Bei Temperaturen um den Nullpunkt haben in der Nacht zu Dienstag Warnstreiks in der Metall- und Elektroindustrie in Berlin und Brandenburg begonnen. Ab Mitternacht blieben die Bänder im Daimler-Werk in Berlin-Marienfelde nach Gewerkschaftsangaben für mehrere Stunden stehen. Rund 400 Beschäftigte und Unterstützter zogen vor das Werkstor. Dort verliehen sie den Forderungen der IG Metall in der laufenden Tarifrunde Nachdruck.
In Brandenburg traten um Mitternacht Beschäftigte beim Filtersystemhersteller Mahle in Wustermark in den Warnstreik. Auch im MAN-Werk sowie beim Aufzughersteller Otis in Berlin-Reinickendorf rief die IG Metall die Beschäftigten auf, die Arbeit niederzulegen. In den nächsten Tagen sind weitere Warnstreiks möglich.

Drei erfolglose Tarifverhandlungen

„Zukunft oder Widerstand“, stand auf einem großen Transparent in Marienfelde. Es habe drei erfolglose Tarifverhandlungen gegeben, kritisierte die Bezirksleiterin der IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen, Birgit Dietze, in der Nacht. „Und die Arbeitgeber haben dreimal ein Nullangebot auf den Tisch gelegt. Das ist der Zukunft nicht angemessen.“
Schon am Montag hatten bei Mercedes in Ludwigsfelde die Beschäftigten zeitweise die Arbeit ruhen gelassen, eine Protestaktion gab es auch beim Stahlhersteller ArcelorMittal in Eisenhüttenstadt. Nach Ende der Friedenspflicht begannen am Dienstag in mehreren Bundesländern Warnstreiks.

Angleichung an West-Gehälter gefordert

Seit Dezember verhandeln Arbeitgeber und Gewerkschaft bundesweit in den jeweiligen Bezirken über höhere Löhne und Gehälter. Die Arbeitnehmerseite fordert für die rund 100 000 Beschäftigten in Berlin und Brandenburg vier Prozent mehr Geld bei einer Vertragslaufzeit von einem Jahr. Außerdem hat sie eine Arbeitszeitverkürzung von drei Wochenstunden bei partiellem Lohnausgleich ins Spiel gebracht. Im Osten geht es der IG Metall außerdem um eine weitere Angleichung an die West-Gehälter.
Aus Arbeitgebersicht soll es hingegen in diesem Jahr eine Nullrunde geben. Sie legten Mitte Februar in der dritten Tarifrunde ein Angebot vor, dass „die Zahlung einer Mischung aus Einmalzahlung und Tabellenerhöhung ab 2022“ ermögliche, wie der Verband der Metall- und Elektroindustrie in Berlin und Brandenburg damals mitteilte.
In Marienfelde war auch ein Banner des Berliner Gasturbinenwerks zu sehen. Dort wehren sich die Beschäftigten von Siemens Energy gegen einen geplanten Stellenabbau. Sie waren erst am Montag vor das Rote Rathaus gezogen. Siemens Energy hatte angekündigt, in Berlin 750 Stellen zu streichen. Auch bei Daimler ist ein Stellenabbau geplant.