Die brandenburgischen Unternehmen Grädler Fördertechnik GmbH aus Trebbin/Thyrow (Teltow-Fläming) und UGT Umwelt-Geräte-Technik GmbH aus Müncheberg (Märkisch-Oderland) sind mit dem „Großen Preis des Mittelstandes 2020“ der Leipziger Oskar-Patzelt-Stiftung ausgezeichnet worden. Während der regionalen Auszeichnungsgala für sechs der zwölf Wettbewerbsregionen wurden zwölf weitere Unternehmen in Würzburg geehrt. Die Auszeichnung als „Finalist“ der 26. Auflage nahmen 26 Firmen entgegen.

Firma beweist einen langen Atem

Die Juroren sahen bei den Preisträgern das Motto „Meilensteine setzen“ und verschiedene Wettbewerbskriterien besonders vorbildlich umgesetzt. Die Grädler Fördertechnik GmbH aus Trebbin/Thyrow, vor zwei Jahren bereits Finalist, beweist zudem einen langen Atem. Als das Unternehmen 1997 seine Arbeit aufnahm, wollte es nur Fahrtreppen und Aufzüge warten. Selbst das behagte der Konkurrenz der großen Firmen um „Otis“, „Schindler“ und „Thyssen“ nicht und sie verweigerten gar die Lieferung von Ersatzteilen. Doch die Trebbiner ließen sich nicht unterkriegen und bauten im vergangenen Jahr sogar 25 eigene Aufzüge. Zudem werden Ersatzteile mittels 3-D-Drucker hergestellt. Auch für Rolltore und Autoparksysteme liefert das Unternehmen individuelle Dienstleistungen und Ersatzteile – und erhält mittlerweile Aufträge der Markenführer.

Warnung noch vor dem Ausfall

Derzeit arbeiten die 40 Angestellten und fünf Auszubildenden an einem System, das es der Firma ermöglicht, Aufzüge aller Hersteller in Echtzeit zu warten. Eine dafür zu entwickelnde Software soll sämtliche Algorithmen der Geräte überwachen und im Notfall Monteure informieren, bevor es zum Ausfall kommt.
Sorgen bereitet, dass es keinen Ausbildungsberuf zum „Aufzugsmonteur“ oder zur „Wartung und Instandhaltung von Förderanlagen“ gibt. Grädler bereitet deshalb beispielsweise Mechatroniker mehrere Monate bis zwei Jahre auf die Einsatzfelder vor. Damit diese „Azubis“ genau wie Mitarbeiter dem Unternehmen treu bleiben, wurde die Unternehmenskultur verbessert. Die Angestellten erhalten nun mehr Verantwortung – und Grädler wurde 2019 zum „Besten Arbeitgeber des Jahres“ in Berlin/Brandenburg gewählt.
Zu den Firmenangeboten zählt monatlich eine kostenfreie Massage, die Erstattung von Kindergartenbeiträgen sowie Homeoffice. Soziales Engagement zeigt Grädler unter anderem mit Spenden an die Stiftung einer deutsch-peruanischen Ärztin, die Obdachlosen medizinische Hilfe und Betreuung zukommen lässt, sowie mit Sponsoring in der Region.

Tensiometer bleibt ein Bestseller

Mit Forschung, Entwicklung und Fertigung innovativer Umweltmesstechniken hat sich die Umwelt-Geräte-Technik GmbH aus Müncheberg einen hervorragenden Ruf erworben. Wissenschaftler und Ingenieure vertreiben eigene Messinstrumente in 56 Länder. 17 Patente sowie ein Gebrauchsmuster wurden angemeldet. Dabei handelt es sich beispielsweise um Vorrichtungen zur Entnahme von Bodensäulen, aber auch um Geräte, die die Wasserspannung in Böden messen und Verfahren zur Messung der Infiltrationsrate eines Untergrundes. Seit der Firmengründung 1992 hat sich der stets weiterentwickelte „Tensio 100“ als Bestseller erwiesen. Der neueste Tensiometer zur Bestimmung der Saugspannung auf Feldern ist langlebiger, noch genauer und jetzt kabellos.

