Zum zweiten Mal innerhalb von zwei Jahren hat die Walzwerk Finow GmbH Insolvenz angemeldet. Nicht einmal der zu Zweckoptimismus verpflichtete Geschäftsführer geht jetzt noch davon aus, dass der Traditionsbetrieb zu retten ist.
Bis zuletzt sei versucht worden, weitere Investoren zu finden, sagte Patrick von Hertzberg, geschäftsführender Gesellschafter des Walzwerkes, das zu den wichtigsten Industrieunternehmen in Eberswalde (Barnim) gehört, obwohl es aktuell nur noch 145 Mitarbeiter beschäftigt. Es habe sogar bereits eine Absichtserklärung eines osteuropäischen Investors vorgelegen. „Unsere Verluste der vergangenen drei Monate und die Unsicherheiten wegen der europäischen Schuldenkrise haben den Investor aber letztlich abgeschreckt“, sagte von Hertzberg weiter.
Er habe den Insolvenzantrag beim Amtsgericht Frankfurt (Oder) gestellt, da absehbar gewesen sei, dass kurzfristig die Zahlungsunfähigkeit eintrete. Eine greifbare Perspektive für das Werk gebe es derzeit nicht, fügte er hinzu. Die Nachricht von der bevorstehenden Insolvenz hat Geschäftsführer am Montag zuerst der Öffentlichkeit und danach der auf die Schnelle zusammengerufenen Belegschaft verkündet.
Bereits im September 2009 war für das Walzwerk ein Insolvenzverfahren eröffnet worden. Dieses wurde mit der damaligen ersten Finanz- und Wirtschaftskrise begründet. Beim ersten Mal war der Betrieb, der vor allem geschweißte Stahlrohre und kalt umgeformte Stahlprofile herstellt, durch vereinte Kraftanstrengungen allerdings noch gerettet worden: Die Gläubiger verzichteten auf einen Teil ihrer Forderungen, die damals noch mehr als 200 Mitarbeiter akzeptierten Lohneinbußen, und das Land Brandenburg übernahm eine Bürgschaft von sieben Millionen Euro. Die Sicherheiten wurden für den Einkauf von Vormaterial benötigt. Weil das alles jedoch nicht reichte, kam für ein Drittel der Beschäftigten zum August 2010 die Kündigung. Zum Jahreswechsel konnte das erste Insolvenzverfahren schließlich aufgehoben werden.
„Obwohl wir ohnehin noch geschwächt waren, hatten wir aber im Laufe des Jahres 2011 weitere Rückschläge zu verkraften“, teilte der Geschäftsführer mit. Hauptproblem waren jetzt ausbleibende Aufträge. „Wir hätten eine Mindestproduktion von 4500 Tonnen Standardrohren pro Monat erreichen müssen, um kostendeckend zu arbeiten“, so von Hertzberg. Der tatsächliche Absatz habe aber nur bei 2800 bis 3500 Tonnen pro Monat gelegen. Das sei dem harten Wettbewerb geschuldet. „Wegen der eingebrochenen Nachfrage gerade im südeuropäischen Raum, drängen die dortigen Rohrproduzenten mit ruinösen Preisen in den Markt“, betonte er.
Der zweite Insolvenzantrag hat mehrere Folgen: Die Landesbürgschaft greife nicht mehr, weshalb kein Vormaterial gekauft werden könne. Das Personal erhalte Insolvenzausfallgeld und werde nur noch die bereits bestehenden Aufträge abarbeiten. Bis Mitte November werde der Betrieb geschlossen. Die Bemühungen um die Rettung des Unternehmens seien damit beendet, sagte von Hertzberg.