In Brandenburg nimmt der Anbau von Kartoffeln weiter zu. Nach vorläufigen statistischen Angaben wuchsen sie in diesem Jahr auf 11.400 Hektar, was einem Plus von knapp vier Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Die Anbauflächen in den Agrarbetrieben der Mark liegen seit 2017 wieder bei knapp über 10.000 Hektar, nachdem sie 2012 mit 8600 Hektar ihr Minimum erreicht hatte. Zum Vergleich: Zu DDR-Zeiten wurden diese Feldfrüchte allein im Bereich des heutigen Landkreises Märkisch-Oderland auf 10.000 Hektar angebaut.

Brandenburg hat lange vom Alten Fritz gezehrt

„Wir sind froh, dass sich der Anbau wieder in dieser Höhe stabilisiert hat“, erklärt Holger Brantsch vom Landesbauernverband Brandenburg.
„Dass Kartoffeln bei uns wieder eine lohnende Nische werden, ist nicht zu erwarten. Da gibt es beispielsweise in Niedersachsen viel mehr und größere Betriebe mit besseren Böden.“ Brandenburg habe lange von seiner Tradition um den Alten Fritz gezehrt, der den Anbau der Knollen Mitte des 18. Jahrhunderts in seinem Königreich durchgesetzt hatte. Lukrativ ist laut Bauernverband der Anbau der Kartoffeln auch deshalb nicht mehr, weil sich große Verarbeitungsbetriebe fast nur noch in den alten Bundesländern befinden. „Der Transport dorthin würde einen Teil der Erträge auffressen“, betont Brantsch.

Kunden kommen von weither nach Rieplos zum Einkauf

So vollzieht sich die Erweiterung von Flächen meist im überschaubaren Rahmen. Auf dem Berghof Rieplos bei Beeskow (Oder-Spree) schwankt er zwischen 12 und derzeit 18 Hektar, was knapp einem Prozent der gesamten Anbaufläche entspricht. „Die Nachfrage ist gestiegen, aber wegen der Dürre der letzten Jahre ist die Erntemenge nicht so hoch. Auch deshalb bauen wir auf mehr Fläche an“, erklärt Annika Gärtner, verantwortlich für die Pflanzenproduktion im Agrarunternehmen. Verkauft wird vor allem im Hofladen. Dorthin kommen Kunden inzwischen aus einem Umkreis von bis zu 50 Kilometer. „Sie wollen Qualität und Regionalität, kaufen 25-Kilo-Säcke für sich und Bekannte“, erlebt Annika Gärtner.
Neben Speisekartoffeln für den Direktvertrieb geht in Teltow-Fläming der größte Teil der Ernte in die Verarbeitung. „Kartoffeln sind für einige Landwirte inzwischen interessant, weil es in den Nachbarkreisen in Beelitz eine Abpackfabrik und in Golßen eine Stärkefabrik gibt. Da sichern sie sich als Vertragslieferanten den Absatz“, weiß Silvia Fuchs, Vorsitzende des Kreisbauernverbandes.

Verarbeitung in der Region zu Stärkemehl

Die Oehnaland Agrargesellschaft mbH bei Niedergörsdorf ist eines dieser Unternehmen und dazu noch einer der großen Anbauer in Brandenburg. Kartoffeln wachsen hier inzwischen je nach Fruchtfolge auf 600 bis 620 Hektar. Der Hauptteil dieser Ernte wird zu Stärkemehl und Kartoffelstärke verarbeitet. Die Industrie stellt hohe Anforderungen an die Qualität der Erdäpfel: Rund sollen die Knollen sein und glattschalig – ohne Verwachsungen oder Schorf, zählt Silvia Fuchs Kriterien auf. Und das in guten wie in schlechten Zeiten. Was bedeutet, auch in trockenen Jahren. „Der Anbau ist ganz darauf ausgerichtet, die Schwankungen in der Bodenfeuchte gering zu halten. Beregnung ist deshalb ein großes Thema.“ Genaue Zahlen, wie viele landwirtschaftliche Flächen in Brandenburg beregnet werden können, liegen nicht vor. Grob geschätzt seien bis zu sechs Prozent der Ackerflächen bewässerbar, sagt Holger Brantsch. Aber auch wenn diese über Anschlüsse verfügen, „werden nicht alle Flächen tatsächlich beregnet.“

Art der Beregnung spart Ressourcen

Die Oehnaland Agrargesellschaft kann inzwischen gut 1250 ihrer 4000 Hektar mit Kreisberegnungsanlagen bewässern. „Wir sind seit zwei Jahren am Werkeln der Anlagen und Umgestalten der Fruchtfolgen, um wasser- und verdunstungssparend zu beregnen“, erklärt Geschäftsführer Dr. Eckhard Fuchs. Neben Kartoffeln gehören Mais und Erbsen zu den beregnungswürdigen Früchten. Flächenmäßig sei das Maximum fast erreicht – nicht zuletzt eine Frage des Geldes. „Um Wasserrecht zu beantragen, müssen geohydrologische Gutachten erstellt und Probebohrungen vorgenommen werden. Das geht bei den Kosten in den hohen vierstelligen Bereich“, sagt Eckhard Fuchs. Und man müsse zeitlich weit im Voraus, unterstreicht Silvia Fuchs, „denn die Unteren Wasserbehörden bei den Kreisverwaltungen, die die Wasserrechte erteilen, sind da sehr sorgsam.“
Auch in Rieplos will und kann man nicht mehr auf die Beregnung der Kartoffeln und einiger Maisflächen verzichten. „In den vergangenen drei Jahren hat uns das die Erträge und Qualität gesichert. Da wo nicht beregnet wird, sind die Kartoffeln klein und schrumpelig“, betont Annika Gärtner.
Brandenburgweit wurde in diesem Jahr ein Durchschnittsertrag von 321,7 Dezitonnen je Hektar erzielt, geht aus vorläufigen Zahlen des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg hervor. Das sind 23 Dezitonnen mehr als zum Vorjahr, aber immer noch weniger als im Fünfjahresschnitt bis 2019 mit 334,3 Dezitonnen.

Beliebte Speisekartoffeln


Die schon zu DDR-Zeiten beliebte mehligkochende Sorte Adretta liegt bei Verbrauchern nach wie vor weit oben in der Rangliste, auch bei den Agrarunternehmen in Rieplos und Oehna, wo sie im Direktverkauf angeboten wird.

Gern gekauft werden auch die Gala (vorwiegend festkochend) und Milva.

Stark nachgefragt wird die rotschalige Laura (festkochend).

In Rieplos setzen die Landwirte seit zwei Jahren auf die Wendy, die sich gut lagern lässt.