Arbeitsplätze sind besonders familienfreundlich

Die 41 Angestellten, ein Azubi und jährlich vier Praktikanten können sich in jeden Produktionsschritt einbringen. Sie profitieren von jährlichen Qualifizierungsplänen, familienfreundlichen Arbeitsplätzen, der Möglichkeit auf Homeoffice und gemeinsamen Freizeitaktivitäten.
Die UGT GmbH unterstützt die Müncheberger Kindertagesstätte sowie Vereine und Feste und klärt wie bei der „Nacht der offenen Universitäten“ die Bevölkerung zu Umweltthemen auf. Sie hatte bereits im vorigen Jahr die Finalrunde erreicht. Die Auszeichnung mit dem Mittelstands-„Oskar“ wird ihr weitere Aufmerksamkeit bringen, ist der nicht dotierte Preis inzwischen doch eine der wichtigsten Auszeichnungen in der Wirtschaft, bei der es allein um Ehre, öffentliche Anerkennung und Bestätigung der Leistungen geht.
So teilt das Unternehmen auch mit: „Der Große Preis des Mittelstandes bedeutet für uns, dass wir als Unternehmen auf dem richtigen Weg sind und mit unserer Arbeit gezeigt haben, dass wir als kleiner Mittelständler in ländlicher Region sowohl in Deutschland als auch international ein anerkannter Produzent und Lieferant von Umweltgerätetechnik geworden sind. Diese Auszeichnung ist uns Ansporn, den Weg der Digitalisierung weiterzugehen und unseren Export weiter auszubauen.“

Hervorragender Rindenmulch aus der Region

In die diesjährige Finalrunde des Wettbewerbes hatten es weitere drei Brandenburger Firmen geschafft – alle waren schon zuvor mehrfach nominiert worden. Die ESL Elektro-Service Ludwigsfelde GmbH (Teltow-Fläming) hat sich im Bereich der Elektroinstallationen, Netzwerktechnik sowie Alarm- und Brandmeldeanlagen bundesweit einen Namen gemacht. Die Schorisch Magis GmbH aus Karstädt (Landkreis Prignitz) saniert Stahlkonstruktionen zu Wasser und zu Land, darunter Drehbrücken und Hochwasserschutzvorrichtungen, und ist in der Planung, Fertigung, Montage und Wartung solcher Bauwerke tätig. Die Störk GmbH aus Nauen (Havelland) ist inzwischen einer der modernsten und größten Hersteller von Rindenmulchprodukten, Erden und Biofiltern mit einer eigenen Natumera-Produktreihe. Mittlerweile werden neben regionalen Bau- und Gartenfachmärkten auch Österreich, Litauen und in die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) beliefert.
Aus Berlin hat das IHP Institut für Hämostaseologie und Pharmakologie MVZ GmbH die Finalrunde erreicht. Das erst vor fünf Jahren gegründete Unternehmen ist erstmals für den „Großen Preis des Mittelstandes“ nominiert worden.

Großer Preis des Mittelstandes


Bundesweit hatten für das Wettbewerbsjahr 2020 mehr als 1000 Institutionen in den 16 Bundesländern (zwölf Wettbewerbsregionen) insgesamt 4.970 kleine und mittlere Unternehmen sowie Banken und Kommunen für den Wettbewerb nominiert, von denen 533 die „Juryliste“ erreichten. Aus der Wettbewerbsregion Berlin/Brandenburg schafften es 233 Unternehmen und Persönlichkeiten in diese Stufe, aus der die Finalisten und Preisträger ermittelt werden.

Der Große Preis des Mittelstandes wird seit 1994 ausgeschrieben. Seitdem wurden mehr als 18.000 Unternehmen nominiert, die mehr als 3,5 Millionen Menschen beschäftigen.

Die fünf Wettbewerbskriterien sind: Gesamtentwicklung des Unternehmens, Schaffung/Sicherung von Arbeits- und Ausbildungsplätzen, Modernisierung und Innovation, Engagement in der Region sowie Service und Kundennähe, Marketing. red