Geheizt wird in Deutschland vor allem mit Erdgas, Öl oder Kohle. Aus erneuerbaren Energien stammen nur 11,5 Prozent der Wärme. Wir stellen Firmen und Initiativen vor, die grünes Heizen anbieten oder fördern. Heute: Deematrix Energiesysteme GmbH aus Fürstenwalde.
„Sonnenzwerge“ so heißt die neue Kita in der Gemeinde Britz (Barnim). Der Neubau wird von der Sonne geheizt – auch im Winter. Möglich macht das ein Erd-Speicher für Sonnenschein: der eTank. „Wir nutzen die Wärme aus dem Sommer“, sagt Axel Popp, Geschäftsführer der Deematrix Energiesysteme GmbH. Die Fürstenwalder Firma konstruiert solche Erd-Tanks und baut sie zusammen mit Partnern.
Ein eTank befindet sich zumeist unter einem Gebäude. Ein Netzwerk aus Kunststoffrohren zieht sich dort durch das Erdreich. Durch die Rohre fließt vor allem im Sommer warmes Wasser aus einer Solarthermieanlage auf dem Dach. Dieses Wasser wiederum erwärmt das Erdreich. Im Winter läuft die Sache dann umgekehrt: Der im Sommer angewärmte Erdboden gibt seine Energie ab. Mit Hilfe einer Wärmepumpe wird diese dann zum Heizen des Gebäudes genutzt.
Der e Tank ist europaweit patentiert und wurde von der Agentur e+ Zeit Ingenieure in Berlin entwickelt. Deematrix besitzt eine exklusive Lizenz, das Patent zu nutzen und baut damit Heizungen. Idealerweise für Neubauten. Dann können die Rohrleitungen gleich unter der Bodenplatte des Hauses verlegt werden.
Zwei bis vier Lagen Kunststoff-Leitungen werden in einer Tiefe von bis zu 1,50 Metern angeordnet. In den Leitungen zirkuliert das überschüssige warme Wasser aus einer Solarthermieanlage. Das heißt, alles das, was nicht unmittelbar als Warmwasser – zum Duschen oder Waschen beispielsweise – verbraucht wird.
Dieses Wasser erwärmt den Erdboden von normalerweise sechs bis zwölf Grad Celsius Bodentemperatur auf bis zu 23 Grad Celsius im Sommer.
„Für vier bis fünf Monate können wir Energie im Erdreich speichern“, sagt Axel Popp. Das reiche aus, um Heizung und Dusche den Winter über zu betreiben. Auch in sehr kalten Wintern habe die Erde im eTank-immer noch eine Temperatur von fünf Grad. Gegen eine Einfrieren ist der Tank laut Deematrix geschützt. Die Erwärmung des Bodens sei für die Mikroorganismen dort unschädlich.
Die Kunst besteht darin, wie Axel Popp erläutert, den eTank effizient zu betreiben. Das fängt damit an, dass die Rohre in einem bestimmten Muster verlegt werden müssen und hört mit der Steuerung der schwankenden Energieeinlagerung und Abnahme auf. Das übernimmt ein Management-System.
150 solcher eTanks hat Deematrix in Deutschland schon gebaut – für Einfamilienhäuser, Kitas und Wohnblöcke. Bereits bestehende Häuser lassen sich nachrüsten – falls genügend Fläche vorhanden ist. Mindestens 80 Quadratmeter müssen es sein. Der eTank kann auch mit anderen Heizenergien kombiniert werden. Die Stadtwerke Neuruppin bauen derzeit ein Wärmenetz mit eTanks, Solarthermie und Fernwärme auf. In Werneuchen will ein Unternehmen diesen Speicher nutzen.
Unternehmen, aber auch Kitas oder Schulen können vom Land Brandenburg Förderung für den eTank erhalten, erläutert Popp. Für den Eigenheimbesitzer gibt es diese Unterstützung nicht. Ein eTank für das Eigenheim einer vierköpfigen Familie mit 17 500 kWh Heizenergie im Jahr kostet samt Solarthermieanlage und Wärmepumpe etwa 55 000 Euro. Zum Vergleich: Eine neu gebaute Gasheizung mit Solarthermie ähnlicher Dimension kostet laut Deematrix etwa 25 000 Euro. Bei den laufenden Kosten wie Wartung und Brennstoffverbrauch ist der eTank aber günstiger als die Erdgasheizung.
„Ein eTank ist wie eine Art Risikolebensversicherung“, sagt Axel Popp. „Keiner weiß, wie sich die Gaspreise entwickeln.“ Kunden, die sich für eine solche Heizung entscheiden, wollten auf lange Sicht unabhängig von Weltmarktpreisen sein und etwas für die Umwelt tun. Eine Erdgasheizung mit Solarthermie gebe in 20 Jahren rund 93 Tonnen Kohlendioxid an die Umwelt ab, sagt Popp. Ein eTank etwa zwei Tonnen. Auf 20 Jahre gerechnet liegt die erneuerbare Energie nach den Berechnungen von Deematrix etwas günstiger als Gas, wenn man von einer Preissteigerung von fünf Prozent für Erdgas und Strom ausgeht.
Die Gemeinde Britz hat gut 2,4 Millionen Euro in den Neubau ihrer Kita „Sonnenzwerge“ investiert. Eine Zuwendung in Höhe von 126 000 Euro für den eTank kam vom Europäischen Landwirtschaftsfonds.
Britz habe sich für diese Heizung entschieden, weil sie gut zum Betrieb der Kita passe, sagt Britz’ Bürgermeister André Guse. Die Kita ist übers Wochenende geschlossen und braucht auch nachts kaum Heizenergie. „Wir haben also immer die Möglichkeit, den Speicher wieder aufzufüllen“, sagt Guse. Überzeugt hat die Gemeinde auch, dass die gesamte überschüssige Energie aus der Solarthermie gespeichert werden kann. Denn der Erdspeicher ist  nach unten offen. In einem sonnenreichen Sommer wird das Erdreich einfach bis in größere Tiefe angewärmt. „Die Einsparung kommt dann über die Jahre“, meint Bürgermeister Guse.
Im Frühjahr soll der eTank in Betrieb gehen. Dann zieht die Kita in den Neubau ein.