Jörg hieß genauso wie das, was er tat: Schreiber. Und nicht nur seine Statur war eindrucksvoll. Er hatte auch ein großes Herz. Wenn ein Kollege seine Hilfe brauchte, sprang er ein. Unvergesslich das Bild, wenn seine riesige Hand abwinkte. Lass mal, bedeutete das. Das kriegen wir schon hin.
Für die Wirtschaftsseiten der Märkischen Oderzeitung, die er mehrere Jahre lang betreute, war Jörg im Land unterwegs, sprach mit Unternehmern, mit einfachen Menschen und Politikern, schrieb spannende Geschichten und gestaltete nebenher noch Beilagen, unter anderem zum Zukunftspreis der MOZ.
Gab es hektische Zeiten, etwa an Wahlabenden, strahlte er Ruhe aus und verfasste mit seiner reichen journalistischen Erfahrung als Warschau-Korrespondent der Agentur ddp/ADN und vorheriger Auslandsredakteur von ADN pünktlich und zuverlässig Nachrichten. Keiner von uns hat jemals erlebt, dass Jörg aus der Haut fuhr. Vielleicht half ihm dabei sein freundliches thüringisches Naturell. Der Dialekt schimmerte immer ein bisschen durch, wenn er sprach.
Wie sehr er seine Familie liebte, konnte man erahnen, wenn er von ihr erzählte. Von seiner Frau und dem Haus, das sie sich gebaut hatten. Vom Stolz auf seine Tochter, wie sie ihren Weg ging, und auf seinen Sohn, während er ihm beim Umzug zum Studium nach Norddeutschland half.
Unser Riese wird nie wieder mit seiner Umhängetasche im Türrahmen stehen und den Kopf einziehen. In der Nacht zum Donnerstag vergangener Woche ist Jörg Schreiber nach langer, schwerer Krankheit mit 58 Jahren gestorben. Wir werden ihn sehr vermissen.