließen.
Denn aktuell geht es darum, dass die Fabrik überhaupt erst einmal einen Anschluss an die Wasserver- und -entsorgung bekommt. Derzeit wird der Rohbau der Gigafactory errichtet. Ab Juli 2021 soll sie Autos produzieren. Bis zu 500 000 Stück im Jahr, in der ersten Ausbaustufe.
Und dafür braucht die Fabrik einen Anschluss, den der WSE errichten soll - und zwar schon bis November. Noch steckt das Projekt in der Planungsphase. Genehmigungen von den Eigentümern der Grundstücke, über die die Leitung verläuft,   liegen bisher nicht vor. "November wird eng", sagt WSE-Verbandsvorsteher André Bähler. Auch die Vertragsverhandlungen mit Tesla gestalteten sich aus Sicht des Verbandes zäh.  Gegenwärtig, heißt es, laufen  die Verhandlungen mit dem Autobauer. Der Vertrag ist noch nicht unterschrieben. Der Erkneraner Bürgermeister Henryk Pilz ist zuversichtlich, dass Tesla im November den Anschluss bekommt. Das sei "leistbar" sagt der Vorsitzende der Verbandsversammlung des WSE. Man sei nicht gegen die Ansiedlung, meint Rutter, sondern sehe sie positiv.
Der Anschluss der Gigafactory bedeutet allerdings für den Verband mehr als das Verlegen einer Trinkwasser- und einer Abwasserleitung. Die Fabrik hat den Wasserbedarf einer mittleren Stadt und verändert das gesamte Netz. Liegt dessen Versorgungsschwerpunkt bisher im Berliner Speckgürtel mit Kommunen wie Hoppegarten oder Neuenhagen mit je etwa 18 000 Einwohnern, verschiebt er sich dann nach Südosten. Das heißt, das  Wasser- und Abwasser-Netz müsste entsprechend angepasst werden  – die Pumpleistungen beispielsweise. Langfristig müssten auch Brunnen ausgebaut werden. Das Ausscheren von Freienbrink wäre aus Sicht des WSE bei diesem Hintergrund problematisch. Wie soll jetzt geplant werden, heißt es im Verband, wenn  perspektivisch ein Austritt droht?
Anfang August will der Verbandsvorstand über die Situation beraten. In der Grünheider Gemeindevertretung soll über einen möglichen Austritt noch nicht gesprochen worden sein.

Wasserstrategie für Gigafactory von Tesla gefordert

In einem Punkt sind sich die Befragten einig: Es müssen langfristige Lösungen her: Grünheides Bürgermeister Arne Christiani spricht von einem Management, das über das Gebiet des WSE hinausgehe. "Tesla nimmt uns nicht das Wasser weg, das war schon vorher knapp", sagt Ralf Steinbrück. Zuzug ins Umland, Gewerbeansiedlungen bringen die Versorgung an ihre Grenzen. So entstehen in Neuenhagen und Rüdersdorf neue Wohnsiedlungen. In Altlandsberg wird in Wohnungen und Gewerbe investiert, in Strausberg ist ein Rechenzentrum der Bundeswehr geplant.
Für die Wasserversorgung im Berliner Umland braucht es eine langfristige Strategie, heißt es, am besten gemeinsam mit Berlin. Es gehe um mehr als Tesla. "Wir haben nicht die Interessen einzelner zu vertreten, sondern die aller im Verbandsgebiet", sagt Vorsteher André Bähler. Alle Mitgliedskommunen seien zu versorgen, ohne Ansehen der Größe, der Wirtschaftskraft und der politischen Ausrichtung. Das Land soll nun zunächst die genehmigten Wasserfördermengen weiter erhöhen, so dass sie für den künftig zu erwartenden Bedarf Bedarf der Region reichen, fordert der Zweckverband.
An Konzepten für die Wasserversorgung in Zeiten des Klimawandels für ganz Brandenburg werde bereits gearbeitet, teilt das Umweltministerium mit. Ein Grobkonzept für die Grundwasserbewirtschaftung kündigt das Ministerium für das kommende Jahr an.

Verbandswechsel: Landesgesetz regelt ihn


Wenn eine Gemeinde aus einem Wasserverband ausscheren will, muss die Verbandsversammlung darüber entscheiden.  Nach dem Gesetz über kommunale Gemeinschaftsarbeit  des Landes müssten dann zwei Drittel der Mitglieder einverstanden sein. Auch die Kommunalaufsicht - das ist der Landrat des zuständigen Kreises - muss einen Wechsel genehmigen. Das gleiche wiederholt sich auf der Seite des aufnehmenden Verbandes. Bestenfalls, sagen Experten, dauert dieses rechtliche Prozedere drei, vier Monate. Aus der jüngsten Vergangenheit sind keine Wechsel bekannt. ima