Sein Unternehmen mit fünf Mitarbeitern beliefert in Lebus (Märkisch-Oderland) die Burgschule im Städtchen sowie insgesamt vier Kitas. Kurz vor Schuljahresende wurden 43 Prozent der üblichen Mittagessen gekocht, im April waren es nur 19, "ab 90 Prozent sind wir wirtschaftlich", so Schelske. Die 9000 Euro Soforthilfe des Landes seien deshalb wichtig gewesen. Wie es weitergehe, komme einem Blick in die Glaskugel gleich.
Auch Heinz Wysozki, Seniorchef der Löwen Menü GmbH in Neulöwenberg (Oberhavel), bleibt zögerlich bei der Frage nach der Zukunft. "Wir hatten allein im Mai ein Minus von 64 000 Euro, konnten das aber dank der Unterstützung der Regierung ausgleichen. Den Rest müssen wir sehen", betont er. Von Mitte März bis Anfang Juni war ein Großteil der 130 Mitarbeiter auf Kurzarbeit. LöwenMenü versorgt auch Einrichtungen im Barnim und in der Uckermark. Das Unternehmen  konnte im Juni wieder fast zwei Drittel der üblichen 1600 Kita-Essen ausliefern, an Schulen war es nur etwa 200 von 2000.
Dass nicht mehr alle Schulkinder nach den Ferien eine warme Mittagsmahlzeit erhalten, befürchtet Ralf Blauert. Er ist Chef des Schul- und Kita-Caterers BlauArt, mit 4000 Portionen größter Schulversorger in Potsdam, und Mitglied im Verband der Deutschen Schul- und Kitacaterer, der am Mittwoch getagt hat: "Alle Berliner und Brandenburger Vertreter haben gesagt, dass sie Entlassungen vornehmen, meist sind es geringfügig Beschäftigte und keine sozialen Härtefälle", schildert er. Auch bei ihm trifft es einige der 70 Mitarbeiter. Das nehme den finanziellen Druck, weil gerade neue Urlaubsansprüche auflaufen und für Kurzarbeit in Vorleistung gegangen werden muss.

Hilfe aus Konjunkturpaket geht an Realität vorbei

Die Gelder aus dem Konjunkturpaket der Bundesregierung hält der Verband für unzureichend. Eine Kritik betrifft Paragraf 13 für die Gastro- und Catererbranche. Hilfe ist daran gebunden, die Umsatzrückgänge für Juli/August zu benennen. "Das ist aber jedes Jahr die Ferienzeit. Wir brauchen eine andere Formulierung", erklärt Blauert.
Förderprogrammen schaut Michael Schelske generell kritisch entgegen: "Ist man bereit, in Vorkasse zu gehen und Schulden zu machen?", ist für ihn ein Punkt. Sein Hauptwunsch an die Politik: "Kein Kind  soll für ein Essen bezahlen müssen."
Der Schulcatererverband geht noch nicht soweit. Er will im Sommer öffentlichkeitswirksame Aktionen starten, um endlich gehört zu werden, nachdem schriftliche Anliegen sowohl bei der Landes- als auch Bundesregierung ungehört blieben. "Wir suchen als Nächstes den Kontakt zu Vernetzungsstellen Schulverpflegung in den Bundesländern und bei Elternverbänden. Wir müssen laut werden", ist eine Lehre für Blauert und seine Mitstreiter. Sie erinnern daran, dass für jedes Schulkind eine warme Mahlzeit gesetzlich verankert ist. In Corona-Zeiten fehlt ihnen der politische Blick darauf.
Dabei haben die Caterer der Region in den vergangenen Wochen trotz der schlechten Voraussetzungen einen enormen Aufwand betrieben, um alle, auch Einzelwünsche nach einer warmen Mahlzeit zu erfüllen. "Bei uns haben die Fahrer, die Seniorenessen ausfahren, das Essen für Kitas mitgenommen, die auf dem Weg lagen", berichtet Heinz Wysozki.
Auf gültige Verträge verweist Michael Schelske. Noch wichtiger ist ihm zu betonen: "Die Leidtragenden wären doch die Kinder gewesen. Da sind wir auch mal 35 Kilometer für eine Por­tion gefahren." Wenn die Politik im Sommer nicht reagiert, so befürchtet es Ralf Blauert, wachsen die Schulden so weit, dass diese Zeiten bald vorbei sein könnten.