Nach einer großen Welle von Preiserhöhungen im vergangenen Winter, kommen weitere Energiepreissteigerungen auf Verbraucher zu. Nach Informationen des Vergleichsportals Check24 haben Versorger für die Monate Juni, Juli und August in 217 Fällen Preise erhöht oder Erhöhungen angekündigt – im Juli im Schnitt sogar um 26,1 Prozent. Betroffen von der Preissteigerungen allein im Sommer seien immerhin rund 3,8 Millionen Haushalte.
Der weitere Preisanstieg kommt nicht überraschend. Anfang Juni 2022 kostet eine Megawattstunde an der Strombörse (Leipziger Strombörse EEX) durchschnittlich 168 Euro (Stand: 10.6.). Zum Vergleich: Im Juni vor einem Jahr lag der Preis für eine Megawattstunde noch bei 72 Euro. Das ist ein Plus von 133 Prozent.

Steigende Preise auch für Langzeitkunden

Die Preissprünge spüren zuerst vor allem Kunden, die sich gerade einen neuen Stromlieferanten suchen müssen, weil ein alter, befristeter Vertrag ausläuft oder sie umgezogen sind und einen neuen Anbieter brauchen.
Früher oder später aber werden sich auch treue Bestandskunden mit Langzeitverträgen auf Preiserhöhungen einstellen müssen, weil die großen Lieferanten ihren Strom zwar langfristig im Voraus einkaufen, ein sinkendes Preisniveau an der Strombörse bisher aber nicht in Sicht ist.

Entlastung ab Juli durch Wegfall der EEG-Umlage

Ab ersten Juli soll der dann komplette Wegfall der sogenannten EEG-Umlage für die Verbraucher ein bisschen Entlastung bringen.
Die Abschaffung der EEG-Umlage erfolgt automatisch, ohne Ankündigung. „Eine gesonderte Information der Verbraucher ist in diesem Fall nicht notwendig“, bestätigt auch Joshua Jahn, Energiesparexperte bei der Verbraucherzentrale Brandenburg.
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Berlin

Die aktuelle Höhe der EEG-Umlage liegt bei 3,72 Cent je Kilowattstunde netto. Sie wird auf null abgesenkt. Nach Berechnungen der Bundesregierung könnte eine vierköpfige Familie so im Vergleich zu 2021 rund 300 Euro pro Jahr sparen.

Wer sicher gehen will: Stromzähler Ende Juni ablesen

Schlau handeln Verbraucher jetzt, wenn sie am Ende des Monats Juni den genauen Stand ihres Stromzählers in der Wohnung oder im Haus ablesen und den genauen Stand ihrem Stromversorger online, telefonisch oder schriftlich melden. Auf diese Weise ist sichergestellt, dass genau der elektrische Strom, der ab dem 1. Juli 2022 im Haushalt verbraucht wird, mit 3,71 Cent (netto) je Kilowattstunde weniger abgerechnet wird.
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„Die meisten Versorger erfassen den Zählerstand nämlich nur einmal pro Jahr - bevor eine Rechnung erstellt wird - und rechnen den Gesamtverbrauch dann auf die einzelnen Monate um“, bestätigt auch Joshua Jahn von der Verbraucherzentrale.
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Was ist die EEG-Umlage?

Die Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sollte den Ausbau von Ökostrom-Anlagen forcieren. So ist Umstellung auf Erneuerbaren Energien wie Wasserkraft, Windenergie, Solarenergie und Biomasse vorangetrieben worden. Die Einnahmeausfälle, durch den Wegfall der EEG-Umlage, sollen vom Bund und aus dem Sondervermögen „Energie- und Klimafonds“ (EKF) erstattet werden. Die Bundesregierung spricht dabei von rund 6,6 Milliarden Euro.

So setzt sich der Strompreis zusammen

In den Strompreis, den Endkunden bezahlen müssen, fließen neben Verwaltungskosten der Stromversorgungsunternehmen vor allem der Preis für Beschaffung und den Vertrieb des Stroms sowie Netzentgelte für die Nutzung der Stromnetze ein.
Hinzu kommen die Umsatzsteuer, die Stromsteuer, eine Konzessionsabgabe und eben die jetzt wegfallende EEG-Umlage.