Mehrere Stunden Zeit hatte sich die Ministerin zu Wochenbeginn für ihren Abstecher in die boomende Gemeinde im Amt Märkische Schweiz genommen – und das Thema weitere Verbesserung des Regionalbahnverkehrs auf der Strecke zwischen Berlin und Polen nahm dabei besonders breiten Raum ein. Das eine sind langfristige Erweiterungen im grenzüberschreitenden Verkehr, die in nächster Zeit auch auf EU-Ebene weiter erörtert werden sollen. Über den bisherigen Endbahnhof Kostrzyn gleich jenseits der Oder hinaus gebe es da auf polnischer Seite weitere Planungen nach Gorzow und weiter ins Landesinnere.
Dem gegenüber stehen die ganz konkreten und sehr dringenden Bedürfnisse der Ostbahn-Anliegerkommunen im Oderland. Der 30-Minuten-Takt bis Müncheberg als erster Schritt ist gerade für die Rehfelder (mit einer Auspendlerquote von über 90 Prozent) von immenser Bedeutung. Mittelfristig stehen dann der zweigleisige Ausbau und die Elektrifizierung der Strecke an.
Die Infrastrukturministerin verwies darauf, dass das Land in die Initiative gegangen sei, bisher schon rund elf Millionen Euro für verschiedene Maßnahmen zur Verfügung gestellt habe. Dass die Deutsche Bahn inzwischen etwa in gleicher Höhe ergänzende Mittel zugeschossen habe, zeige, wie richtig dieser Schritt gewesen sei, um die Strecke zu erhalten. Gleichwohl äußerte Kathrin Schneider auch Kritik in Richtung der Bahnverantwortlichen. Die DB Netz sei nach der 1997 erfolgten Regionalisierung weiter die Eigentümerin der gesamten Schieneninfrastruktur, dürfe sich auf den sogenannten Regionalstrecken wie der Ostbahn nicht aus der Verantwortung stehlen. Mittlerweile tue sich aber einiges. Nachdem zuletzt schon die zweigleisige Begegnungsstrecke zwischen Strausberg und Rehfelde mit einem zweiten Bahnsteig in Herrensee (2017), die Entflechtung von S-Bahn und Regionalverkehr in Strausberg sowie die Erneuerung der Bahnhöfe Strausberg, Herrensee, Rehfelde, Müncheberg, Seelow-Gusow und Werbig erfolgt sei, der zusätzliche Halt in Berlin-Mahlsdorf geschaffen wurde und nun die Züge sogar bis Ostkreuz durchfahren, wolle das Land beim zweigleisigen Ausbau weiter Druck machen, kündigte Schneider an. Beispielsweise, wenn sie am 1. April zu einer europäischen Gesprächsrunde nach Brüssel reise. Dennoch bleibe gerade im deutsch-polnischen Verkehrsverbund noch manches dicke Brett zu bohren: „Das ist ein langfristiger und teils sperriger Prozess.“ Rainer Schinkel, für Wirtschaft zuständiger Beigeordneter des Landkreises Märkisch-Oderland, mahnte in Rehfelde eindringlich, die notwendigen Vorbereitungen zu dem laut bisherigen Absprachen für 2022/2023 geplanten 30-Minuten-Takt bis Müncheberg zügig anzugehen.
Es gehe um etwa 15 Millionen Euro an Kosten und die zeitnahe Freigabe von Planungsmitteln: „Wenn wir da nicht dranbleiben, ist der Zeitplan bis 2022/2023 nicht zu halten“, warnte Schinkel davor, die Umsetzung zu verschleppen. Wie Ministerin Schneider sagte, bleibt der Ausbau von Werbig zum Kreuzungsbahnhof ein weiterer nächster Schritt.
Und die Niederbarnimer Eisenbahn (NEB) als Streckenbetreiber müsse zusehen, endlich die schon länger auf ihrem Hof stehenden, aber in Polen noch nicht zugelassenen neuen Züge einsetzen zu können, um, wie bestellt, die Zahl der Sitzplätze von 280 auf 420 zu erhöhen. Auch dies sei für ein attraktives Bahnangebot zwingend. Das für die Heidekrautbahn geplante Pilotprojekt mit Wasserstoffzügen könnte auch für die Ostbahn eine Option sein.