Immer wieder bekommen auch Brandenburger lange Mahnschreiben, weil sie ein zweijähriges Abo über monatlich acht Euro abgeschlossen und dieses noch nicht bezahlt hätten. Zu den Firmen, die die Verbraucherzentrale Hamburg jetzt auflistet, gehört die Premium Content GmbH aus dem hessischen Rodgau. Die ihr Geld mit der Seite
my-downloads.de verdient – und das Geld von den zumeist überraschten Internetsurfern auch auf ein Konto der Sparkasse Barnim überwiesen haben möchte. Und deren Geschäftsführer Villiam Adamca zudem als Geschäftsführer einer Go Web Ltd fungiert, die bei der Verbraucherzentrale mit 14 weiteren „Abo-Fallen“ aufgelistet ist.
Der Trick solcher Seiten: Es werden Programme zum Download angeboten, die man sich üblicherweise umsonst herunterladen kann. Etwa die Büro-Software OpenOffice. Deren Macher ärgern sich entsprechend auf ihrer Homepage: „Wir haben OpenOffice.org nicht für Leute gemacht, die damit anderen das Geld aus der Tasche ziehen.“
OpenOffice gibt es auch auf my-downloads.de. Steuert man direkt die Seite an, kann man sehr wohl erkennen, dass man für die eigentlich kostenlosen Angebote zwei Jahre lang acht Euro im Monat zahlen soll. „Doch direkt geht man nicht auf solch eine Seite, man landet über Suchmaschinen dort“, sagt Martin Madej, Jurist beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Und da seien die „Abo-Fallen“ häufig so programmiert, dass sie mit dem Downloadbereich ganz oben bei den Ergebnissen stehen. Aber auch wer sich vertippt, etwa oenoffice.de eingibt, kommt zu 
einem OpenOffice-Download, der 96 Euro im Jahr kosten soll. Und da sieht man dann gar nicht so schnell, dass hier Geld gefordert wird. Untrügliches Zeichen für die Abo-Absicht aber ist: Man soll sich mit seinen persönlichen Daten registrieren.
OpenOffice.org jedenfalls hat 2000 solcher Fälle gesammelt und den Suchmaschinen übergeben, damit die schwarzen Schafe nicht mehr prominent vorkommen. Wie gestern das Googeln zeigte, offenbar mit Erfolg.
Mit Erfolg haben „Abo-Fallen“-Opfer auch der Sparkasse Barnim deutlich gemacht, worum es sich bei der Premium Content GmbH handelt. „Wenn wir von Anfang an gewusst hätten, mit wem wir es da zu tun haben, wären wir keine Geschäftsbeziehung eingegangen“, sagt Vorstandsvorsitzender Josef Keil. Denn man könne grundsätzlich keine Sparkasse zu einem Geschäftskonto zwingen, wenn hinreichend belegt sei, dass der Geschäftspartner dem Anspruch von Treu und Glauben nicht genüge. In diesem Fall sei es – „es handelt nun einmal um ein Massengeschäft“ – zwar zur Kontoeröffnung gekommen. Man habe nun aber alle nötigen Konsequenzen gezogen. Konkreter will Keil unter Hinweis auf das Bankgeheimnis nicht werden. Die Tage der Premium Content GmbH bei der Sparkasse Barnim dürften aber jedenfalls gezählt sein.
Allerdings macht Josef Keil auch deutlich: Man müsse schon im Internet genau schauen, was man da per Mausklick bestätige – selbst wenn das noch so klein geschrieben sei. Auch wenn Verbraucherschützer Martin Madej
der Überzeugung ist, dass bei „Abo-Fallen“ kein Vertrag zustande kommt, weil der Betroffene „keinen Rechtsbindungswillen“ habe, da er mit kostenlosem Download rechne und der kleine Hinweis auf die Kosten „in aller Regel übersehen wurde“, stimmt er Keil letztlich zu: „Man muss im Internet viel mehr aufpassen.“
Der vzbv fordert, die im Koalitionsvertrag vereinbarte Button-Lösung umzusetzen – eine kostenpflichtige Bestellung muss in einem Extrafeld ausdrücklich bestätigt werden. Etwas Ähnliches gibt es in Frankreich – mit großem Erfolg.
Und die Verbraucherschützer empfehlen, nicht zu zahlen. Die Mahnschreiben, so die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, seien eine „üble Masche“ um einzuschüchtern – und das dort angeführte Urteil des Bundesgerichtshofes habe mit der Sache gar nichts zu tun. Die „Abo-Fallen“-Betreiber wollen laut Martin Madej nicht wirklich vor Gericht gehen. Sie verdienen auch so gut. 2009 war dem Betreiber von opendownload.de das Konto gekündigt worden. Beim Versuch, sich dagegen zu wehren, sagt Madej, habe dieser eidesstattlich versichert, in einer Woche 160 000 Rechnungen über 96 Euro zu versenden: „Wenn davon nur jeder Zehnte zahlt, ein lukratives Geschäft.“
Zu diesem Geschäft war von der Premium Content GmbH selbst gestern nichts zu erfahren – der Anschluss sei nicht besetzt, man soll es einen Tag später versuchen, lautete die Ansage.