Es gibt nicht viele Menschen, die die Früchte ihrer Arbeit– im wahrsten Sinne des Wortes – genießen können: so wie Frank Vetter von der Bäckerei-Konditorei Vetter GmbH Woltersdorf. „Ich bin schon immer ein absoluter Kuchenesser, zwei Stück am Tag müssen sein. Am liebsten was mit Obst oder Mandarinen-Schmand“, schwärmt der Bäckermeister. Morgens gibt es zwei Brötchen, abends zum Beispiel Dinkelbrot. „Es ist ja alles da.“

Familientradition seit fast 60 Jahren

Frank Vetter führt die Tradition seiner Eltern fort, die Vater Günter 1961 mit der Übernahme der 1927 gegründeten Bäckerei begonnen hatte. Weil die Sorge groß war, dass er wie seine Mutter Elisabeth durch Roggenmehl an Bäckerasthma erkranken könnte, spezialisierte er sich auf die Konditorei. „Außerdem sind mein Vater und ich uns so nicht ins Gehege gekommen“, lacht er. „Ich habe aber viel von ihm gelernt. Er hat mich probieren lassen.“ Schon wenige Jahre nach der Lehre in Berlin begann Frank Vetter seine zweijährige Meisterausbildung in Erkner, Berlin und Angermünde, legte die praktische Prüfung 1988 ab.
„Es hat Spaß gemacht“, betont der 53-Jährige mit Blick auf Fotos, die die vielen Backwaren zeigen, die in der heimischen Backstube entstanden. Lustig schauen die Schlümpfe aus, auch wenn das Blau der Figuren kaum noch zu erkennen ist. „Ja, mein Thema lautete Kindergeburtstag“, schmunzelt der Bäckermeister. Und so kreierte er neben diesen Zuckerfiguren filigrane Katzen, Frösche und Igel aus Marzipan. Verschiedene Torten, der obligatorische riesige Baumkuchen, sechs Bleche mit Keksen aller Art, Petit fours und Käse au fours zeugen ebenso vom Können des Bäckermeisters. Um perfekt vorbereitet zu sein, ist Vetter sogar zu anderen Prüfungen gefahren und hat sich dort die Arbeiten angeschaut.

Zuckerarbeiten sehr aufwendig

Käse au fours hat er seitdem nicht mehr gebacken, auch keine Zuckerarbeiten mehr hergestellt. „Ich hatte wochenlang aus Bandeisen die Motive für die Schlümpfe geformt. Das ist alles viel zu aufwändig für den Alltag. Der Kunde könnte das gar nicht bezahlen“, ist der Woltersdorfer überzeugt. Schwierig war es auch, eine Unterlage für die Schlümpfe zu finden. Er bekam eine Marmorplatte geschenkt, die sich am besten mit dem auf 150 Grad erhitzten Zucker bestreichen ließ und den Figuren darin Halt gab. Die blaue Lebensmittelfarbe für die Schlümpfe hatte seine Mutter aus dem Westen mitgebracht. Und die Ausstecher für die Petits fours fertigte sein Onkel Helmut Vetter. „Familie ist eh was Schönes“, betont der Vater dreier Kinder.
Vetter erlebte ein Jahr nach seiner Prüfung zum Konditormeister die Wendezeit als Angestellter seines Vaters mit. Er erinnert sich, dass die Nachfrage nach Torten einbrach. „Es wurden auch nicht mehr solche Mengen an Brot und Brötchen gekauft, von denen viel an die Hühner zu Hause verfüttert wurde. Jetzt wird gekauft, was man wirklich braucht. Das finde ich gut.“ Nach wie vor gefragt sind Sonderanfertigungen, gern auch mit Marzipanfiguren und besonders zu Einschulungen, wo schon mal 30 Torten über die Theke gehen. Konditorarbeiten übernimmt der Meister selbst noch täglich, die filigranen Arbeiten überlässt er aber lieber seiner Konditorin Sabine Steger.

Zweite Meisterprüfung am Geburtstag

Frank Vetter hatte sich schon Anfang der 1990er-Jahre vermehrt den Arbeiten eines Bäckers zugewandt. „Diese waren wichtiger geworden“, blickt er zurück. So schloss er im November 1993 auch seine Prüfung als Bäckermeister erfolgreich ab – genau an seinem Geburtstag im November. Vetter, der 1998 Teilhaber der Familienbäckerei geworden war, hat auch dann noch weiter gelernt und seinen Abschluss als Betriebswirt gemeinsam mit seiner Schwester Karin Richter gemacht. Die studierte Lebensmittelingenieurin ist inzwischen Geschäftsführerin der GmbH. „Wir brauchten das steuerliche und betriebswirtschaftliche Wissen“, erklärt der Backstubenleiter ganz selbstverständlich. Lehrlinge hat er nach Bedarf ausgebildet. Mädchen seien meist geschickter, aber auch ein Junge habe mal außergewöhnlich viel Gefühl bewiesen, erinnert sich Vetter genau. Zudem hat die Bäckerei die Meisterausbildung ihres Mitarbeiters Christian Lange bezahlt. Momentan ist der Betrieb mit seinen 26 Angestellten, davon fünf Bäcker und eine Konditorin, gut aufgestellt; nur Langzeiterkrankungen treffen die Kollegen hart. In den vergangenen Jahrzehnten wurde einiges investiert – in zwei weitere Filialen in Woltersdorf und Erkner sowie in zwei Kühlräume und eine kleine Frostazelle. Große körperliche Erleichterung brachten Beladezüge für die Öfen. Viel mehr war nicht nötig, da die Bäckerei – zu DDR-Zeiten Konsultationsstützpunkt für andere Bäcker – schon immer gut ausgestattet war.

Naked Cakes sind gefragt

Gebacken wird bei Vetters, was dem Meister selbst schmeckt und wonach die Kunden fragen. Das sind zum Beispiel saisonale Kuchen mit hellem Obst oder Heidelbeeren. Breit gefächert ist das Tortensortiment. Gefragt sind seit einiger Zeit Naked Cakes, mehrschichtige, glatt eingestrichene Torten, ohne große Verzierungen. Die Auswahl bei Blechkuchen mit 30 Sorten, zehn Brot- und bis zu 15 Brötchensorten ist groß. „Der Kunde will immer mal etwas Anderes kosten“, weiß Vetter. Dinkel liegt im Trend, Brot mit hohem Eiweißanteil dagegen nicht mehr. Dafür wird im Herbst gern Brot mit Kräutern gekauft, und für eine Verkostung hat er mal Linsenbrot gebacken. Der Woltersdorfer, der auf Regionalität bei den Zutaten setzt, probiert überhaupt gern mal aus. So liefert ihm ein Bauer aus Schöneiche Champagnerroggen. „Das ist eine alte ursprüngliche Sorte. Sie kommt ohne Pestizide aus, weil unter den bis zu zwei Meter hoch Halmen kein Unkraut wächst“, beschreibt Frank Vetter.
Aber in den nächsten Wochen ziehen vor allem weihnachtliche Düfte durch die Backstube. Die ersten Stollen haben Vetter und seine Mitarbeiter diesmal Anfang Oktober, ebenso die ersten Dominosteine der neuen Saison, von denen jedes Jahr „Riesenmengen“ über die Theke gehen, dazu Weihnachtsherzen und -sterne mit Nougat- oder Nussfüllung. Frank Vetter schwärmt von seinen Zimtstollen. Die isst er am liebsten.